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| 19:21 Uhr

Schwelgen in Erinnerungen
Hoppenz in Elsterwerda – Kult und Klatsch auf den Po

 Jürgen Kerth & Band spielten bei Rock-Mix 4, einer von Hartmut Helms initiierten Konzertreihe, am 15. November 1978 im Gesellschaftshaus Hoppenz in Elsterwerda.
Jürgen Kerth & Band spielten bei Rock-Mix 4, einer von Hartmut Helms initiierten Konzertreihe, am 15. November 1978 im Gesellschaftshaus Hoppenz in Elsterwerda. FOTO: Helms
Elsterwerda. Das wühlt Einwohner aus Elsterwerda und aus dem Umland emotional auf. Das Gesellschaftshaus Hoppenz in Elsterwerda – Ort zahlreicher Partys in ihrer Jugend – soll abgerissen werden. Das Haus ist baufällig, alle Nachnutzungsbemühungen als Kulturhaus sind gescheitert. RUNDSCHAU-Leser erzählen aus ihren Erlebnissen in der Kult-Tanzdiele.

Die Leipzigerin Silke Greger schreibt: „Das Gesellschaftshaus Hoppenz, besser bekannt als Conny (so hieß der Wirt), wird abgerissen!“ Diese traurige Nachricht erhielt ich am Mittwoch von einem Freund. Ich bin in Kraupa aufgewachsen und mittlerweile seit 25 Jahren in Leipzig.

Conny, das war DIE Disco für mich und meine Freunde von etwa 1985 bis 1990. Da konnte nix mithalten: kein Kieslingers Gasthof und Krahlisch in Hohenleipisch, kein Kulturhaus in Plessa, keine Disco in Zobersdorf, Prieschka, Lauchhammer, Doberlug und sonstwo. Ok, vielleicht noch das HdW in Bad Liebenwerda, also annähernd.

Damals frisch renoviert „fielen“ wir Punkt 18 Uhr ein. Vorher mussten noch Karten besorgt werden. Man reihte sich ein in die lange Schlange vor dem Gebäude, radelte noch mal fix heim, um sich schick zu machen, und dann ging es bei Wind und Wetter auf das Tanzparkett. Zu Fuß oder per Diamant-Rad und bei schlechtem Wetter, schließlich durfte die Fönfrisur nicht ruiniert und die pinkfarbenen Strähnchen nicht ausgewaschen werden, chauffierten unsere Eltern uns auch mal in die Nähe des Gesellschaftshauses. Bloß nicht direkt davor halten, bitte um die Ecke parken.

Mit 2,10 Mark in der Tasche plus 2 Mark für eine Cola mit Schuss oder Limo mit Schuss ging es Freitag und Samstag los. Die Musik immer etwas mehr up to date als auf den Dorfdiscos, die Jungs irgendwie schnuckeliger – besonders die aus Bad Liebenwerda und Lauchhammer, oh ja – die Mädels adretter und überhaupt der Tanzstil fetziger als anderswo. Sehen und gesehen werden: besonders gut von der Galerie aus! Po an Po drängte man sich in der Bar und manchmal auch draußen um die Ecke zum Knutschen.

Ohne Conny ging es einfach nicht! Schade, dass es keine Party mehr dort geben wird. Manchmal hat man so gedacht, könnte das wieder sein! Na ja! Schöne Erinnerungen bleiben an die 80er-Jahre und UNSERE Kultdisco!

 Die ehemaligen Elsterschloss-Schüler trafen sich am ehemaligen Gesellschaftshaus Hoppenz zum Erinnerungsfoto.
Die ehemaligen Elsterschloss-Schüler trafen sich am ehemaligen Gesellschaftshaus Hoppenz zum Erinnerungsfoto. FOTO: Horst Paulick

Auch Annelies Konwiarz aus Elsterwerda geht auf eine kleine Zeitreise: Ich kann bestätigen, dass dieses Haus Zentrum meiner Jugend war. Ich bin Jahrgang 1948 und jeden Samstag sind wir dorthin zum Tanz gegangen. Alle Freunde trafen sich in diesem Tanzlokal und wir haben tüchtig einen draufgemacht. Einlass war in der Regel 18.30 Uhr. Die Zeit musste man schon einhalten, denn sonst wäre es mit einem Sitzplatz eng geworden. Ende war gegen 0.30 Uhr. Meist war es so, dass man in der 10. Klasse die Erlaubnis von den Eltern erhielt, eine Tanzveranstaltung zu besuchen. Pünktlich musste man danach wieder zu Hause sein.

