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Empfindsame Annäherung an Gott

Mit Steinen, Holzklötzchen, Sektkorken und dem Kreuz spielt Ilse Barth mit den Kindern in Thalberg die Ostergeschichte.
Mit Steinen, Holzklötzchen, Sektkorken und dem Kreuz spielt Ilse Barth mit den Kindern in Thalberg die Ostergeschichte. FOTO: Frank Claus
Thalberg. Ostern? Da kommt der Osterhase. Da gibt es Süßes, sogar Geschenke. Und Eier werden gefärbt. Osterfeuer lodern. Nicht nur Kinder, auch viele Erwachsene verbinden mit diesen Bräuchen das Osterfest. Von den wirklichen Wurzeln ist nicht viel geblieben. Frank Claus

Nein, verbittert ist sie nicht. Dabei haben 40 Jahre DDR gereicht, den Glauben an Gott in weiten Teilen der Bevölkerung zu verdrängen. Ilse Barth, seit 35 Jahren Gemeindepädagogin in Bad Liebenwerda, sagt: "Das sind zwei Generationen, in denen der Glaube nicht mehr gelebt wurde. Das hat gelangt."

Kinder wieder mit Gott vertraut zu machen, das möchte Ilse Barth. Auch an diesem Morgen in der Kindertagesstätte "Am Fliegerberg" in Thalberg. Auf Wunsch der Kitaleitung kommt sie seit 2009 viermal im Jahr in das Haus - zu Ostern, vor der Schuleinführung, zum Erntedankfest und zu Weihnachten. Auch in Kröbeln, Lausitz und in der Kurstadt-Kita Sankt Martin ist sie regelmäßig. Diesmal baut sie mit den Kindern aus Steinen, Holzklötzchen und Sektkorken eine Stadt auf. Jerusalem. Und vor den Toren den Berg, auf dem Jesus gekreuzigt wurde.

Sie erzählt kindgerecht die Ostergeschichte, berichtet von der Kreuzigung am Karfreitag und der Auferstehung Jesu am Ostersonntag. Im Mittelpunkt steht diesmal vor allem Simon von Cyrene, der Jesus beim Tragen des Kreuzes geholfen haben soll. Sie singt den Kindern vor, erzählt, wie wichtig es ist, wenn sich alle gegenseitig helfen, keiner im Stich gelassen wird. Die meisten Kinder lauschen eine halbe Stunde lang aufmerksam.

Sie möchte nichts aufdrängen, will den Kindern auch keinesfalls die Freude auf den Osterhasen nehmen. "Ich möchte, dass die Kinder von der Ostergeschichte gehört haben", sagt sie. Wie sehr sie sie berührt hat, das wird sich erst im Laufe ihres Lebens zeigen. "Aber", so ihre Hoffnung, "vielleicht finden ja wieder mehr zur Kirche und zu Gott."