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| 15:09 Uhr

Das „Auge von Mühlberg“
Zehn Jahre Elbebrücke Mühlberg

 Die 690,5 Meter lange Elbebrücke Mühlberg beim Hochwasser im Jahr 2013. Zu Fährzeiten war der Weg von und nach Sachsen dann gesperrt. 
Die 690,5 Meter lange Elbebrücke Mühlberg beim Hochwasser im Jahr 2013. Zu Fährzeiten war der Weg von und nach Sachsen dann gesperrt.  FOTO: LR / Katrin Brunk
Mühlberg. Am Sonnabend, 22. Dezember, genau vor zehn Jahren ist die Elbebrücke Mühlberg für den Verkehr freigegeben worden. Mit großem Bahnhof und vielen Hoffnungen. Von Frank Claus

Den Traum von einer Brücke, die die Elbe überspannt und die zu ungehinderten Verbindungen zwischen Sachsen und Brandenburg führt, haben die Mühlberger schon seit Generationen geträumt. In den 1920er Jahren wurden erste Ideen geäußert, wenige Jahre später gründete sich sogar ein Brückenbauverein, der bis 1935 existierte und zwischendurch eine Bauzeichnung vorgelegt hatte, die eine etwa 500 Meter lange Brücke vorsah.

Doch richtig konkret mit dem Brückenbau wurde es erst im Jahr 2004. Da unterzeichneten die Länder Brandenburg und Sachsen ein Verwaltungsabkommen, das den Bau und eine jeweils anteilige Finanzierung vorsah. Im März 2006 war es dann soweit: Rammschlag mit Sachsens damaligem Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, Thomas Jurk, und dem einstigen Brandenburger Verkehrsminister Frank Szymanski (beide SPD). Die RUNDSCHAU titelte damals: „Rammschlag mit Untertönen“. Denn während die übergroße Mehrheit der Mühlberger mit dem Neubau der Elbebrücke zuallererst Hoffnungen auf neue Wirtschaftsansiedlungen und eine bessere Wahrnehmung ihrer Stadt verband, befürchteten Brücken-Gegner, dass die Idylle der Elblandschaft dauerhaft gestört würde.

 Einweihung Neue Elbebrücke in Mühlberg am 22. Dezember 2018.  Es ist vollbracht: Brandenburgs damaliger Verkehrsminister Reinhold Dellmann und der einstige sächsische Minister für Wirtschaft und Arbeit, Thomas Jurk, geben die 690 Meter lange, 24 Millionen Euro teure Elbebrücke gemeinsam mit den Bürgermeistern aus Mühlberg und Belgern frei.
Einweihung Neue Elbebrücke in Mühlberg am 22. Dezember 2018. Es ist vollbracht: Brandenburgs damaliger Verkehrsminister Reinhold Dellmann und der einstige sächsische Minister für Wirtschaft und Arbeit, Thomas Jurk, geben die 690 Meter lange, 24 Millionen Euro teure Elbebrücke gemeinsam mit den Bürgermeistern aus Mühlberg und Belgern frei. FOTO: Veit Rösler

Der Bau selbst verlief nicht ganz reibungslos. Schuld daran war das später berühmt gewordene „Auge von Mühlberg“, der besondere konstruktive Brückenpfeiler, der statische Nachberechnungen nötig machte. Nicht wie geplant Ende 2007, sondern erst ein Jahr später, genau am 22. Dezember 2008, wurde die neue Elbebrücke mit großem Menschenandrang und einer Brücken-Zeitung der RUNDSCHAU durch die damaligen Minster Thomas Jurk und Reinhold Dellmann (Bradenburg/SPD) übergeben. Gleichzeitig wurde am selben Tag der Fährbetrieb mit der Gierseilfähre eingestellt. Touristiker hätten sie gern behalten, wirtschaftlich darstellbar war das nie.

 Einweihung neue Elbebrücke in Mühlberg: Die RUNDSCHAU verteilt ein „Brücken-Extra“ mit ihren Mitarbeitern Kai Dietrich, Felix Gaber, Frank Claus und Steven Micksch.
Einweihung neue Elbebrücke in Mühlberg: Die RUNDSCHAU verteilt ein „Brücken-Extra“ mit ihren Mitarbeitern Kai Dietrich, Felix Gaber, Frank Claus und Steven Micksch. FOTO: Veit Rösler

Und noch einen Haken hatte die Freigabe: Während die Sachsen den Anschluss an die Staatsstraße 182 fertig hatten, mussten die Mühlberger noch bis Juli 2012 warten. Erst dann wurde die 2,5 Kilometer lange und knapp fünf Millionen Euro teure L-66-Netzergänzung, von Mühlbergs Bürgermeisterin zur „Route 66“ getauft, freigegeben. Die 690 Meter lange Mühlberger Elbebrücke (Torgau 509 Meter) hat 24 Millionen Euro gekostet, wobei Sachsen elf und Brandenburg 13 Millionen Euro dazusteuerten.

