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| 19:23 Uhr

Zur Umrüstung von Kaminen
Kamine als Feinstaub-Schleudern

Kamine stehen für Gemütlichkeit, spucken aber auch erhebliche Feinstaubmengen aus. Besitzer müssen notfalls umrüsten und Filter einbauen.
Kamine stehen für Gemütlichkeit, spucken aber auch erhebliche Feinstaubmengen aus. Besitzer müssen notfalls umrüsten und Filter einbauen. FOTO: Paipai/Eberhard / fotolia
Elbe-Elster. Wenn Behaglichkeit die Luft verpestet: Bestimmte Kamine müssen nachgerüstet werden. Von Frank Claus

Es knistert im Kamin, Das Flammenbild sorgt für Gemütlichkeit, das Feuer für schnelle Wärme. Wer nach der Wende ein neues Haus gebaut hat, so die Beobachtung der Schornsteinfeger im Landkreis, hat zumeist eine Esse mit errichten lassen. In vielen Fällen wurden die zumeist zwischen 2000 und 4000 Euro teuren Kaminöfen angeschlossen. In weniger Fällen wurde ein massiver, um die 10 000 Euro teurer Kamin gesetzt.

Was viele nicht wissen: Seit 2010 müssen Kamine, die nicht mit moderner Filtertechnik ausgestattet sind, nachgerüstet werden. Grund ist der PM10-Wert, der den Feinstaubausstoß beschreibt. PM bedeutet Particulate Matter, Englisch für Feinstaub.

So haben die Sachsen ermittelt, dass die Feinstaub-Emissionen – besonders gefährlich für unsere Lungen – aus Kleinfeuerungsanlagen mit 15 Prozent inzwischen auf Platz drei  aller Luftverpester gelandet sind. Davor liegen nur noch die Emissionen aus Verkehr (37 %) und Landwirtschaft (28 %). Exakt vergleichbare Zahlen gibt es aus Brandenburg nicht, so Thomas Frey, Pressesprecher im Landesumweltamt. Jedoch: „Betrachtet man nur die Emissionen der Haushalte und aus Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) tragen beim Stickoxid-Ausstoß die Festbrennstoffe mit 31 Prozent und davon die Holzbrennstoffe mit 16 Prozent an den Emissionen bei. Die PM10-Feinstaubemissionen der Haushalte und GHD werden fast ausschließlich durch das Verbrennen von Festbrennstoffen emittiert. Der Beitrag der Holzbrennstoffe beträgt dort 65 Prozent“, so der Sprecher

Das Bundes-Immissionsschutzgesetz verpflichtet seit 2010 zur Umrüstungen alter Anlagen. Dabei sind Fristen festgelegt worden, die vom Baujahr abhängen. Die Übergangsfrist für Kamine, die zwischen 1975 und 1984 zuletzt geprüft wurden, endete am 31. Dezember 2017. Bis zu diesem Zeitpunkt hätten sie, wenn sie weiter betrieben werden sollen, aufgerüstet und von einem Schornsteinfeger abgenommen – oder eben stillgelegt werden müssen.

 Öfen, die zwischen 1985 und 1994 geprüft würden, haben eine Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2020. Die meisten Sorgen bereiten ältere Kaminöfen und sogenannte Kachelofen-Luftheizungen.

Dabei, so macht Marcus Handreck, der Innungstechniker der Schornsteinfegerinnung Cottbus ist, und in seinem Kehrbezirk Schönewalde 28 Ortschaften betreut, deutlich, dass Küchenherde, Waschkessel und offene Kamine von den neuen Verordnungen ausgenommen sind. Gleiches trifft auch auf die guten alten Kachelöfen zu. „Die sind meist so gebaut, dass ein Filter nicht notwendig ist“, erklärt der Fachmann. Bleiben also die Kamine, vor allem auch solche, die im Internet erworben wurden und den deutschen Bestimmungen nicht entsprechen.

Dabei, so erklärt Reiner Schulz, Ofen- und Kaminbauer aus Schlieben, würde noch nicht einmal sein Großhändler die breite Palette der Filter zum Nachrüsten anbieten. Wobei ein Filter „nicht einfach nur ein Sieb ist, das in die Abgasleitung gehangen wird“, klärt der Innungstechniker auf. Das sei ein metallischer Stab, der elektrisch aufgeladen betrieben werde. Und genau darin liege das Problem: Die so bezeichneten Feinstaubfilter gibt es in der einfachsten Variante schon für 300 Euro. Sie müssen aber regelmäßig gewartet werden. Ein sächsischer Berufskollege habe kürzlich  seine Erfahrungen so beschrieben: „Nach zwei, drei Wochen sind sie verstopft, der Ofen funktioniert nicht mehr, sie müssen gesäubert werden und man hat regelmäßige Wartungskosten.“ Da seien die dauerhafteren Varianten für etwa 2000 Euro wohl die bessere Alternative. Oder doch nicht?

In der Schornsteinfegerbranche würde deshalb wohl gleich zum Kauf eines neuen Kamins geraten. „Ich habe noch keinen Filter eingebaut“, gesteht der Schliebener Ofenbauer Reiner Schulz. Klar, wenn ein guter neuer Kaminofen, der alle Anforderungen erfülle, schon um die 3000 Euro möglich ist, würden sich viele Kunden den Filtereinbau überlegen.

Marcus Handreck rät seinen Kunden, das Gespräch mit den Schornsteinfegern zu suchen und sich beraten zu lassen. Es gebe zum Beispiel auch die Möglichkeit, eine Messung an seinem jetzigen Kamin durchführen zu lassen. Aber auch die schlage je nach Ausführung mit etwa 500 Euro zu Buche.

Und wer einen Kamin heizt, sollte sich vor Inbetriebnahme auch mit den Anwendungsrichtlinien vertraut machen. Die Höhe der Feinstaub-Emission ist von mehreren Faktoren abhängig: von der gewählten Holzart, dem Feuchtegehalt und auch der Art des Feuerns.  In den meisten Kaminbeschreibungen werde dazu geraten, nicht in Indianer-Lagerfeuermanier anzuzünden, sondern das Holz einzustapeln und von oben mittels Kohleanzünder abzubrennen.

Feinstaub aus Hauskaminen
Feinstaub aus Hauskaminen FOTO: Paipai/Eberhard / fotolia