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Fahrt in die IndustriegeschichteFahrt in die Industriegeschichte

Region.. Ein lange gewünschter Regenguss begrüßte am vergangenen Donnerstag die Gäste der Sommertour der ELBE-ELSTER-RUNDSCHAU. Zwanzig Leser aus Bad Liebenwerda und Elsterwerda hatten sich an den Abfahrtspunkten eingefunden und fuhren mit einem Bus des Reiseunternehmens Dreßler in Richtung Lauchhammer und Senftenberg. Von Dagmar Menzel

Die erste Station der Tagestour war die Lauchhammer Kunstguss GmbH & Co. KG in der Freifrau-von-Löwendahl-Straße. Dieser Traditionsbetrieb in Lauchhammer bietet in seinem historischen Ambiente wunderbare Einblicke in alte Produktionsverfahren. Auch der Donnergott hatte inzwischen am Himmel alle Register seines Können gezogen und mit einem ordentlichen Regenguss und mächtigen Donnerschlägen schuf er die passende akustische Hintermalung für einen eisenproduzierenden Betrieb. Der technische Leiter Gerhard Wiesner begrüßte die Reisegruppe mit einer Einführung in die Geschichte der Eisengewinnung und -verarbeitung in unserer Region. Die Lauchhammer Kunstguss GmbH ging aus dem ehemaligen VEB-Betrieb hervor und ist heute an ein Unternehmen in den westlichen Bundesländern angeschlossen. Bis 1990 waren hier 69 Menschen beschäftigt, heute verdienen 21 Angestellte im Kunstguss ihr Brot.
Beim Rundgang durch die Gießerei mit ihren hoch interessanten alten Gebäuden wurde der eigentliche Manufakturcharakter der Produktionsstätte bewusst erlebbar. Gerhard Wiesener erläuterte sehr engagiert die einzelnen Produktionsverfahren von Gussteilen aus dem künstlerischen Bereich an Arbeitsproben. Seit 1995 werden in Lauchhammer auch wieder Glocken gegossen. Zwei Angestellte hatten sich zum Glockenformer ausbilden lassen und in diesen Tagen konnte die 349. nach der Wende in Lauchhammer gegossene Glocke in die Bücher der Gießerei eingetragen werden.
Ein weiterer Spezialbereich der Gießerei ist die Sanierung und Rekonstruktion historischer Gusselemente aus dem öffentlichen Raum wie Brunnenschalen, Lampen und anderer Stadtmöbel.
Einen Überblick über die Produktionsvielfalt von klassizistischen Gartenmöbeln und Schalen des Architekten Carl Friedrich Schinkel bis hin zu zeitgenössischen Abgüssen und kleinen Glocken erhielten die Gäste im Verkaufsraum der Gießerei. Verschiedenste Oberflächenarten und Farbvariationen der Gussstücke für Tür- und Fensterbeschläge historischer Bauten können hier ausgewählt werden. Als besondere Unikate sind etwa 20 cm große Abgüsse von vor dem Erstellen des Abdrucks vereisten Disteln im Geschäft erhältlich.
In der Stadt der Schwerindustrie und des Maschinenbaus in unserer Region sind vielfältige Wandlungen im Bereich der Industrie und der Wohnsituationen der Menschen im Gange. Weitreichende Veränderungen im Stadtbild blieben den Gästen der Sommertour auf der Fahrt durch die Stadt Lauchhammer nicht verborgen und wurden diskutiert.
Auf der Fahrt Richtung Senftenberg lachte die Sonne in altgewohnter Weise vom Himmel und der Bus traf in Großkoschen am Senftenberger See bei schönstem Badewetter ein. Die Zeit bis zum Ablegen des Ausflugsschiffes nutzten die Gäste der Sommertour zum Mittagessen und Sonnenbaden. Auf dem Passagierschiff „Santa Barbara“ konnte man sich auf dem Oberdeck der Aussicht auf die Segler, Surfer und der Landschaft widmen oder im klimatisierten Unterdeck einen Kaffee und Kuchen genießen. Der in den 60er Jahren geflutete ehemalige Braunkohlentagebau hat sich zu einem wunderbar begrünten Ausflugsziel entwickelt. Der Landschaftsarchitekt Otto Rindt hatte damals die Pläne erarbeitet. Heute findet man hier breite Sandstrände und ganz ruhige Uferbereiche mit intensiver Begrünung zum Erholen vor.
Die Sommertour wurde von den Gästen als sehr interessant eingeschätzt. Viele nutzten die Möglichkeit zum Mitfahren, um Bereiche der Umgebung zu entdecken, in die man sonst nicht ohne weiteres hineinkommt. Auch Brunhilde Bergner und Betty Quandt aus Elsterwerda gehören zu den unermüdlichen Mitreisenden der Sommertouren: „Wir fahren fast immer mit! Man kommt mal raus von zu Hause und es war wieder sehr schön“ .