 Das „Auge von Mühlberg“ erhielt 2010 den Deutschen Brückenpreis.
Das „Auge von Mühlberg“ erhielt 2010 den Deutschen Brückenpreis. FOTO: Straßenbauverwaltung Sachsen

Und wie sehen die Mühlberger die Elbebrücke heute? Auch wenn neue Wirtschaftsansiedlungen nicht erzielt werden konnten, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Corinna Brandt: „Mit der Brücke hat Mühlberg eine Umgehungsstraße erhalten, die insbesondere den Schwerlastverkehr aus der Innenstadt verbannt hat. Der schon zu Fährzeiten bestehende Einkaufs- und Ausflugsverkehr der Mühlberger gen Sachsen, aber auch der Sachsen nach Mühlberg, hat sich durch die rund um die Uhr nutzbare Straßenverbindung zweifelsohne erhöht. Die Bürger sind stolz auf das ,Auge von Mühlberg’ und möchten die zeitsparende Möglichkeit nächstgrößere Städte beziehungsweise die Autobahn zu erreichen nicht mehr missen.“

 Kinder der Kita „Elbekinder“ Mühlberg haben dieses Bild von der Elbebrücke zum 10. Geburtstag gemalt. Es zeigt sich freuende Mühlberger.
Kinder der Kita „Elbekinder“ Mühlberg haben dieses Bild von der Elbebrücke zum 10. Geburtstag gemalt. Es zeigt sich freuende Mühlberger. FOTO: LR / Stadt Mühlberg
 Die 690,5 Meter lange Elbebrücke Mühlberg beim Hochwasser im Jahr 2013. Zu Fährzeiten war der Weg von und nach Sachsen dann gesperrt. 
Die 690,5 Meter lange Elbebrücke Mühlberg beim Hochwasser im Jahr 2013. Zu Fährzeiten war der Weg von und nach Sachsen dann gesperrt.  FOTO: LR / Katrin Brunk

Vor allem der Lieferverkehr zur Zuckerfabrik Brottewitz profitiert von der Elbebrücke. „Von unseren etwa 350 Landwirten, die uns beliefern, kommen etwa 100 aus Richtung Döbeln und Oschatz. Da sie anteilig an der Frachtkostenbestellung beteiligt sind, macht sich das für sie bemerkbar“, so Werner Stohr, Leiter der Rübenabteilung. Und er sieht die Mühlberger entlastet. „Seit der Freigabe der Brücke und der L 66 donnern die Laster nicht mehr durch die Stadt.“

 Die Elbebrücke Mühlberg ist auch Thema von Projektarbeiten in der Grundschule. Dieses Modell wurde dort gebaut.
Die Elbebrücke Mühlberg ist auch Thema von Projektarbeiten in der Grundschule. Dieses Modell wurde dort gebaut. FOTO: LR / Stadt Mühlberg

Die ganz großen Effekte gibt es für Elbekies Mühlberg nicht, „da wir zu 90 Prozent per Schiene liefern und die verbleibenden Lkw meist in Richtung Berlin rollen“, so Werkleiter Ralf Göhringer. „Aber einige Mitarbeiter, die aus Sachsen kommen, und vor allem Tourismus und Einkaufen profitieren davon.“

 RUNDSCHAU-Sommertour im Sommer 2018, wenige Monate vor Freigabe der Brücke. Für manchen Gast war es das erste und das letzte Mal, dass sie mit der Mühlberger Fähre übergesetzt sind. Ein Erlebnis war es allemal.  Erste Tourstation in Mühlberg war die Gierseilfähre, die im Dezember nach Freigabe der Elbebrücke außer Dienst gestellt wurde.
RUNDSCHAU-Sommertour im Sommer 2018, wenige Monate vor Freigabe der Brücke. Für manchen Gast war es das erste und das letzte Mal, dass sie mit der Mühlberger Fähre übergesetzt sind. Ein Erlebnis war es allemal. Erste Tourstation in Mühlberg war die Gierseilfähre, die im Dezember nach Freigabe der Elbebrücke außer Dienst gestellt wurde. FOTO: Mona Claus

Einen Leserbeitrag von Katrin Brunk zum Jubiläum können Sie hier lesen.

 Die Elbebrücke Mühlberg. Am 22. Dezember 2018 feiert sie zehnten Geburtstag.
Die Elbebrücke Mühlberg. Am 22. Dezember 2018 feiert sie zehnten Geburtstag. FOTO: Veit Rösler