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| 02:37 Uhr

Er ist der Vater des Milchwerkes und von Gizeh in Elsterwerda

Das Gizeh-Werk in Elsterwerda: Dr. Axel Walter (M.) mit Geschäftsführer Ralf Jung (l.) und Anlagenfahrer Sebastian Schirmer. Foto: vrs1
Das Gizeh-Werk in Elsterwerda: Dr. Axel Walter (M.) mit Geschäftsführer Ralf Jung (l.) und Anlagenfahrer Sebastian Schirmer. Foto: vrs1 FOTO: vrs1
Elsterwerda. Ins Rampenlicht hat er sich nie geschoben – und dennoch hat sein Wirken ausgestrahlt. Wohl auch, weil er Chef von zwei Betrieben nach der Wende war, die zu den größten in Elbe-Elster zählen. Und auch, weil er sich dabei nie nur auf dem Chefposten befand, sondern sich auch konstruktiv-kritisch mit kommunalpolitischen Entwicklungen auseinander setzte: Dr. Axel Walter, in Prieschka zu Hause – aber in seinem Berufsleben vermutlich die überwiegende Zahl der Stunden am Tag in Elsterwerda tätig. red/fc

Die Laudatio für den verdienstvollen Mann hat Elsterwerdas Bürgermeister Dieter Herrchen geschrieben. Axel Walter hat wie kein anderer die Unternehmenslandschaft in der Stadt Elsterwerda und der Region geprägt. Bereits in frühen Jugendjahren hatten es ihm die Milch und deren Verarbeitung angetan. Mit 14 Jahren erlernte er den Beruf des Molkereifachmannes in Zeulenroda. Nach Abschluss seiner Ausbildung wechselte er in die Molkerei Sonneberg. Dort holte er, während seiner eigentlichen Arbeit und unter den damals waltenden Arbeitsbedingungen, in den Abendstunden das Abitur in der Volkshochschule nach. 1962 immatrikulierte er sich an der Humboldt-Universität in Berlin. Als stolzer Besitzer des Diploms kam er dann 1967 als technischer Leiter in die Molkereigenossenschaft nach Elsterwerda. Ab diesem Zeitpunkt begann er in der Region und für diese zu wirken.

Drei Jahre später wurde er bereits Leiter für den Bereich Produktion und Technik für den Gesamtbetrieb Elsterwerda, einschließlich der damals sieben Standorte. 1974 wurde er Direktor des Gesamtbetriebes.

Mit der politischen Wende und den damit verbundenen erheblichen Veränderungen in der Wirtschaftslandschaft in Elsterwerda war es wiederum den Bemühungen von Dr. Axel Walter maßgeblich zu verdanken, dass quasi auf der "grünen Wiese" ein neues Milchwerk in Elsterwerda errichtet wurde. Werkleiter war natürlich Dr. Walter. Die wechselhafte Geschichte des Milchwerkes mit unterschiedlichsten Eigentümern sah immer einen einzigen Werkleiter. Mit der Übernahme des Werkes durch den Campina-Konzern entstand Kontinuität hier am Standort. Der Name Campina-Elsterwerda war immer fest mit seinem Namen verbunden. Mit 65 Jahren wurde Dr. Walter durch Campina in den Ruhestand verabschiedet.

Allerdings währte dieser nicht lange. Durch seine geschäftlichen Kontakte zu einem der wichtigsten Zulieferer für Campina, der Gizeh GmbH, gelang es Dr. Walter, deren Inhaber vom Standort Elsterwerda nachhaltig zu überzeugen. So begann dieses mittelständische Unternehmen, welches sich auf Kunstoffverpackungen für Lebensmittel spezialisiert hat, einen Produktionsstandort in Elsterwerda zu errichten. Diese Investition wurde bereits durch Dr. Walter begleitet. Mit Aufnahme der ersten Produktion in Elsterwerda begann für Dr. Walter seine nächste Zeit als Verantwortungsträger für ein Produktionsunternehmen. Er wurde Werkleiter des Standortes Elsterwerda. Dank seines enormen Engagements konnte er die Firmeneigentümer überzeugen, weiter in Elsterwerda zu investieren. Mittlerweile hat die Firma Gizeh Verpackungen Elsterwerda GmbH eine ehemalige Industriebrache zu einem zweiten Produktionsstandort umgebaut und ist Arbeitgeber für mehr als 100 Beschäftigte. Mittlerweile 70-jährig, zog sich Dr. Walter langsam aus dem Unternehmen zurück. Er ist ihm aber bis heute beratend fest verbunden und mindestens einmal wöchentlich zu chemischen Analysen im werkseigenen Labor zu finden.

Während der Zeit seines Wirkens in Elsterwerda war er nicht nur an Kennziffern, Betriebsergebnissen und Umsätzen interessiert. Er bezeichnete die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Unternehmen, für die er tätig war, als das größte Kapital. So war auch sein Interesse immer daran orientiert, die Kolleginnen und Kollegen so weit wie möglich in Firmenentscheidungen einzubinden, entsprechendes Verständnis zu erzeugen und damit die Verbundenheit zum Unternehmen zu stärken. Mit dieser Philosophie gelang es ihm nachhaltig, qualifizierte Kräfte in der Region zu halten, jungen Menschen eine Ausbildungsperspektive zu bieten und damit das Heimatgefühl zu stärken.

Mit seiner korrekten, menschlichen und interessierten Art engagierte er sich nicht nur im Beruf, sondern war er interessiert an den Dingen, die sich außerhalb des Werkstores abspielten. Bürgermeister Dieter Herrchen: "Als Verwaltung der Stadt Elsterwerda haben wir viel von ihm lernen dürfen. Er war und ist ein kritischer Begleiter der Kommunalpolitik, der sich vor Kritik ebenso wenig scheut wie vor lobenden Worten."