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| 19:22 Uhr

Am Bahnsdorfer Berg könnte Wegweisendes entstehen
Wasserstoff aus Wind und Sonne für den Landkreis Elbe-Elster

 Das Hybridkraftwerk Prenzlau als Grundlastkraftwerk ist ein Vorbild für das Projekt „Wasserstoffdrehscheibe Bahnsdorfer Berg“ in Elbe-Elster. Die Windenergieanlage liefert Strom für die Elektrolyse. Der entstehende Wasserstoff wird in das Gasnetz eingespeist und/oder gespeichert. Während der Windflaute springt die Biogasanlage ein. Das gespeicherte Gas wird verbrannt und in Elektroenergie verwandelt, die wiederum für die Elektrolyse gebraucht wird.
Das Hybridkraftwerk Prenzlau als Grundlastkraftwerk ist ein Vorbild für das Projekt „Wasserstoffdrehscheibe Bahnsdorfer Berg“ in Elbe-Elster. Die Windenergieanlage liefert Strom für die Elektrolyse. Der entstehende Wasserstoff wird in das Gasnetz eingespeist und/oder gespeichert. Während der Windflaute springt die Biogasanlage ein. Das gespeicherte Gas wird verbrannt und in Elektroenergie verwandelt, die wiederum für die Elektrolyse gebraucht wird. FOTO: Enertrag
Elbe-Elster. Schon vor der aktuellen politischen Diskussion zu den Potenzialen von Wasserstoff, besonders in Brandenburg als ein Ersatz für die Braunkohle, arbeitete das Unternehmen Enertrag an einem Projekt in Elbe-Elster. Doch es gibt ein dickes Fragezeichen. Von Manfred Feller

Das Wasser könnte die Kohle der Zukunft werden. Dieser Satz wird Jules Verne (1828 bis 1905) so oder ähnlich zugeschrieben. 145 Jahre später hinkt Deutschland der weltweiten Wasserstoff-Konkurrenz hinterher, möchte aber besonders Brandenburg mit Blick auf das avisierte Braunkohle-Aus das Potenzial nutzen.

In einem der vielen Fachvorträge beim 2. Elektromobilitätstag dieser Tage in Bad Liebenwerda ist es gesagt worden: Aktuell kämpfen Japan, Süd-Korea und China mit ihren langfristigen Plänen um die Technologieführerschaft in der Wasserstoffwirtschaft und bei der Brennstoffzellentechnik.

In Chemnitz wollen ein deutsches Unternehmen und ein chinesischer Investor Komponenten für Wasserstofffahrzeuge bauen. Der Bund will, dass bis 2020 etwa 100 Wasserstofftankstellen in Deutschland stehen (momentan etwa 70), in der nächsten Projektphase bis zu 400 für die flächendeckende Versorgung. Zum Vergleich: Herkömmliche Tankstellen gibt es rund 14 000.

Energieüberschuss aus Wind und Sonne

Der Landkreis Elbe-Elster hat nach Auskunft von Landrat Christian Heinrich-Jaschinski durchaus die Möglichkeiten, dabei mitzumischen. Denn: In Elbe-Elster werde über den eigenen Verbrauch hinaus ein Vielfaches an alternativen Energien produziert. „Deshalb muss es in Zukunft möglich sein, emissionsarm unterwegs zu sein, wenn die richtigen Angebote kommen“, sagte er beim E-Mobilitätstag.

     Bisher ist die Wasserstoffdrehscheibe Bahnsdorfer Berg nur ein Konzept. Dort sollen Sonnen- und Windstrom fast ausschließlich zur Produktion von Wasserstoff für regionale Endverbraucher genutzt werden.
Bisher ist die Wasserstoffdrehscheibe Bahnsdorfer Berg nur ein Konzept. Dort sollen Sonnen- und Windstrom fast ausschließlich zur Produktion von Wasserstoff für regionale Endverbraucher genutzt werden. FOTO: LR / Elisabeth Wrobel

Ein Angebot unterbreitet die Enertrag AG, damit in naher Zukunft in Elbe-Elster auch Wasserstofffahrzeuge vom Linienbus im ÖPNV über den Lastkraftwagen bis zum Pkw betankt werden können. Eine derartige Tankstelle könnte an der Bundesstraße 101 zwischen Herzberg und Bad Liebenwerda entstehen. Das Unternehmen arbeitet an seinem Projekt „Wasserstoffdrehscheibe Bahnsdorfer Berg“. Projektleiter Andrej Oehlert ist damit seit einem Jahr befasst.

Eine Genehmigung, die noch weit entfernt scheint, vorausgesetzt, sollen dort im Abstand von 1,3 bis 1,8 Kilometer zu umliegenden ­Ortschaften zehn bis zwölf Windräder aufgestellt werden. Die Befeuerung (Nachtlicht zur Warnung für Flugzeuge) solle im Sinne einer größeren Akzeptanz durch das neue System „Dark Sky“ (dunkler Himmel) erfolgen. Ein Radar erkennt Flugobjekte und schaltet erst dann das Blinklicht ein.

Sonne und Wind sollen am Bahnsdorfer Berg die Elektroenergie ausschließlich für die Produktion von Wasserstoff liefern, womit Fahrzeuge betankt werden. Nur Überschüsse werden in das Gasnetz eingespeist. Prozesswärme könnte der Nahwärmeversorgung dienen.

Eine große Investition in Aussicht

Die Windleistung soll von zehn auf 40 bis 50 Megawatt gesteigert werden. Entsprechend würde auch die Produktion von Wasserstoff von anfangs rund 1000 auf bis zu 7000 Jahrestonnen Wasserstoff anwachsen. Ein Auto braucht ein Kilogramm von dem Gas für 100 Kilometer. „Wir zeigen, dass die Umwandlung und Speicherung trotz regulatorischer Hemmnisse großtechnisch klappt“, sagt Andrej Oehlert. Falls der Windpark genehmigt werden sollte, könnte die erste Stufe 2025 in Betrieb gehen. Das Investitionsvolumen am Bahnsdorfer Berg beziffert die Enertrag AG insgesamt mit ungefähr 90 Millionen Euro.