Nach 8,5 Stunden erreichen die etwa 90 Zuckerrübenwerker aus Brottewitz am Montag die Südzucker-Konzernzentrale in Mannheim. Im heimischen Werk sind nur ganz wenige Mitarbeiter geblieben, zum Beispiel die aus dem Versand. Sie müssen die Verladung der Lkw absichern. Alle anderen sitzen in den zwei Bussen. Für 12 Uhr ist die entscheidende Sitzung des Südzucker-Aufsichtsrates angesetzt. Ein Stau hat eine zeitigere Ankunft der Brottewitzer, die früh um 3 Uhr gestartet sind, verhindert.

Doch mit welchen Erwartungen fahren Sie zur Demo vor der für heute angesetzten Entscheidung des Aufsichtsrates über die Zukunft der Werke in Warburg und Brottewitz?

Die Rundschau hat sich im Bus umgehört. „Wir wollen einen Aufschub der Entscheidung und das Werk wenigstens einige Jahre länger erhalten“, sagt Frank Minnich. „Früher haben auch 90 oder 100 Tage Kampagne gereicht. Wir hatten immer gute Ergebnisse. Warum geht das heute nicht mehr?“, fragt Steffen Weidner. Seine Ehefrau Isabella macht sich Sorgen um die Jugend. „Wir haben gerade erfolgreich den Generationswechsel vollzogen, viel ausgebildet, gute Fachkräfte gewonnen. Und jetzt das. Ich kenne junge Familien, die gerade einen Kreditvertrag unterschreiben wollten, um ein Haus zu bauen oder zu modernisieren. Sie wollten hierbleiben und nun?“

Steffen Neumann ist gerade aus dem Werk in Zeitz zurück in die Heimat gekommen. „Was soll das jetzt? 14 Jahre war ich in Zeitz, man hätte mir doch sagen müssen, dass das Werk in Brottewitz keine Zukunft mehr haben soll.“

Frank Matthiesen könnte sich eigentlich zurücklehnen. Er geht am 28. Februar in Altersteilzeit. Und trotzdem sitzt er im Bus. „Das bin ich meinen Kollegen schuldig.“ Er versteht den plötzlichen Sinneswandel bei Südzucker nicht. „Man hat uns gesagt, dass schwere Zeiten auf uns zukommen werden und immer betont: Wer soll es schaffen, wenn nicht Südzucker. Die Zuckersparte macht zwar gerade Miese, aber dafür sind andere wie die Pizzaproduktion und die Fruchtkonzentratproduktion hoch profitabel.“

Alle im Bus sind sauer auf die Politik, die auf die Verzerrung des Wettbewerbs in Europa nicht reagiert. „Es sterben mehr als zwei Zuckerfabriken: Es stirbt eine Branche, es sterben Regionen. Schon wenige Monate nach dem Aus der Zuckermarktordnung bekommt die Südzucker AG kalte Füße. Vorher hat sie gesagt, wir schaffen das und Rübenanbauer aufgefordert, noch mehr anzubauen“, sagt Ingolf Fechner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Obwohl es keine Subventionen mehr geben solle, würden 19 europäische Staaten ihre Zuckerwirtschaft weiter bezuschussen. Nur Deutschland spiele mal wieder Vorbild, lautet der Tenor im Bus. Die Suppe müssten die Beschäftigten auslöffeln. „Südzucker muss die Entwicklungen auf dem Weltmarkt noch beobachten und deshalb eine Entscheidung vertagen“, sagt der Brottewitzer Steffen Weidner. Das fordert auch Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel. „Wir wollen nach mehr als 140 Jahren Zuckerfabrik nicht die Zuckerrübe aus dem Brottewitzer Ortswappen entfernen müssen.“

Gegen 14 Uhr brechen die Zuckerwerker zurück nach Elbe-Elster auf. Das Ergebnis ist zu diesem noch nicht bekannt, der Aufsichtsrat tagt noch. Das Ergebnis des Treffens wird für den späteren Abend erwartet.

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