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| 17:12 Uhr

Seit zehn Jahren
Elsterwerdaer hilft Kindern in Indonesien

In Indonesien leben Dorfbewohner oft in einfachsten, um nicht zu sagen in erbärmlichsten Verhältnissen. Hier nimmt der Elsterwerdaer Mike Alsdorf, Vorsitzender des Kinderhilfsprojektes, ein neues Patenkind in das Projekt auf.
In Indonesien leben Dorfbewohner oft in einfachsten, um nicht zu sagen in erbärmlichsten Verhältnissen. Hier nimmt der Elsterwerdaer Mike Alsdorf, Vorsitzender des Kinderhilfsprojektes, ein neues Patenkind in das Projekt auf. FOTO: privat
Elsterwerda. Vor zehn Jahren wird in Elbe-Elster ein privat initiierter Verein gegründet, der Kindern aus armen Familien in Indonesien hilft. Heute hat er bundesweit Unterstützer, eine lange Liste verwirklichter Projekte und viele glückliche Kinderaugen vorzuweisen. Von Manfred Feller

Dass kleine Vereine und gut ausgestattete Hilfsverbände oft mehr erreichen können als gestreute staatliche Entwicklungshilfe und schwerfällige Weltorganisationen, das beweist ein Mann aus Elsterwerda. Mike Alsdorf ist seit zehn Jahren Vorsitzender des von ihm gegründeten Vereins „Kinderhilfe Indonesien“. Er hat federführend  nicht nur zahlreiche Projekte in der einen Flug-, Zug- und Busreisetag beziehungsweise etwa 12 000 Kilometer entfernten Provinz Banyumas auf der Insel Java verwirklicht, sondern viele lokale, regionale und Mitstreiter aus dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus gewinnen können. Das „herausragende Ehrenamt“ sei auch schon mehrfach von der Landesregierung Brandenburg gewürdigt worden, heißt es.

Die Liste des mit Sach- und Geldspenden von Privatpersonen, Medizinern und Firmen Geleisteten ist sehr lang. „Bis zum heutigen Tag konnten wir 171 Mädchen und Jungen in unser Patenschaftsprojekt aufnehmen und ihnen eine Schulbildung ermöglichen“, sagt Mike Alsdorf. Der 48-Jährige ist in Elsterwerda selbstständiger Steuerfachangestellter. Aktuell gebe es 97 Patenschaften mit Paten aus Deutschland und der Schweiz. Weil dahinter ein großer organisatorischer Freizeitaufwand steckt, können derzeit keine weiteren Paten vermittelt werden.

Ob Ausstattung, Renovierung oder das Schulbauprojekt in Karanglewas (im Bild) – der Verein unterstützt sehr oft auch Bildungseinrichtungen.
Ob Ausstattung, Renovierung oder das Schulbauprojekt in Karanglewas (im Bild) – der Verein unterstützt sehr oft auch Bildungseinrichtungen. FOTO: privat

Mit mindestens 15 Euro als Spende im Monat könne von der Schulgebühr über die Schulkleidung bis zu den Schulbüchern alles abgedeckt werden. Die Bildungseinrichtungen vor Ort melden Kinder aus bedürftigen Familien. Mike Alsdorf spricht von „unseren Kindern“, wenn er verrät, dass diese gut lernen und bessere Chancen haben, einen Beruf zu erlernen. Die Region Banyumas ist ländlich geprägt. 90 Prozent seien Reisbauern mit einem Monatseinkommen von 25 Euro. Ein Lehrer verdiene etwa 50 Euro.

Zu den ersten Paten gehörte der Zahnarzt Dr. Steffen Kaubisch aus Elsterwerda. Dieser packe für jede Reise ein Paket zur Mundhygiene für Kinder.

Die erwähnte Projektliste ist noch viel länger. Dazu gehören ein erneuertes Schuldach, vier von Grund auf sanierte Bildungshäuser, eine auf Vordermann gebrachte Schulbibliothek mit Bücherausstattung, Möbel, Lehr- und Sportmittel für mehrere Schulen, eine neu aufgebaute Zisterne zur Trinkwasserversorgung für ein ganzes Dorf mit Brunnenbohrung und Leitungen, Solarleuchten für Familien in entlegenen Dörfern ohne Stromanschluss, Vorsorgeuntersuchungen und Aktionstage zur Zahngesundheit, Aufklärungsprogramme zu Hygiene, Gesundheit und Wassernutzung sowie Erste- Hilfe-Kurse. Auch Waisenhäuser erhalten vielfältige Hilfen.

