In einer Petition an das Staatliche Schulamt Cottbus fordern die Eltern der Erst- und Zweitklässler des Reiss-Grundschulzentrums Bad Liebenwerda Bildungsministerin Münch auf, eine Weisung des Schulamtes rückgängig zu machen. Das Amt fordert, aus den drei ersten und zweiten Klassen der Grundschule ab kommendem Schuljahr jeweils zwei Klassen zu bilden. Unterstützung bei ihrem Protest erhalten die Eltern von den Stadtverordneten: Die Fraktionsvorsitzenden haben ihre Unterstützung signalisiert. Über ein entsprechendes Schreiben soll nach Informationen der RUNDSCHAU bei der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 22. Juni abgestimmt werden.

"Wir müssen uns an die politischen Entscheidungsträger wenden", sagt der Stadtverordnete Frank Werner (CDU). Unterstützung erhält Werner unter anderem von Hubert Blaas (Linke). Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass das staatliche Schulamt Cottbus aus den drei ersten und zweiten Klassen im kommenden Schuljahr jeweils zwei Klassen bilden möchte. Nach Bekanntwerden der Pläne hagelte es Kritik von den Eltern. Auch die Schulleitung wurde für ihre Informationspolitik kritisiert. Schulleiterin Monika Lehmann waren die Pläne des Schulamtes nach eigener Aussage seit mehreren Wochen bekannt. Den Vorwurf der Eltern wies Schulleiterin Lehmann zurück. Man habe sich mit Ankündigungen zurückhalten wollen, weil man versucht habe, den Entschluss des Schulamtes abzuwenden. Doch das sei nicht gelungen, so Lehmann.

Derzeit besuchen jeweils 53 Kinder die erste und zweite Klassenstufe des Grundschulzentrums. "25 Kinder pro Klasse ist für uns die Richtgröße", rechtfertigt Schulrätin Carsta Marquardt-Korschel die Entscheidung des Schulamtes. Dass es in der Grundschule nächstes Schuljahr zwei zweite und dritte Klassen mit 26 beziehungsweise 27 Kindern geben wird, sei "völlig normal", so Marquardt-Korschel weiter. Außerdem gebe es im Gegensatz zu anderen Grundschulen in Bad Liebenwerda drei zusätzliche Lehrkräfte. "In der Woche sind das 80 Unterrichtsstunden zusätzlich", so die Schulrätin. Die drei Lehrer werden vom Schulamt nur genehmigt, weil das Grundschulzentrum eine Integrationsschule ist, die zum Beispiel verhaltensauffällige Kinder in den Unterricht integriert. Außerdem werden Kinder von Patienten der Rheuma- und Suchtklinik vorübergehend unterrichtet. Das wird in der Statistik allerdings nicht erfasst.

Derzeit wird an der Reiss-Grundschule diskutiert, ob in großen Klassen künftig zwei Lehrer unterrichten. Im Gespräch ist auch die Bildung von Lerngruppen. Erfahrungen mit größeren Klassen konnten die Lehrer des Grundschulzentrums unterdessen schon sammeln. Sowohl die erste als auch die zweite Klasse wurden im laufenden Schuljahr wegen krankheitsbedingten Ausfalls von Lehrern über mehrere Wochen von drei auf zwei Klassen zusammengelegt. "Dies führte zu einem deutlich geringeren Lerntempo und zu einer erhöhten Belastung der Lehrer", heißt es in der Petition der Eltern.