Für ihr Engagement um den Aufbau, die Gestaltung und Pflege des Gartenkunstwerkes Pfarrgarten Saxdorf im Elbe-Elster-Land sind am Sonnabend der Maler und Bildhauer Hanspeter Bethke und sein Partner, Pfarrer Karl-Heinrich Zahn, mit der Lenné-Medaille der Lenné-Akademie für Gartenbau und Gartenkultur geehrt worden. Die Laudatio gehalten hat der Vorsitzende des Vorstandes der Lenné-Akademie, Hans-Hermann Bentrup. Den Garten in Saxdorf, einst auf Ödland entstanden, gibt es inzwischen seit 50 Jahren.

Es war im Jahr 1967, als der im Wörlitzer Park tätige Baurestaurator Bethke bei seinem Umzug von Halle an nahezu jedem Wochenende im Zug Pflanzen in Reisetaschen mit nach Saxdorf schleppte. In Brandenburg gehört der Pfarrgarten mit seinen etwa 3500 Pflanzen und Gehölzen, darunter etwa 300 alte, historische sowie chinesische Rosen, Kamelien und Kakteen an der Landesgrenze zu Sachsen zu den schönsten Gärten des Landes.

Gerade hat sich im Pfarrgarten ein weiß, gelb und zartblau leuchtender Blütenteppich aus Märzenbechern, Schneeglöckchen, Krokussen und Winterlingen ausgebreitet. Die ersten Lenzrosen nehmen sich inmitten des Farbenspiels der Natur wie kleine Pflanzenpolizisten aus - so, als würden sie sorgsam beobachten, wie alles aufbricht. Zwischendrin gibt der Austrieb der Zaubernuss (Hamamelis) mit ihren gelben und rotbräunlichen Farben Ausdruck vom nicht mehr aufzuhaltenden Frühling.

Die große, 70 Jahre alte Eibe mit dem merkwürdig ausgeprägten "Hut" in der Krone ist der majestätische Methusalem des Gartens mit seinen engen, geschwungenen Wegen, die hinter jeder Biegung das Auge neu staunen lassen. Ein Wall aus Bambusstangen ragt fast vier Meter in die Höhe und bildet eine gelblich-grüne Grenze. Die fast mannshohe Benjeshecke aus abgestorbenen Ästen und Zweigen an der einen Gartenseite belegt, seit vielen Jahren wird natürlich verschnitten, gehegt und gepflegt. In der Fachliteratur und in Bildbänden werden diesem Gartenkunstwerk immer wieder gebührende Plätze eingeräumt.

"Der Saxdorfer Pfarrgarten - Vorhof des Paradieses", so hat Pfarrer Karl-Heinrich Zahn den Garten einmal beschrieben. Und damit auch Hans-Hermann Bentrup angestachelt. Der Vorsitzende der Lenné-Akademie meint in seiner Rede Bezug nehmend auf die christliche Geschichte, die die Menschen aus dem Paradies verbannt: "Das Paradies, der Garten Eden bleibt aber nur ein Traum, dem wir uns der Realität nur annähern, ihn aber nicht verwirklichen können. Er zitiert aus Elizabeth von Arnims "Ein Sommer im Garten" und löst Schmunzeln aus: "Hätte Eva im Paradies einen Spaten gehabt und damit anfangen können, hätten wir nicht diese ganze traurige Geschichte mit dem Apfel." Mit höchstem gärtnerischen Geschick, so der Laudator, hätten Hanspeter Bethke und Karl-Heinrich Zahn "zumindest für einen paradiesähnlichen Zustand, eben einen Vorhof des Paradieses" gesorgt.

Und was hat dieser Garten mit Lenné zu tun? Wenn immer Peter Joseph Lenné (1789-1866), unter anderem Direktor der Preußischen Gärten und Gründer der Königlichen Gärtnerlehranstalt, "einen Landschaftspark entwickelt hat, ist er von den Potenzialen, die er in der Natur vorfand, ausgegangen", so Hans-Hermann Bentrup. Er habe die Landschaft schöner gemacht, sie "aufgehübscht". Besessen von diesem Ziel, "eine vorgefundene Wildnis" in Nachbarschaft von Backsteinkirche und Pfarrhaus aufzuwerten, seien auch die Saxdorfer Gartengestalter bis heute, obwohl beide eigentlich keine ausgebildeten Gärtner sind.

Doch wie weiter mit dem "Vorhof des Paradieses", wenn der eine "Adam" das 80. Lebensjahr überschritten und der andere kurz davor steht? Die ersten Überlegungen, die eine bei der BTU Cottbus-Senftenberg in Auftrag gegebene Studie aufzeigt, haben bei der Festveranstaltung am Sonnabend für eine kontroverse und teils höchst emotionale Stimmung gesorgt. Garten-Kunstwerk und Touristenmagnet - geht das?