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| 19:01 Uhr

570 000-Euro-Investition geplant
Elsterwerda will Miniaturenpark erweitern

Der Miniaturenpark in Elsterwerda.
Der Miniaturenpark in Elsterwerda. FOTO: Frank Claus
Elsterwerda. Anja Heinrich sieht nur zwei Wege: Entweder Qualifikation oder Schließung des Miniaturenparks. Von Frank Claus

Es war und ist immer noch eine quälende Debatte. Wie weiter im Miniaturenpark in Elsterwerda? Mit ihrer Entscheidung in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung (mehrheitliche Zustimmung bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung) zu einer Investition in Höhe von 570 000 Euro für die Ertüchtigung des sogenannten Langhauses – ein Veranstaltungs- und Aufenthaltsgebäude – dürften die Abgeordneten nun endgültig das Signal auf Erhalt gestellt haben. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit Bürgermeisterin Anja Heinrich (CDU).

Sie unterbreiteten dem Stadtparlament den Vorschlag einer umfänglichen Investition  im Miniaturenpark. Was bewegt Sie zu diesem Vorschlag?

Anja Heinrich war selbst kritische Begleiterin des Miniparks, setzt nun aber auf neue Investitionen.
Anja Heinrich war selbst kritische Begleiterin des Miniparks, setzt nun aber auf neue Investitionen. FOTO: PR

Heinrich Bereits vor meiner Amtszeit haben sich die Abgeordneten mehrheitlich für den Erhalt des Erlebnis- und Miniaturenparks entschieden. Und dennoch, ist der Miniaturenpark so nicht erfolgreich zu führen. Der Betreiber hält die Anlagen ausgezeichnet in Ordnung und investiert viel Kraft und Zeit in das gesamte Areal. Jetzt musste ich mich als Bürgermeisterin klar entscheiden, den Park zu schließen und zu veräußern oder ihn so zu qualifizieren, dass er nutzbar und tragfähig ist. Nach vielen Abwägungen, unzähligen Bürgergesprächen und guten Gesprächen mit allen Fraktionen und den Fachbereichen unserer Verwaltung kann ich guten Gewissens den Vorschlag der umfänglichen Investition unterbreiten und um Zustimmung werben.

Was konkret sind die geplanten Investitionen?

Heinrich Diese liegen klar auf der Hand – bis heute verfügt der Erlebnispark mit seinem wunderschönen historischen Langhaus über keine geeigneten Sanitäranlagen, auch keine behindertengerechten Toilettenanlagen. Selbst für Mütter mit kleinen Kindern fehlt der Wickelbereich. Für Gäste im Rollstuhl ist die Toilettenanlage gar nicht nutzbar oder nur mit großer Unterstützung. Von September bis Mai ist das Landhaus nahezu geschlossen, da es nicht beheizbar ist. Eine Vermietung völlig ausgeschlossen. So geht ein Großteil der Einnahmen verloren. Der Küchenbereich fehlt in Gänze. Die jetzige Lösung des Außenimbiss wirkt dilettantisch und wenig ansprechend. Das ist Negativimage!

Vor wenigen Monaten lag die Beschlussvorlage im Stadtparlament. Warum haben Sie diese zugezogen?

Heinrich Durch die in den vergangenen Jahren exorbitant gestiegenen Baukosten lag die voraussichtliche Investitionssumme für Heizungsanlage, Sanitärbereiche, Kücheninstallation, Aus- und Anbau bei weit über 800 000 Euro. Diese Summe war aus meiner Sicht nicht mehr vertretbar. Verwaltung und Planungsbüro haben mit viel Mühe in den zurückliegenden Wochen jede nur mögliche entbehrliche Gestaltung gestrichen und die Investition auf eine rein funktionale Mindestanforderung zusammengefasst. Damit sind wir heute bei einer Gesamtinvestition von 570 000 Euro, wovon 75 Prozent förderfähig sind. Den verbleibenden Eigenanteil kann die Stadt kontextbezogen bewältigen.

Es gab in der Vergangenheit viele kritische Stimmen, die irgendwie nicht warm wurden mit dem Projekt Miniaturenpark. Was sagen Sie denen?

Heinrich Sie haben ja grundlegend in vielen Dingen Recht. Ich gehörte auch nicht zu den Fans des Miniaturenparks, was seinen Standort und einige der Gegebenheiten vor Ort anbelangt. Doch wir können uns die Diskussion des Standortes schenken, weil dieser nicht mehr veränderbar ist. Auch die Mühle als besonders sehenswertes Kulturgut kann nicht mehr kostenfrei umgesetzt werden. Was bleibt, sind jene Fragen, die wir heute lösen müssen. Dazu zählen Marketing, Vermietung des Langhauses auch in den Wintermonaten, neue Veranstaltungsformate und die grundlegende Nutzbarkeit über das gesamte Jahr.. Wir sollten keine Zeit damit vergeuden, uns über unabänderliche Entscheidungen in der Vergangenheit zu streiten. Ich bin ganz bei denen, die mit mir überlegen, diese kulturelle Investition so klug zu gestalten, dass unser Erlebnis- und Miniaturenpark eine touristische Bereicherung für die Region wird und bleibt. Ich bin erfreut und dankbar über die Unterstützung aus den Fraktionen. Keiner unserer Abgeordneten hat sich die Entscheidung einfach gemacht, aber die große Mehrheit trägt meinen Vorschlag zur Qualifikation konstruktiv mit.

Nun bedarf es sicherlich noch einiges an Zeit bei den Investitionen. Gibt es Pläne für die kommende Saison?

Heinrich Das Stadtparlament muss zuvor den Doppelhaushalt der Stadt bewilligen, in dessen Ansätzen auch der Miniaturenpark Bestandteil ist. Noch in diesem Jahr werden die Fördermittel im Rahmen des Leader-Programms beantragt und – so meine Hoffnung – positiv bevotet. Danach können wir die Planungen fortsetzen und uns um die Umsetzung kümmern. Ungeachtet all dessen wird im kommenden Saisonjahr auch das Puppentheaterfestival mit einem schönen Programm Einzug halten. Wir beraten Möglichkeiten der Übernachtung im Park, arbeiten an Konzepten für Konzerte, Lesungen, Veranstaltungen, regionalen Märkten und Weihnachtsmarkt, um nur einiges zu nennen. Auch wird sich das Naturparkjahr 2019  in Elsterwerda und der Naturparkgemeinde Kraupa im Miniaturenpark widerspiegeln.

Mit Anja Heinrich sprach
Frank Claus