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| 16:35 Uhr

Heimatgeschichte
Elsterwerdas Kleinod hat 280. Jahrestag

Ein Blick auf die Postmeilensäule in Elsterwerda und die königlichen Wappen. Die Säule wurde vor 280 Jahren aufgestellt.
Ein Blick auf die Postmeilensäule in Elsterwerda und die königlichen Wappen. Die Säule wurde vor 280 Jahren aufgestellt. FOTO: privat
Elsterwerda. Dr. Gustav Bekker hat an der Postmeilensäule genauer hingeschaut und sich mit der Herkunft der abgebildeten Wappen beschäftigt. Er schreibt:

Wenn Spaziergänger das Elsterwerdaer Stadtzentrum verlassen und Richtung Elsterschloss wandern, kommen sie nach kurzer Wegstrecke an der St. Katharinenkirche vorbei, und nun erblicken sie zur Rechten einen kleinen historischen Schatz. Gemeint ist das städtische Kleinod gegenüber der alten Stadtapotheke: Es ist die kursächsische Postmeilensäule. Informativ lesen wir die amtlichen Entfernungen bestimmter wichtiger Orte in Wegstunden, wie lange man zum Beispiel von Elsterwerda bis nach Warschau mit einer sächsischen Postkutsche fahren musste. So wird die Säule denn auch Distanzsäule genannt.

Viel informativer ist aber über diesen Distanzangaben das farbenprächtige kursächsische-polnisch-litauische Königswappen. Wenn ich Sie jetzt  auf das Wappen aufmerksam mache, dann ist es nicht meine Absicht, tief in die Wappenkunde einzusteigen. Ich möchte Sie nur bei Fortsetzung Ihres Spazierganges durch die Elsterstadt ein wenig unterhalten. Über die Postmeilensäule und ihre wiederholte Restaurierung ist schon viel geschrieben worden, jedoch keiner der Autoren beschäftigte sich intensiver mit dem Königswappen, das diese Säule ziert.

Bei Betrachtung des Wappens sehen wir als Symbol der Könige von Polen den nach rechts blickenden weißen Adler auf rotem Grund und mit einer goldenen Krone auf dem Haupt. Im Wappen sehen wir aber auch einen weißen Reiter (Ritter) mit erhobenem Schwert in der rechten Hand und einem Schild in der linken, ebenfalls auf rotem Grund. Es ist das Wappen des Großfürstentums Litauen. Schließlich erstrahlt in diesem Königswappen noch das kursächsische mit dem grünen Rautenkranz auf schwarz-goldenem Schild.

Doch warum kam das polnisch-litauische Wappen auf die sächsischen Postmeilensäulen? Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, genannt August der Starke, war ab 1697 August II. König von Polen-Litauen.

Er gab ab 1721 den Befehl zur Vermessung des Landes und zur Errichtung der Distanzsäulen und ließ diese mit seinem sächsisch-polnisch-litauischen Königswappen schmücken. Sein Sohn, der ab 1733 ebenfalls als August der III. König von Polen-Litauen wurde, folgte seinen Spuren und übernahm auch das Wappen.

Welche Person und welches geschichtliche  Ereignis verbergen sich aber hinter der Symbolik des polnisch-litauischen Wappens? Hierzu lesen wir in polnischen Quellen:

Hedwig, polnisch genannt Jadwiga, war eine Königstochter. Ihr Vater war Ungarns König Ludwig I. aus dem französischen Haus Anjou. Ihre Mutter war Elisabeth von Boasnien.

1384 wurde Hedwig in der Kathedrale von Krakau als polnischer König gekrönt. 1386 opferte sich die 12-jährige polnische Teenagerkönigin für die Christenheit und ließ sich mit dem 20 Jahre älteren Heiden Jagiello, dem Großfürsten von Litauen verheiraten. So entstand im Osten Europas ein mächtiges polnisch-litauisches Reich, das sich von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer ausdehnte.

Hedwig hatte Jagiello jedoch nur unter der Bedingung geheiratet, dass er und der litauische Adel sich noch vor der Hochzeit durch Taufe zum Christentum bekannten. So verlief einst Geschichte, und hätte die Teenagerkönigin der Polen sich mit Jagiello nicht verheiraten lassen, wäre das Wappen so nicht entstanden und würde unsere Postmeilensäule heute so nicht zieren.

Königin Hedwig war schon eine außergewöhnliche Frau. Sie hat es verstanden, Menschen zu versöhnen, durch diplomatisches Geschick Völker ohne Kriegshandlungen zu vereinen.

Sie war eine großartige Frau, die bei aller religiösen Toleranz am Grundgedanken der christlich abendländischen Kultur festhielt.

Sie förderte Klöster, ließ Hospitäler und Kirchen erbauen und nahm sich insbesondere der Armen an.

Selbst den Machtdrang und die territoriale Expansion der Kreuzritter konnte sie vorübergehend zurückdrängen.

August der Starke ehrte diese tätige Christin, nahm den römisch-katholischen Glauben an und wurde so König von Polen. In Glaubensfragen blieb er tolerant und seine sächsischen Untertanen evangelisch. So wurde denn die Glaubensfreiheit schließlich eine sächsische Tugend.

Es lohnt sich also, die Postmeilensäulen in Elsterwerda, Bad Liebenwerda, Mühlberg /Elbe und in anderen Orten Sachsens im Licht der Sonne zu betrachten und sich der farbigen Wappen zu erfreuen. Es lohnt sich aber noch mehr, in diesem Jahr, dem 280. Jahrestag der Aufstellung der Elsterwerdaer Postmeilensäule, sie mit dem Licht des neuen Wissens zu betrachten, denn dann werden wir uns über die Symbolik des Königswappens mit der Heiligen Hedwig, der großartigen Christin, der Königin einer „kleinen Europäischen Union“ durchaus verbunden fühlen.

Ihre Heiligsprechung erfolgte am 8. Juni 1997 durch Papst Johannes Paul II. in Krakau.

(Die Quellenangaben befinden sich in der von Dr. Gustav Bekker 2016/2017 verfassten Biografie der Heiligen Hedwig König Polens.)

Heilige Hedwig mit dem Wappen Polens und Litauens in den Händen auf einem Gemälde von Michael Stachowicz.
Heilige Hedwig mit dem Wappen Polens und Litauens in den Händen auf einem Gemälde von Michael Stachowicz. FOTO: privat