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| 01:05 Uhr

Elsterwerda-Keramik stellt Insolvenzantrag

Elsterwerda.. Der Markt ist hart umkämpft und die Konkurrenz aus Osteuropa und Asien für Gebrauchskeramik made in Germany groß. Trotzdem nahm Marlis Gößling im Februar 2000 die Herausforderung an und übernahm als geschäftsführende Mehrheitsgesellschafterin die Elster-Keramik und rettete sie so vor dem endgültigen Aus. Die Betriebsangehörigen hatten im September 1999 Insolenz angemeldet und den Betrieb besetzt. Zweieinhalb Jahre führte die resolute Frau das Traditionsunternehmen. In der vergangenen Woche musste sie nun selbst Insolvenz beantragen. Von Annette Siemer

Am 8. Juli wurde Dr. Christoph Junker als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Er war bereits bei der ersten Insolvenz erfolgreich tätig. „Die Elsterwerda Keramik ist Opfer der derzeitigen Wirtschaftslage“ , beschreibt er die Ursachen für die erneute Insolvenz. Nennenswerte Unternehmen hätten ihre Aufträge um 30 bis 35 Prozent gekürzt und das sei nicht zu verkraften gewesen.
Erschwerend käme hinzu, dass die Produkte in Osteuropa und Asien weitaus billiger hergestellt würden und für den Kunden letzlich der Preis entscheidend sei. Das Insolvenzverfahren soll am 15. August eröffnet werden.
Junker geht davon aus, dass es keine Nichteröffnung mangels Masse geben wird. „Ich will versuchen, dass wir den Geschäftsbetrieb im eröffneten Verfahren am Laufen halten,“ sagt er. „Also über den 16. August hinaus.“ Außerdem bemühe man sich, Anschlussaufträge zu akquirieren. Das Problem sei allerdings, dass im August der schwächste Monat überbrückt werden müsse.
Deshalb will er versuchen, in den September reinzukommen, denn da läuft schon wieder das Weihnachtsgeschäft an. Bis dahin hofft Junker eine Lösung in Form einer Auffanggesellschaft gefunden zu haben. Dabei strebt er möglichst eine große Lösung an - eine, die es erlaubt, alle 30 Angestellten im Betrieb zu behalten. Marlis Gößling ist derweil weiterhin im Unternehmen als amtierende Geschäftsführerin tätig. Sie war gegenüber der RUNDSCHAU zu keiner Stellungnahme bereit.
Für den vorläufigen Insolvenzverwalter war es von Vorteil, dass er bereits die erste Insolvenz begleitet hat. Aufgrund seiner damals geknüpften Kontakte zu Kunden und Lieferanten sei es jetzt möglich gewesen, ohne einen einzigen Pfennig in der Kasse die Fortführung des Betriebes zu sichern. Die Stimmung unter den Beschäftigen bezeichnet Junker als gut. „Die Mitarbeiter sind total positiv gestimmt, weil ihnen der Erfolg vom letzten Mal noch vor Augen seht.“ Dazu trug sicherlich auch bei, dass es Junker gelungen ist, ganz schnell eine Vorfinanzierung für das Insolvenzgeld auf die Beine zu stellen. Das sei für die nächsten drei Monate gesichert.
„Normalerweise zahlt das Arbeitsamt das Insolvenzgeld erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter ihr Juni-Gehalt erst im September erhalten hätten“ , erklärt er. Dafür hat der Insolvenzverwalter persönlich einen Kredit aufgenommen und so die Juni-Gehälter vorfinanziert.
Ein ausdrückliches Lob spricht er dabei dem Cottbuser Arbeitsamt aus. Das Insolvenzgeld muss beantragt und genehmigt werden. Und das habe in diesem Fall nur sieben Tage gedauert. „Das war ein toller Beitrag zur Rettung des Unternehmens“ , betont er.
Was den Erfolg seiner Bemühungen anbelangt, ist Junker zuversichtlich. „Ich bin ein absoluter Optimist. Solange wir nicht alles versucht haben und nicht alles negativ gelaufen ist, gehe ich davon aus, dass es uns gelingt, den Betrieb zu erhalten.“