„Jeder Cent kommt dort an, wo er gebraucht wird“, versichert Mike Alsdorf. Seine bislang zehn Reisen dorthin, die er gern mit anderen Ländern zum Urlaubmachen verbindet, werden aus eigener Tasche finanziert. „Das Gepäck sieht so aus, dass die Koffer voller Sachspenden sind und für das Persönliche der Rucksack reichen muss“, schmunzelt Mike Alsdorf.

Die Menschen leben oft ohne Wasseranschluss, Strom und Sanitär. Um so wichtiger ist so ein fertiges Projekt wie die Wasserstation in Binangun.
Die Menschen leben oft ohne Wasseranschluss, Strom und Sanitär. Um so wichtiger ist so ein fertiges Projekt wie die Wasserstation in Binangun. FOTO: privat

Da die Sanierung einer Schule bis zu 20 000 Euro koste, koordinieren einheimische Fachleute die Arbeiten in den indonesischen Dörfern. „Die Empfänger der Spenden dokumentieren den Ablauf und die Ergebnisse akribisch mit Rechnungen“, so der Elsterwerdaer. Auf der eigenen Internetseite (www.kinderhilfe-indonesien.de) und in seinem Buch „Indonesien – Abenteuer Kinderhilfe“ (beim Autor für 14,90 Euro zu erwerben, gleichzeitig Spende für den Verein) wird die Hilfe detailliert geschildert.

Ein Spendensiegel könne der Verein aus einem Grund nicht vorweisen. Allein der Antrag koste 1000 Euro, die Verlängerung 600 Euro. Mit diesem Geld könne an Ort und Stelle schon wieder vielen geholfen werden.

Über die Hilfe in Indonesien hat Mike Alsdorf ein Buch herausgegeben.
Über die Hilfe in Indonesien hat Mike Alsdorf ein Buch herausgegeben. FOTO: privat

Zu den Unterstützern gehören die Grundschule in Biehla mit ihrem alljährlichen Spendenlauf und sogar ein Altenheim in Duisburg. Eine ehemalige Elsterwerdaerin arbeite dort. Nicht zu vergessen Reiner Meutsch, ehemaliger Geschäftsführer des Reiseunternehmens Berge & Meer.  Mit seiner Stiftung „Fly & Help“ unterstütze er Schulbauprojekte. 2019 wolle er eine weitere Sanierung auf Java großzügig fördern.

Warum Mike Alsdorf ausgerechnet indonesischen Kindern hilft, hat mit persönlichen Erlebnissen zu tun. „Schuld“ ist sein Vater Bernd (75). Als Briefmarkensammler wollte er zu DDR-Zeiten wie viele andere Gleichgesinnte Marken aus möglichst allen Ländern besitzen. Dazu wurden über Briefclubs, organisiert im Kulturbund der DDR, ausländische Adressen gehandelt und getauscht. „Es ging nicht um Korrespondenz, sondern rein um die Briefmarken. Danach war der Kontakt bis auf fünf oder sechs Ausnahmen beendet“, berichtet Bernd Alsdorf. Post aus 70 Ländern hatte er erhalten.

Sein Sohn tat es ihm in der AG Junge Philatelisten am Pionierhaus in Elsterwerda ab Anfang der 1980er-Jahre gleich. Zunächst eine, dann drei Brieffreundschaften waren mit drei Mädchen aus Indonesien bis heute geblieben. Später stellte sich heraus, die Schülerinnen gehörten alle zu einer Familie, was an ihren Namen nicht zu erkennen war.

Dann die Überraschung. Vor 18 Jahren wird Mike Alsdorf von seiner ersten Brieffreundin eingeladen. Sie möchte heiraten. Bei dem dreitägigen Fest wurde er von einer Lehrerin eingeladen, eine Schule zu besuchen, später auch ein Krankenhaus. „Es waren schlimme Zustände. Zu Hause habe ich mir dann Gedanken gemacht, was ich den Menschen dort für ihre Gastfreundschaft zurückgeben kann“, erinnert sich der 48-Jährige. Mit Paketen, deren Versand teurer war als die Hilfsgüter darin, fing es an und wurde immer größer. Aus Dankbarkeit wurde in Indonesien sogar ein Briefmarkensatz über Mike Alsdorf herausgegeben. Ehre, wem Ehre gebührt.

Größer kann die Ehre nicht sein. Mike Alsdorf wurde vor einigen Jahren von seiner Brieffreundin Sari Asih Nastiti zu deren Hochzeit eingeladen.
Größer kann die Ehre nicht sein. Mike Alsdorf wurde vor einigen Jahren von seiner Brieffreundin Sari Asih Nastiti zu deren Hochzeit eingeladen. FOTO: privat