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Erinnerungsarbeit mit Gegenwartsbezug

Ministerin Münch bei der Kranzniederlegung.
Ministerin Münch bei der Kranzniederlegung. FOTO: bae1
Neuburxdorf. Mit Kranzniederlegungen am Soldatenfriedhof in Neuburxdorf und unter dem Hochkreuz am ehemaligen Gefangenenlager haben die Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V. und die Städte Bad Liebenwerda und Mühlberg gemeinsam mit weiteren Anwesenden aus Politik und Gesellschaft der Opfer des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers und des späteren Speziallagers des sowjetischen Geheimdienstes NKWD gedacht. bae1

Aus ganz Deutschland, größtenteils aber aus Sachsen waren ehemalige Insassen des Lagers beziehungsweise deren Angehörige zum inzwischen 27. Mahn- und Gedenktreffen angereist. Besonderer Gast war in diesem Jahr die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Martina Münch.

Am Denkmal für die Toten des Kriegsgefangenenlagers zeigte sich Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel besorgt über die aktuelle Weltlage mit vielen Konfliktherden, aus denen Flucht und Vertreibung resultieren. Einen Beitrag gegen diese Entwicklung könne jeder leisten, der die Begegnung mit Menschen anderer Nationen suche und so zur Verständigung beitrage. Hannelore Brendel verwies auf das große internationale Interesse, das es am ehemaligen Lager Mühlberg und dem hier praktizierten Gedenken gebe.

Der sich anschließende Gottesdienst in einem Zelt am ehemaligen Lagergelände wurde vor allem durch die gesanglichen Darbietungen der Mühlberger Jugendkantorei, die - für Gottesdienste unüblich - am Ende mit Applaus quittiert wurden.

Die Erinnerungskultur, die an Orten wie dem Lager Mühlberg gepflegt wird, machte Ministerin Martina Münch zum Gegenstand ihrer Gedenkrede am Hochkreuz. Gedenkorte könnten erfahrenes Unrecht nicht heilen. Dennoch sei es wichtig darüber zu sprechen. Ziel sei das Verschweigen oder Relativieren von Geschichte zu verhindern, das in der Vergangenheit Geschehene müsse eine essenzielle Erfahrung für Gegenwart und Zukunft sein - vor allem in Zeiten, in denen der Extremismus lauter werde. Eine Gesellschaft, die sich zu begangener Schuld bekenne, werde nicht schwächer, sondern stärker. Erinnerungsarbeit helfe, die Gesellschaft im positiven Sinne stärker zu machen.