| 02:43 Uhr

Elsterwerda zeigt sich schwungvoll

Die Modenschau der Geschäfte "Mann oh Mann", "Frauenzimmer" und Optik Krauße in der Lange Straße kam bei dem Publikum bestens an.
Die Modenschau der Geschäfte "Mann oh Mann", "Frauenzimmer" und Optik Krauße in der Lange Straße kam bei dem Publikum bestens an. FOTO: Sattler/sam1
Elsterwerda. Die historische Einkaufsnacht zieht wieder viele Besucher in die Innenstadt. An das Hut-Motto halten sich aber nur wenige. Mirko Sattler / sam1

Eine ausgelassene Sommerstimmung herrschte bei der gut besuchten historischen Einkaufsnacht am Sonnabend in Elsterwerda. Der Regenschauer zwischendurch ließ dann so manchen Besucher flüchten. Doch was sie davor und danach erlebt hatten, konnte sich sehen lassen. Die Organisatoren vom Gewerbeverein und der Stadt hatten mit vielen schönen Ideen aufgewartet.

Vor gut 15 Jahren war im Gewerbeverein der Gedanke gereift, aus einem normalen verkaufsoffenen Sonntag eine Einkaufsnacht im Kerzen- und Fackelschein zu machen, um der zunehmenden Übermacht der Großhändler auf der grünen Wiese zu trotzen. "Wir wollten das Historische beleben. So mit Schloss und Herrn von Köckritz. Als Zahlungsmittel sollte der Elstertaler dienen. Während die Gaststätten gut damit zurechtkamen, waren die Händler benachteiligt", erinnert sich Günter Zimmermann, damaliger Mitbegründer der historischen Einkaufsnacht.

Heinrich von Köckritz war im Lehnbesitz der Burg und Herrschaft Elsterwerda des Meißner Markgrafen. In einer Urkunde von 1343 erscheint mit Conrad von Köckritz ein Besitzer der Anlage namentlich als "Herr von Elsterwerda". Dies sei der historische Hintergrund der Einkaufsnacht. Jedes Jahr riefen die Veranstalter ein anderes Thema aus. So gab es zum Beispiel den Wilden Westen, die 60er-Jahre und die Hochzeit im Wandel der Zeit, weiß Gewerbevereinsvorsitzender Eckart Schmidtchen. In diesem Jahr sollten Mann und Frau Mut zum Hut haben.

"Ich habe heute zum ersten Mal einen Zylinder auf. Nur ist er ein wenig zu klein. Da bleibe ich lieber bei meinem bequemen Hut", sagt Andreas Glowacki aus Hirschfeld. Mit seiner Frau Rita ist er regelmäßig bei der historischen Einkaufsnacht. Diesmal haben sie sich am Stand des Familienzentrums Elsterwerda zu ein paar Hutfotos hinreißen lassen.

Wer keine Kopfbedeckung mitgebracht hatte, der konnte sich selbst eine anfertigen. "Eigentlich sind die Hüte für die Kinder gedacht, doch auch die Erwachsenen haben ihren Spaß am Verkleiden. Wir bieten den klassischen gefalteten Hut an, den man ansonsten zum Malern aufsetzt, und einen aus Krepppapier", verrät Uta Petersen vom Familienzentrum.

"Früher gab es viel mehr Kostümierte. Die Einkaufsnacht hat sich mehr zu einem Stadtfest entwickelt", bedauert Bürgermeisterkandidat Eckart Schmidtchen ein wenig.

Mit Kostüm erscheint Bürgermeister Dieter Herrchen. Er wurde mit dem Orden "Ritter der Talerrunde" geehrt. In der Laudatio heißt es. "Und noch immer ist der Bürgermeister einer der Motoren und Ideengeber. Vor allem die Auftritte in speziellen Kostümen hat er immer wieder befeuert. Dabei war er mit seiner Gattin im Mittelalter-Kostüm ebenso zu erleben, wie als Rock ‚n' Roller, Gardeoffizier und Zirkusdirektor. Unvergessen bleibt die 6. Nacht, als er es schaffte, dass viele Grundstücksbesitzer ihre Hinterhöfe erstmals für die breite Öffentlichkeit öffneten". Dieter Herrchen gibt das Lob weiter: "So etwas schafft man nicht allein. Man braucht eine Gemeinschaft. Hier treffen sich heute Menschen, die sich das ganze Jahr über nicht gesehen haben."

In der gesamten Innenstadt ist etwas los. Viele Läden locken mit Rabatten, andere beteiligten sich aktiv am Programm. Eckart Schmidtchen findet es nicht gut, dass seines Wissens nach von den fünf Bürgermeisterkandidaten nur zwei den Weg in die Innenstadt gefunden hätten.

Auf den insgesamt vier Bühnen und weiteren spontanen Auftrittsorten wird ein buntes Programm für Jung und Alt geboten. Neben der Darbietung der Künstler aus dem "Haus Winterberg", das beim Publikum super ankam, zeigen sich auch die vier Jungs der Band "Mr. Stand off" den Gästen. "Uns gibt es seit gut einem Jahr. Wir spielen zum Beispiel im Real-Music-Club Lauchhammer und in Langennaundorf. Was wir bieten, ist keine Covermusik, sondern von Hand gemachte klassische Rockmusik. Damit wollen wir die ehrlichen Rockfans erreichen", sagt Bandsprecher Florian Napp.

Von einer Nachwuchsband kann man nicht sprechen. Nach Aussage des 25-Jährigen haben alle vier Musiker Erfahrungen in anderen Gruppen sammeln können.

Der Musik von "Happy Harmonie - die Musikschmiede Elbe-Elster" lauschend, sitzen Eva und Marga gemütlich am Elsterbrunnen auf dem Marktplatz. "Wir sind immer da, da wir nur rund 200 Meter entfernt von hier wohnen. Heute bleiben wir etwas länger als sonst auf", versichern die beiden 87- und 78-jährigen Seniorinnen. Das Stadtfest finden sie sehr schön, aber die freien Händler stünden zu weit abseits. Auf dem Markt sei doch noch Platz. Auch die Musik hätte abwechslungsreicher sein können.