Im Vorfeld war der Besuch einer Tanzschule angesagt. Tanzlehrerin war bei mir Elsa Schweitzer-Radant, eine hochbetagte Dame aus Lauchhammer, die das Zepter fest in der Hand hatte. Ich erinnere mich noch gut, dass sie den Herren untersagte, ihre Schuhe mit schwarzer Schuhcreme zu behandeln, um die Stöckelschuhe der Damen zu schonen. Bei der Tanzstunde lernte ich meinen jetzigen Ehemann kennen, habe mit ihm aber keinen Tanzstundenball gemacht. Wir verloren uns danach aus den Augen. Am 1. Januar 1967 war Neujahrstanz, wo wir uns wiedertrafen. Er war mittlerweile bei der NVA, ich noch im Studium. Damenwahl war immer eine tolle Sache, sie gehörte zu einem Tanzabend dazu, so auch an diesem Tag. Ich nahm all meinen Mut zusammen und forderte ihn auf. Das war sozusagen der Anfang unserer Beziehung, ein leicht zu merkendes Datum. In diesem Jahr sind wir 49 Jahre verheiratet, haben drei Kinder und drei Enkelkinder. Also ist „Hoppenz“ für uns eine historische Stätte.

Man traf dort Freunde, es war eine Art Kommunikationszentrum, denn IT war da noch pure Utopie. Gern erinnere ich mich, wenn Schmusemusik gespielt wurde, wie zum Beispiel Titel von Roy Black. Da konnte man beim Tanzen so richtig schön kuscheln. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass es jemals Prügeleien gegeben hat, wohl aber an Frau Junker, die ihre Tätigkeit als Bardame hervorragend meisterte (...) und an Herrn Güttler, der uns prima Schnitzel und Bockwurst servierte. Wir waren da nicht anspruchsvoll, Hauptsache, wir hatten eine gute „Grundlage“. Frau Junker mixte uns manchen Wolkenbruch, Nikolaschka oder Prärieauster.

Ich stimme ansonsten dem Artikel von Herrn Helms zu, obwohl ich ein stattgefundenes Konzert besuchte, aus welchem Grund auch immer. Auch für unsere große Tochter war „Konny“, wie Hoppenz auch später liebevoll genannt wurde, ein gemeinsamer Treffpunkt zum Schwofen und so mit vielen Erinnerungen verbunden. Erinnerungen kommen mir auch, wenn ich an das Wendejahr 1989 denke, als an einem Tag der Saal rappelvoll war, als die Stadtväter unserer Stadt den Bürgern Rechenschaft ablegen sollten über ihr Tun und Handeln in der DDR. Da „stand“ die Luft im Saal.

Ja, wenn dieses geschichtsträchtige Gebäude unserer Stadt erzählen könnte, es würde ein dickes Buch herauskommen. Jetzt geht diese Ära zu Ende.

Die Erinnerungen an Hoppenz lassen auch Lore Mix aus Bad Liebenwerda noch heute ein Lächeln übers Gesicht huschen: Dabei war der Grund meines Besuches bei Hoppenz einer, den sicher viele Eltern kannten. Die Sorge ums Kind“, erzählt sie am Telefon. Denn es hatte sich herumgesprochen, dass es bei Hoppenz mitunter „wild“ zuging. Lore Mix war Vorsitzende des Elternaktivs an der damaligen Erweiterten Oberschule und wollte einfach mal wissen, was wirklich abgeht. Also zog sie sich eine Jeans und T-Shirt an und ab ging es mit ihrer Tochter ins Gewühl. Und schnell war’s passiert: Ein Klaps auf den Po! „Ich weiß noch heute, wie meine Tochter dem jungen Mann sagte, hey, das ist meine Mutter – und dem fast die Kinnlade runterfiel.“ Dass die Jugend dort so schwofte, fand sie toll. „Wir waren ja auch mal jung“, erzählt sie und berichtet von einem gemischten Publikum. Und sie weiß auch: Feiern ist schön und gut, aber Regeln müssen sein. „Meine Tochter musste während der Schulzeit immer Mitternacht zu Hause sein. Ich kann mich nicht erinnern, dass das nicht geklappt hat.“ Und geschadet hat’s auch nicht.

Schreiben Sie uns über Ihre Erinnerungen an das Gesellschaftshaus Hoppenz. Am besten per E-Mail: red.elsterwerda@lr-online.de

 Schüler des Kunstkurses des Elsterschloss-Gymnasiums haben sich mit leerstehenden Gebäuden in der Stadt beschäftigt, auch mit Hoppenz.
Schüler des Kunstkurses des Elsterschloss-Gymnasiums haben sich mit leerstehenden Gebäuden in der Stadt beschäftigt, auch mit Hoppenz. FOTO: LR / Frank Claus