ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:45 Uhr

Ein Landkreis genießt
Elbe-Elster verputzt jährlich 1000 Tonnen Schokolade

Elbe-Elster. 42 Sattelschlepper voll mit Schokolade: So groß ist der Hunger auf Süßes im Landkreis Elbe-Elster pro Jahr.

Von der Tafel über die Praline bis zum Riegel: 1000 Tonnen Schokolade aßen die Menschen hier zuletzt rein statistisch. Das sind gut 9,5 Kilo pro Kopf. Beim Käse waren es 2560 Tonnen – 24,5 Kilo pro Einwohner. Und vom Bier wurden 109 000 Hektoliter im Jahr getrunken (104 Liter pro Kopf). „Schokolade, Käse, Bier sind nur drei Beispiele, die zeigen, welche Bedeutung Lebensmittelindustrie und -handwerk haben“, teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit.

1780 Arbeitsplätze hängen in Elbe-Elster laut der Arbeitsagentur an der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln. „Die Branche ist aber nicht nur regional ein Schwergewicht. Nimmt man den Umsatz, ist sie der drittgrößte Industriezweig in Deutschland“, sagt Uwe Ledwig von der NGG Berlin-Brandenburg.

Neue Food-Trends wie gluten- oder laktosefreies Essen seien eine Herausforderung auch für die heimische Ernährungswirtschaft, so Ledwig. Die sei gut aufgestellt und belege bei Produktions- und Hygienestandards weltweit einen Spitzenplatz. Kaum irgendwo sei die Lebensmittelsicherheit höher als bei uns.

Eine Voraussetzung für gutes Essen und Trinken sei jedoch, dass dieses fair produziert wird – angefangen vom Anbau der Zutaten bis hin zu den Arbeitsbedingungen in der Verarbeitung. Dazu hat die NGG eine lebensmittelpolitische Initiative gestartet. Uwe Ledwig: „Gute Ernährung und gute Arbeit gehören zusammen. Hygiene unter Zeitdruck – das kann zum Beispiel nicht gut gehen.“ Dies bedeute auch, dass Unternehmen Tarifverträge einhielten und sich an der Berufsausbildung beteiligten.

Mit Sorge sieht die NGG den Trend zum Verramschen: „Gerade bei Getränken, Fleisch und Süßwaren erleben wir regelrechte Rabatt-Schlachten in den Supermärkten. Damit werden Lebensmittel oft weit unter Wert verkauft“, kritisiert Ledwig. Weniger als 70 Cent für eine Tafel Marken-Schokolade sei in einer fairen und umweltgerechten Produktion nicht machbar. Solche Preise erhöhten den Druck auf die Beschäftigten und deren Arbeitsbedingungen.

(red/mf)