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| 11:40 Uhr

Bad Liebenwerda
Es ist ein blühender Traum

 Die Thementouren des Heimatvereins „Die Lobenburger“ sind besonders beliebt. Gabriele Neustadt erzählt amüsant aus ihrer Heimat.
Die Thementouren des Heimatvereins „Die Lobenburger“ sind besonders beliebt. Gabriele Neustadt erzählt amüsant aus ihrer Heimat. FOTO: VRS
Bad Liebenwerda. Tafelsilber in Panzerspuren. Wo zwischen 1960 und 1988 auf einem Truppenübungsplatz der Nationalen Volksarmee geschossen und taktisches Verhalten mit Militärgerät geübt wurde,  gibt es heute ein faszinierendes Refugium der Natur. Von Frank Claus

Die Sonne geht auf. Locker wie Sahnehäubchen wandern Wolken am Himmel. Eine Schafherde zieht über den violett blühenden Teppich hin zur Waldkante. Vorbei an einzeln stehenden Birken und Kiefern. Das Auge kann sich nicht satt sehen. Die Nase kitzelt ein wunderbarer Geruch. Es duftet so herrlich nach Honig. Und dann diese Stille. Nur Vögel durchbrechen mit ihrem Gesang die wunderbare Ruhe.

Wer sich hinhockt, entdeckt in der kargen, sandigen Landschaft quirliges Treiben. Um die Knospen der Calluna surren Bienen, Käfer krabbeln am Boden, Spinnen haben ihre engmaschigen Wunderwerke gewebt. Tief durchatmen. Die Heide blüht!

Endlich wieder. Im vergangenen Jahr blieb das Naturschauspiel aus, die Hitze hatte ihren Tribut gefordert. Es war wie ein Protest der Natur. Die Heide blieb weitgehend grau. In diesem Jahr haben wenige, dafür aber ergiebige Niederschläge ausgereicht, den Zauber zu entfachen. Und so wird es auch in diesen Tagen nicht lange dauern, bis Menschen sich das Schauspiel nicht entgehen lassen.

 Kein seltenes Bild zwischen August und September, wenn die Heide prächtig blüht. Aber auch ganzjährig sind Ausflüge, unter anderem mit den Naturwacht-Rangern, im Naturpark interessant.
Kein seltenes Bild zwischen August und September, wenn die Heide prächtig blüht. Aber auch ganzjährig sind Ausflüge, unter anderem mit den Naturwacht-Rangern, im Naturpark interessant. FOTO: VRS

Lars Thielemann, der Leiter der Naturparkverwaltung, lächelt zufrieden in sich hinein. Dass es gelingt, diese Heidelandschaft zu erhalten, ist kein Selbstlauf. Ohne menschliches Zutun wären diese etwa zehn Prozent Offenflächen, die durch die militärische Nutzung entstanden und Grundlage des ausgedehnten Heidewachstums sind, längst wieder dicht bewaldet. Die Forstbetriebe, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Brandenburgs Landesumweltamt, engagierte Naturschützer, Revierförster, drei Schäfereibetriebe – sie alle helfen mit, diesen Schatz zu erhalten.

So wird die Heide nicht nur beweidet, sondern auch regelmäßig gemäht. Das ist nötig, damit sie sich immer wieder aufs Neue bestockt. Denn wer weiß schon, dass die knochig wirkenden Zweige der Calluna-Pflanzen begehrt sind – unter anderem bei den Reetdachdeckern, die davon die Dachfirsten herstellen.

Und wer ahnt, wie wichtig die Heide für die Vielfalt von Pflanzen und Tieren ist? Dort findet der selten gewordene Wiedehopf noch Lebensraum, nutzen bedrohte Tierarten wie Neuntöter und Braunkehlchen die niedrigen Büsche zum Brüten, fliegen Erdhummeln, flattern selten gewordene Schmetterlinge, krabbelt eine Käfervielfalt, die es anderswo längst nicht mehr gibt, zwischen Sandtrockenrasen und Silbergrasfluren. Und da ist der größte zusammenhängende Traubeneichenbestand gleich nebenan. Das alles, so Lars Thielemann, müssen Menschen sehen und erleben. Behutsam. Massentourismus, den will er nicht. Wohl aber, dass so wie ihm Besuchern das Herz aufgeht.

 Lars Thielemann ist der Leiter des Naturparks.
Lars Thielemann ist der Leiter des Naturparks. FOTO: LR / Frank Claus