Und so sehen die derzeitigen Pläne aus, die vom Landesumweltamt sowie dem Wasser- und Schifffahrtsamt als Vorzugsvariante favorisiert werden: Bis auf zwei Teilstücke werden die vorhandenen Deiche ver stärkt und dem 2002-Hochwasserstand angepasst. Die Dammkrone soll im Schnitt einen Meter höher liegen als der damalige Höchststand, erläuterte WTU-Mitarbeiter Eckhard Lehmann. Das bedeutet, dass an einigen Stellen die Deiche etwas erhöht werden müssen.
Zum besseren Hochwasserschutz der Zuckerfabrik ist in Brottewitz der erste Neubau vorgesehen. Die Deichführung geht dann weiter entlang der Straße in Richtung Weinberge. Ein Querdeich führt in Richtung Klärwerk, das hochwassersicher umbaut wird. In Höhe Köttlitz ist ebenfalls ein neuer Deich geplant. Dabei handelt es sich um eine Rückversetzung, die Überflutungsflächen werden größer. Um im Bedarfsfall für ein schnelleres Ablaufen des Wassers innerhalb des Ringdeiches zu sorgen, wird am jetzigen Damm ein Siel integriert. Die weitere Deichführung verläuft wie bisher nördlich am Schlossteich vorbei, entlang des Hafens und auf der Stadt zugewandten Seite an der Alten Elbe bis zur Seeschleuse im Osten des Altarmes.
Insgesamt handelt es sich beim Brottewitz-Mühlberger Deich-Abschnitt um etwa 11,5 Kilometer einschließlich der linken Elbseite. Bei der Planung sind der Neubau der Elbebrücke sowie die Trassenführung der Umgehungsstraße L66 natürlich berücksichtigt, weitere Konkretisierungen allerdings noch erforderlich. Hier werden an verschiedenen Stellen Anpassungen der Deiche notwendig.
Alte Elbe: Im Bereich der Alten Elbe wird eine Spundwand im Deichkörper für den Hochwasserschutz sorgen. Direkt daneben, auf der Deichkrone, könnte künftig der Elberadwanderweg entlangführen. Auch die Straße auf der anderen Seite, die als Deichverteidigungsweg genutzt wird, bleibt. Zumindest während der Bauphase müssen die unmittelbar benachbarten Gartenbesitzer mit Einschränkungen leben, kündigte Eckhard Lehmann an.
Schlossteich: Deichsanierung und die Mühlberger Wassertourismus-Pläne sind eng miteinander verknüpft. Ein Beispiel ist der Schlossteich. Östlich dieses Gewässers soll aufgrund der Anbindung der Brücke die Deichschutzlinie über die vorhandene Hochfläche führen. Dazu wird der Deichverteidigungsweg als Dammkrone ausgebildet, wobei dieser Weg möglicherweise in Abstimmung mit dem Landesumweltamt auch als Anliegerstraße verwendet werden könnte. Der Campingplatz bleibt erhalten. Die bisherige Betonstraße könnte hier verschwinden und durch eine naturbelassene Befestigung ersetzt werden. Rechterhand der neuen Straße wäre ein Parkplatz denkbar, der in der Sommersaison als Stellfläche für Autos, im Winter aber als Lagerungsplatz für Boote nutzbar wäre. Diese könnten in der Saison an einem Schwimmsteg ankern, auch an einen Bootsschuppen am Schlo ssteich haben die Planer gedacht.
Hafen: Wie groß die Chancen der Stadt Mühlberg sind, von der Deichsanierung bei ihren touristischen Zielen zu profitieren, wird besonders am Hafen deutlich. Um den Hochwasserschutz in diesem sensiblen Bereich zu gewährleisten und das Hafenbecken durch mögliche Verfüllungen für einen standfesteren Deich nicht zu verkleinern, sieht die bevorzugte Sanierungsvariante das Stellen von Spundwänden vor. Eine soll direkt in den jetzigen Deichkörper getrieben werden, eine weitere das Hafenbecken abschließen. Beide sind aus statischen Gründen miteinander verankert. Mit dieser Variante würden das Ruderhaus und das sich unmittelbar am Deich befindliche Grundstück der Familie Wald nicht beeinträchtigt. Weiterer Pluspunkt: Die enge Straße neben dem Deich könnte um zwei Meter verbreitert werden, da durch die Spundwand die Böschung zur Landseite nicht so weit aufgeschüttet werde n muss. Denkbar wäre zudem, dass der Elberadwanderweg auch in diesem Bereich auf der Dammkrone verläuft. Die Deichscharte (die Durchfahrt) wird wie an anderen Stellen im Zuge der Sanierung verschwinden und durch eine Deichüberfahrt ersetzt.
Das Hafenbecken würde bei dieser Variante noch etwas verbreitert, am Rand könnte ein Kai gepflastert werden, erläuterte Eckhard Lehmann weiter. Zur Gestaltung des Hafens sehen die Pläne sich dem Hochwasser anpassende schwimmende Steg anlagen vor. Eine wäre den Ruderern vorbehalten, eine weitere könnte für Motorjachten genutzt werden. An der Spundwand besteht die Möglichkeit, eine Hebevorrichtung für das Be- und Entladen von Booten anzubringen. Auch ein Anleger für große Fahrgastschiffe wurde von den Planern nicht vergessen.
Die Pläne sind sehr ehrgeizig - auch finanziell. Dennoch biete die Deichsanierung eine riesige Chance, auch bei der für den Wassertourismus nötigen Infrastruktur einen großen Schritt voranzukommen, warb Bürgermeister Dieter Jähnichen bei den Mitgliedern des Hauptausschusses. An den Abgeordneten liegt es nun, auch die Finanzierung des kommunalen Eigenanteils an der Gesamtinvestition auf die Beine zu bringen. Dabei kann das Stadtsäckel von den riesige Summen, wie sie im Rahmen der Großprojekte in Mühlberg in den nächsten zwei Jahren fließen werden, nur profitieren.
Konkreter wird es dazu vielleicht schon in der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 26. Oktober. Auf jeden Fall wird Eckhard Lehmann vom Ingenieurbüro WTU dann noch einmal vor größerem Publikum die gegenwärtige Planung vorstellen.

Zum Thema Planfeststellung 2006, Baubeginn 2007
 Die Deichsanierung an der Elbe im Land Brandenburg befindet sich derzeit in der Entwurfsplanung. Diese bereitet das Planfeststellungsverfahren vor, das für den direkten Mühlberger Bereich bis zum Jahresanfang eröffnet werden soll. Karin Hüppe, zuständige Referentin im Landesumweltamt, geht von einem Baubeginn im Jahr 2007 aus. Zwei bis maximal drei Jahre werden die umfangreichen Arbeiten in Anspruch nehmen. Die geplanten Kosten für das Mühlberger Projekt belaufen sich auf zirka 20 Millionen Euro. Insgesamt sollen vier Teilprojekte von Stehla an der Grenze zu Sachsen bis zum Fichtenberger Ortsteil Gaitzschhäuser realisiert werden.