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Elzbieta Zimmermann setzte ihrem Großvater ein Denkmal

Der Gedenkstein zu Ehren des polnischen Offiziers, Majors und Mediziners, Wilhelm Borkowski.Im Kreise ihrer Familie , mit Pfarrern und Bürgermeister Thomas Richter (r.) weihte Elzbieta Zimmermann (l.) einen Gedenkstein für ihren Großvater ein.
Der Gedenkstein zu Ehren des polnischen Offiziers, Majors und Mediziners, Wilhelm Borkowski.Im Kreise ihrer Familie , mit Pfarrern und Bürgermeister Thomas Richter (r.) weihte Elzbieta Zimmermann (l.) einen Gedenkstein für ihren Großvater ein. FOTO: Fotos: Bettina Broneske
Neuburxdorf.. Elzbieta Zimmermann steht auf dem Neuburxdorfer Soldatenfriedhof und ringt mit der Fassung. Die Tränen stehen ihr in den Augen, ihre Stimme zittert. Ein paar kurze, aber eindringliche Worte richtet die Frau an die wenigen anwesenden Menschen. Fast alle im Kreis gehören zur Familie oder zum engsten Freundeskreis der gebürtigen Polin, darunter auch Schwester Marta Liwska. Sie sind gekommen, um dem Großvater von Elzbieta und Marta ein Denkmal zu setzen. Am Donnerstag jährte sich sein Todestag zum 65. Male. Von Bettina Broneske

14. Dezember 2006, Elzbieta Zimmermann begeht an diesem Tag ihren 63. Geburtstag. Doch statt zu feiern, weiht sie auf dem Soldatenfriedhof einen Gedenkstein zu Ehren ihres 1941 im Kriegsgefangenenlager Stalag IV B verstorbenen Großvaters, Wilhelm Borkowski, ein. Der Zufall wollte es so, dass das Mädchen genau zwei Jahre nach dem Tod ihres Großvaters das Licht der Welt erblickte. Für die Polin - Germanistin aus Warschau und seit über dreißig Jahren verheiratet mit Udo Zimmermann, Professor an der Akademie der Künste in Dresden, und ebenso lange wohnhaft in Dresden - ist diese Weihe ein großer Moment, ein Geschenk, was sie an sich selbst und an alle Angehörigen verschenkt. Eine Messingtafel mit schwarzen Lettern, angebracht an einem Sandsteinmonument soll fortan an den Offizier der polnischen Armee, Major und Doktor der Medizin, erinnern. Selbst als Kriegsgefangener nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes in Mühlberg inhaftiert, kümmerte er sich fr eiwillig um die Betreuung typhuskranker Soldaten, infizierte sich und starb an der Seuche. Das Grab Wilhelm Borkowskis trug die Nummer 13.
Nach angestellten Recherchen habe sich Elzbieta Zimmermann schon zu DDR-Zeiten auf die Suche nach dem Lager gemacht. Schwer sei es gewesen, da wegen der sowjetischen Folgegeschichte keinerlei Schriften zum Lager kursierten - auch in Polen nicht. Einmal habe sie das Lager aufgesucht, fand es nur mit Hilfe einer Einheimischen und stieß auf einen Wald voller Buchen und Gebüsch. „Erst nach der Wende wurde viel bewegt. Doch mein Großvater war inzwischen fast aus dem Gedächtnis verdrängt“ , gibt sie heute ehrlich zu. In der Zwischenzeit konzentrierte sich ihre Arbeit auf die Versöhnung des deutschen und polnischen Volkes, sie gründete 1992 die Deutsch-Polnische Gesellschaft Sachsen und wurde für dieses Engagement sogar vom Ministerium für Äußere Angelegenheiten ausgezeichnet.
Erst als bei der sonst so lebensbejahenden Frau eine schwere Krankheit diagnostiziert wird, gedeiht in ihr der sehnliche Wunsch, den Gedenkstein für den Vorfahren aufzustellen. „In diesem Moment habe ich mich gefragt, was musste du jetzt noch alles erledigen? Dabei fiel mir ein, dass mein Großvater ja noch immer in Mühlberg wartete“ , erzählt Elzbieta Zimmermann ihre Geschichte weiter. Bei Pfarrer Erich Busse aus Dresden und in der Stadtverwaltung Bad Liebenwerda sei sie schließlich mit ihrem Vorhaben auf offene Ohren gestoßen. In nur wenigen Wochen wurde alles Notwendige arrangiert. Erst vor einigen Tagen ist sie dann erstmalig in Neuburxdorf gewesen. Der Kurstädter Winfried Hopstock gravierte derweil in äußerst kurzer Zeit die deutschen und polnischen Worte in die Messingplatte ein. Und zu Lasten der Stadt wurde erst am Mittwoch der Platz für den Stein angelegt und durch Buchsbaumpflanzen ein würdevoller Rahmen geschaffen. Sichtlich gerührt zeigt sie sich am Gedenkstein ihres Großvaters, dankt allen, die sie so schnell und unbürokratisch unterstützten. Im Anschluss an die Weihe lud Elzbieta Zimmermann alle Anwesenden ein, an das Hochkreuz auf dem Gräberfeld zu gehen, um als Zeichen der deutsch-polnischen Vers&oum l;hnung Blumen für die deutschen Opfer der sowjetischen Besatzermacht niederzulegen.