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Eltern und Kinder fremdeln kein bisschen

Lars Herkner spielt mit Sohn Jonah (14 Monate). Auch Nancy Neubauer und ihre Tochter Emma (9 Monate) kommen regelmäßig zu den Treffen.
Lars Herkner spielt mit Sohn Jonah (14 Monate). Auch Nancy Neubauer und ihre Tochter Emma (9 Monate) kommen regelmäßig zu den Treffen. FOTO: mcl1
Bad Liebenwerda. Die einen schütteln den Kopf, wollen von Treffen mit besserwissenden Eltern und ihren hochbegabten Kleinkindern nichts wissen. Andere wieder sehnen sich nach Kommunikation und Spielkameraden für ihre Kleinen. Mona Claus / mcl1

Seit sechs Jahren gibt es die Eltern-Kind-Gruppe im Freizeit- und Medienzentrum Regenbogen in Bad Liebenwerda. Sie wird immer beliebter.

Rena Gums steht als Fachfrau vorne an. Die Elternberaterin lenkt und leitet das Geschehen von Dienstag bis Freitag. Im Jahr 2009 wurde die Gruppenarbeit vom Möglenzer Schwalbennest e.V. ins Leben gerufen. Seitdem wird Eltern mit Kindern von null bis drei Jahren, die noch keine Kindertagesstätte besuchen, der Spielraum geboten für Kontakte, Kommunikation und Kinderspiel.

Von Mittwoch bis Freitag, 9 bis 13 Uhr, steht das Angebot für die offene Gruppe. Am Dienstag ist PEKiP-Tag - das Prager-Eltern-Kind-Programm ist ein Bewegungs- und Interaktionsprogramm für Eltern und Babys ab dem dritten Monat. Für dieses Angebot ist eine Anmeldung notwendig. Die "Ehemaligen" schauen stets am ersten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr vorbei. Dann wird neben dem Erfahrungsaustausch auch gebastelt.

Bei ihrem jüngsten PEKiP-Treffen haben sich die ersten Kinder schnell warm gespielt. Die Raumtemperatur beträgt 23 Grad. Die Eltern sitzen locker im Schneidersitz auf den weichen Matten. "Man kennt sich oder lernt sich eben auch kennen", beschreibt Lars Herkner aus Hohenleipisch. Seine Frau arbeitet als Erzieherin in der Kita "Waldhaus" in Bad Liebenwerda. Die junge Familie fühle sich mit ihrem Sohn Jonah (14 Monate) einfach gut in dieser Runde.

Bis aus 20 Kilometern Entfernung kommen die Muttis und/oder Vatis mit ihren kleinen Lieblingen in das Regenbogenhaus. Immer gegen zehn Uhr greift Rena Gums dann zu ihrer Gitarre - es ist ein Ritual: "Hallo, hallo schön dass ihr da seid, wir freuen uns so sehr… Guten Morgen Betty", singt Rena Gums und begrüßt die kleine aufgeweckte Einjährige und alle singen und winken mit. Piet, Maila, Marie, Johannes und später werden auch noch Emma und Elias willkommen geheißen. Weitere Kinderlieder folgen, aufmerksam oder auch im Spiel von den Kleinsten aufgenommen und von den Eltern mitgesungen oder -gesummt.

"Man kennt sich aus PEKiP, dem Rückbildungskurs und/oder von der Babymassage", erzählt Aileen Frank. "PEKiP hat mir den Druck genommen und die Ruhe gegeben, wenn andere Muttis erzählt haben, dass ihr Kind dieses oder jenes schon kann. Ich genieße die 18 Monate mit meiner Maila zu Hause." Annett Wagner aus Wainsdorf erklärt, dass nicht sie mit Johannes hier sei, sondern andersherum - "Er ist mit mir hier", sagt sie und lehnt sich entspannt zurück. "Johannes hatte Blockaden, bei Rena fand ich Unterstützung und bekam sehr gute Ratschläge. Außerdem gefällt mir die Themenvielfalt in der Runde." Aus Bayern zurückgekehrt ist die Kurstädterin Nancy Neubauer mit Tochter Emma (9 Monate), beide fremdeln kein bisschen.

Die Kinder in der Gruppe sind zwischen dem 8. und 14. Lebensmonat. Für die meisten Eltern ist es das erste Kind, andere erwarten grade ihr Zweites. Ihre Gesprächsthemen reichen von der Entbindung, über den Kauf des richtigen Kinderwagens und der ersten Schuhchen bis zum ersten Weg aufs Töpfchen. "Meist ist nach dem letzten Besuch durch die Hebamme kein direkter Kontakt zu anderen Rat gebenden Personen oder Eltern mit Kindern gegeben. Viele Fragen bleiben unausgesprochen oder unbeantwortet", weiß Rena Gums. Und sie fasst zusammen: "Das Bauchgefühl ist ein ziemlich guter Ratgeber, für alles andere gibt es die Gruppe."

Für die Zukunft träumt Rena Gums von einer Küche in dem Treffpunkt. Wenn das Regenbogenhaus neu gebaut würde, hätte sie diesen Wunsch, um Eltern ein zusätzliches Angebot machen zu können. Auch einen Kurs für Eltern und Kinder bis drei Jahre würde sie bei Bedarf gern ins Leben rufen. Schon jetzt werden 14-tägig Babymassagen angeboten.

Weitere Informationen auf www.ekg-bali.de

Zum Thema:
Das jüngste Projekt von Rena Gums ist die Familienberatung. Sie hat sich zusätzlich in diese Richtung qualifiziert und komplettiert damit ihre Elternberatertätigkeit. "Ich bin auch für Alleinstehende der richtige Ansprechpartner", erklärt die Frau vom Fach.