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| 14:16 Uhr

Komplett in Handarbeit gefertigte Orgel
Exzellentes Instrument verlässt die Kurstadt

Orgelbaumeister Lukas Ehlert (28) aus Merkersbach im Erzgebirge mit einer Prospektpfeife. Insgesamt 1072 Orgelpfeifen werden bald wieder erklingen.
Orgelbaumeister Lukas Ehlert (28) aus Merkersbach im Erzgebirge mit einer Prospektpfeife. Insgesamt 1072 Orgelpfeifen werden bald wieder erklingen. FOTO: Veit Rösler
Bad Liebenwerda. Am Montag verlässt ein einmaliges Kunstwerk Bad Liebenwerda für immer, um an anderer Stelle sicher für viele Hundert Jahre die Menschen zu erfreuen. Von Veit Rösler

Beim Mitteldeutschen Orgelbau ist jetzt die neue Orgel der 2012 abgebrannten Kirchenburg Walldorf in ihren Einzelteilen fertig geworden. Die einzelnen Segmente werden gegenwärtig demontiert, um am Freitag, 12. Oktober, in einen Lkw verladen zu werden, der das sensible Musikinstrument dann zur Kirchgemeinde Walldorf/Meiningen (Thüringen) bringt.

Hinter den Orgelbauern der Bad Liebenwerdaer Firma Voigt liegen insgesamt 18 Monate perfekter Sisyphusarbeit, in denen zwischen einem und acht Orgelbauer an dem Instrument gearbeitet haben. Wer so ein aufwendiges Präzisionsgerät baut, darf sowohl in der Planung als auch in der Ausführung keine Fehler machen. Allein in der Erarbeitung der Konstruktionsunterlagen stecken 600 Stunden Ingenieursleistung, die in Bad Liebenwerda von Tischlermeister und Designer Erwin Rohleder (63) erledigt werden.

Gemeinsam mit den Architekten der neu zu bauenden Kirchenburg Walldorf wurde das Instrument auf die geplanten neuen Raumlinien und das den Raum dominierende Fenster ausgerichtet. Die Linien sollten nach den Vorgaben der Konstrukteure in den Raumecken enden. So sind für eine Orgel eher ungewöhnliche Trapeze und Dreiecke in den Sichtachsen entstanden. Die für die Töne zuständige Technik wurde auf drei Hauptebenen verteilt. Während das Hauptwerk die mittlere Etage besetzt, sind die Nebenwerke auf der unteren und oberen Stufe verteilt.

Die komplett in Handarbeit gefertigte Orgel besitzt 18 Register, zwei Manuale und zwei Pedale. Natürlich sind die insgesamt 1072 Orgelpfeifen aus Holz und Metall ebenfalls in Handarbeit entstanden. Sogar das Blech wurde in der Firma in einem historischen Verfahren aus flüssigem Metall gegossen. Dabei werden in vollendeter Handwerkskunst aus flüssigem Metall und damit mit den Gesetzen der Naturwissenschaften im Endergebnis exzellente Töne geschaffen. Das zunächst auf 290 Grad erhitzte Metall aus einer Legierung von 70 Prozent Zinn und 30 Prozent Blei wird dabei unter Zugabe eines Flussmittels aus Wachs auf dann exakt 195 Grad herabgekühlt und nun in eine Lade gegossen. Dieser mit rund 25 Kilo flüssigen Metalls gefüllte Behälter wird jetzt mit absolut gleichbleibender Geschwindigkeit über einen Tisch gezogen, wobei drei Millimeter starke und 330 Zentimeter lange Metallplatten entstehen. Die Platten werden danach in eine Zinnhobelmaschine eingespannt und auf das für den zukünftigen Ton exakt vordefinierte Maß zwischen 1,2 und 0,22 Millimeter abgehobelt. Ein Polierstein bringt den letzten Schliff. Legierung und Starkwandigkeit sind entscheidend für den zukünftigen Ton. Danach werden die dünnen Bleche in die markante runde Form gebracht und von Hand verlötet.

Zusammen mit der Internation, der klanglichen Abstimmung, sind in Walldorf/Meiningen sechs Wochen für den Aufbau geplant. Das Instrument soll Ende November fertig sein und im Frühjahr 2019 eingeweiht werden. Die Kirchenburg Walldorf war am 3. April 2012 bei einem Großbrand in Schutt und Asche gesunken. Christus war vom Kreuz gefallen, das Dach eingestürzt, Orgel und Altar wurden vollständig vernichtet und der Glockenturm war einsturzgefährdet. Das Gebäude wird seitdem nach einem aufwendigen Konzept für mehrere Millionen Euro wieder aufgebaut.