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Es ist der Tribut an drei fast eisfreie Winter

FOTO: Frank Claus
Thalberg. Das Ergebnis kommt für Teichwirt Ulrich Richter nicht unerwartet: Eine durchschnittliche Ernte ist am Sonnabend eingeholt worden. Und doch ist er etwas überrascht: Der warme September hat noch einmal für eine stattliche Gewichtszunahme bei den Karpfen gesorgt. Frank Claus

In der Teichwirtschaft von Ulrich Richter in Thalberg wird am Sonnabend gegen 7 Uhr zum ersten Mal das Netz gezogen. Insgesamt drei Mal an diesem Tag. Der Kleine Maasdorfer Teich ist schon Ende September abgefischt worden. Schon beim ersten Fischzug wird deutlich: Es sind viele dicke Brocken, die da an der Wasseroberfläche zu erkennen sind. Ulrich Richter weiß auch warum: "Der warme September hat noch mal zu einem kräftigen natürlichen Nahrungsangebot im Teich geführt. Die Karpfen konnten ausgiebig futtern." Doch im nächsten Moment relativiert er: "Wir haben insgesamt weniger Tiere." Auch das hat einen natürlichen Grund. "Die letzten drei Winter waren bis auf wenige Tage eisfrei. Kormorane und Graureiher hatten einen reich gedeckten Tisch", sagt er und wird konkret: "Jeder zehnte Fisch wird so nicht mehr groß."

Ideal wäre eine geschlossene Eisdecke, am besten für 100 Tage. Da bleiben die Fische geschützt und werden auch nicht permanent aufgescheucht. Für den Fischer bedeutet der ungebremste Hunger der Vögel enorme Verluste. "Unsere Arbeit wird so kaputt gemacht. Denn die Vögel fressen vor allem die Setzfische, also die Grundlage der künftigen Ernten." Ulrich Richter sagt es mit Sarkasmus: "Wir sind kein Broilerbetrieb, wo die Hühner nach wenigen Tagen auf den Tisch kommen. Ein Karpfen braucht gut 1000 Tage, also mindestens drei Jahre, um über die Ladentheke zu gehen."

Auch über die "dicken Dinger" ist er nicht uneingeschränkt glücklich: "Vielen älteren Kunden, die oft zu zweit einen Karpfen essen, sind die dann zu groß." Sohn Toni berichtet, dass die meisten Fische - neben Karpfen sind es auch Schleie, Hecht und Zander - über den heimischen Hofladen vertrieben werden. Aber auch Fischhändler rund um Berlin und an der Havel werden beliefert. Karpfen, so sagt er, ist sehr gesund und schmeckt nicht nur zu Weihnachten und Silvester. "Früher hat man mal gesagt, Karpfen kann man in allen Monaten, die ein ,r' im Wort haben, essen. Das war so, weil das die kühlen Monate sind und Frischfisch zügig verbraucht werden muss. Aber heute geht mit der Kühlung ja alles anders."

Die Sorgen der Teichfischer haben die gute Laune der etwa 20 Helfer an diesem Tag allerdings nicht beeinträchtigt. "Ich bin bestimmt schon zum fünften Mal dabei. Weil ich selber Angler bin, es einfach Spaß macht, hier die Atmosphäre zu genießen", sagt Christian Heyde aus Theisa. Stolz präsentiert er einen stattlichen Graskarpfen, der zwischen acht und zehn Jahre alt sein dürfte, um sich dann sofort wieder dem Vorsortieren auf der Fischrutsche zu widmen. In Thalberg wird das Abfischen auch immer ganz gemütlich: Auf der gegenüberliegenden Teichseite gibt es frisch geräucherte Forellen, Glühwein und belegte Fischbrötchen - im Hofladen ist das gesamte Frischfisch- und Räucherfisch-Sortiment im Angebot. Für die Helfer hat wie immer des Fischers Frau Silvia gekocht: Diesmal gibt's nach dem Fischimbiss zur Morgenstunde einen leckeren Rinderbraten zu Mittag.