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| 18:55 Uhr

Kreismusikschule Elbe-Elster
Elbe-Elster spitze bei musischer Bildung

Kreismusikschulleiter Thomas Prager (l.) in der Regionalstelle Herzberg im Gespräch mit dem Lehrer für Gitarre und Gesang Lutz Neumann. Mit ihm steht den Schülern ein Vollblutmusiker zur Seite. Denn der Mann aus Wüstermarke ist kein Geringerer als der Gründer und Bandleader von „Shawue“.
Kreismusikschulleiter Thomas Prager (l.) in der Regionalstelle Herzberg im Gespräch mit dem Lehrer für Gitarre und Gesang Lutz Neumann. Mit ihm steht den Schülern ein Vollblutmusiker zur Seite. Denn der Mann aus Wüstermarke ist kein Geringerer als der Gründer und Bandleader von „Shawue“. FOTO: Manfred Feller / LR
Elbe-Elster. Ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen erlernt ein Instrument. Der Landkreis wird als Schulträger geschätzt.

Der Bayer Thomas Prager ist viel herumgekommen in Deutschland. Nach dem Studium von Trompete und Klavier hat der staatlich geprüfte Musiklehrer ab 1990 Musikschulen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen geleitet. Seit fünf Jahren steht er der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“ in Elbe-Elster vor und ist voll des Lobes. „Die Akzeptanz bis hin zu den entscheidenden Abgeordneten ist hier unglaublich hoch“, schwärmt er. Seit mehr als 60 Jahren sei der Landkreis ein stabiler Träger, der 51 Prozent der Kosten übernimmt. Der Landeszuschuss betrage rund 13 Prozent. Die Differenz sind die privaten Entgelte.

Der 57-Jährige vergleicht mit Niedersachsen, wo es eine ähnliche ländliche Struktur gibt. „Die kommunale Beteiligung ist dort schlechter. Die musikalische Ausbildung gilt noch mehr als eine freiwillige Arbeit. Es wird betriebswirtschaftlicher gedacht. Aber die Musikschule ist keine disponible Masse“, stellt er klar. Der Osten sei wohl auch aus der DDR-Tradition heraus sensibler. Der derzeitig gute Stand sei umso bedeutsamer, da ausgerechnet in den nicht so reichen Bundesländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern die öffentliche Förderung am besten sei. Dies gelte ebenso für die wirtschaftlich relativ schwache Region Elbe-Elster.

Doch damit nicht genug. Die Musikschule „Gebrüder Graun“ wird durchschnittlich von jedem vierten schulpflichtigen Kind beziehungsweise Jugendlichen besucht. „Das ist in Deutschland ein Spitzenwert und zeigt, dass das Bewusstsein, mehr für die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Generation zu tun, hier sehr hoch ist“, weiß Thomas Prager. In Köln besuchen nur rund drei Prozent der jungen Lernenden eine Musikschule.

Dieser Vergleich Land zu Großstadt hinkt ein wenig. Das weiß auch der Leiter. „Viel Ablenkung in der Freizeit gibt es hier nicht“, blickt er zum Beispiel auf Sportvereine und Feuerwehren als zwei der möglichen Alternativen. „Das Smartphone ist allerdings kein Feind, weil es bei uns zum Unterricht gehört“, verweist er auf moderne Lernmethoden. Kinder und Jugendliche brauchen Erfolge. „Musik ist auch cool. Sie verschafft ihnen intensive Erlebnisse. Wenn bei einem Konzert 100 Leute klatschen, dann ist das ein Erlebnis. Anerkennung ist für die Persönlichkeitsbildung wichtig“, so Thomas Prager.

Um das Interesse bei noch mehr Kindern zu wecken, ist die Musikschule weiter in die Fläche und  verstärkt an Kitas und Schulen gegangen. Ungefähr 600 Kinder machen inzwischen in Bläser-, Sing- und Musizierklassen und -gruppen mit. 14 Musikschullehrer schwärmen aus und unterrichten. „Das läuft auch mit Behinderten großartig“, sagt Thomas Prager. Die nächste Idee ist, den einen oder anderen der rund 180 jungen Leute im Landkreis, die ohne Ausbildung oder Arbeit reichlich freie Zeit haben, für die Musik zu gewinnen. „Sie brauchen ein Ziel, müssen weg von der Straße“, hofft der Leiter auf Resonanz. Dies soll gestemmt werden, obwohl die Schule mit ihren 85 Lehrkräften in  den drei Regionalstellen in Elsterwerda, Finsterwalde und ­Herzberg sowie den 40 Unterrichtsstätten bereits sehr gut zu tun hat.

Einfacher wird es nicht. „In Brandenburg werden in den kommenden Jahren etwa 400 Musiklehrer fehlen. Es wurden zu wenige ausgebildet. Das Land muss gegensteuern“, fordert Thomas Prager. Die heutige Qualität der Ausbildung müsse mindestens gehalten werden.

Die Kreismusikschule hat Lehrer verpflichtet, die zum Teil weite Wege zum Unterricht nehmen müssen. Auch einige Fremdsprachler sind seit Jahren darunter. Sie kommen aus Italien, Polen, dem Kosovo, Venezuela, Bolivien, dem Libanon, aus Russland und China.

Auch wenn die Verständigung nicht immer einfach ist, die Erfolge sind da. Elbe-Elster stellt beim Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“ mit 75 die meisten Teilnehmer im Landessüden und darüber hinaus.

Um ein Instrument zu erlernen, ist es nie zu spät. Der fest angestellte Musikschullehrer Thomas Brünnich (l.) aus Herzberg probt hier mit Nadin Kokott (42) aus Polzen und Markus Petermann (44) aus Trebbus.
Um ein Instrument zu erlernen, ist es nie zu spät. Der fest angestellte Musikschullehrer Thomas Brünnich (l.) aus Herzberg probt hier mit Nadin Kokott (42) aus Polzen und Markus Petermann (44) aus Trebbus. FOTO: Manfred Feller / LR