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| 21:48 Uhr

Der sächsische Nachbar hat viel vor
Torgau – die Laga vor der Haustür

 Rundgang mit Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth (2.v.l.) auf dem künftigen Gelände der Landesgartenschau 2022 - hier auf dem Schlachthof-Gelände, wo auch die Stadthalle geplant ist.
Rundgang mit Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth (2.v.l.) auf dem künftigen Gelände der Landesgartenschau 2022 - hier auf dem Schlachthof-Gelände, wo auch die Stadthalle geplant ist. FOTO: LR / Frank Claus
Die sächsische Nachbarstadt Torgau hat den Zuschlag für die Ausrichtung der Landesgartenschau im Jahr 2022 erhalten. Auch im brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis verbindet man damit Erwartungen. Von Frank Claus

Natur – Mensch – Geschichte, unter dieses Thema haben sich die Torgauer ihre Landesgartenschau (Laga), die im Jahr 2022 auch Gäste aus Brandenburg über die Elbe ziehen soll, gestellt. Oberbürgermeisterin (OB) Romina Barth (CDU) hat für ihren Rundgang über das künftige Gartenschaugelände aber scheinbar erst einmal drei andere Argumente gesetzt, mit denen sie punkten will: Charme, Sonne und Überzeugungskraft.

Die gelernte Bankkauffrau, die bei ihrer Wahl zur Oberbürgermeisterin im Jahr 2015 mit 32 Jahren jüngste Oberbürgermeisterin Deutschlands wurde, freut sich über das Interesse der Bürgerschaft. Zwei Gruppen müssen gebildet werden – die Laga-Projektverantwortlichen Bettina Klein und  Victoria Troka unterstützen ihre Chefin. Als sie erfährt, dass sich auch die RUNDSCHAU dem Rundgang anschließt, sagt sie freudig: „Das ist aber schön, wir hoffen auf viele Brandenburger Gäste.“

 Rundgang mit Oberbürgermeisterin Romina Barth (vorn) zur Landesgartenschau Laga Torgau 2022 - Weg durch das Glacis
Rundgang mit Oberbürgermeisterin Romina Barth (vorn) zur Landesgartenschau Laga Torgau 2022 - Weg durch das Glacis FOTO: LR / Frank Claus

Die Hoffnung ist nicht unbegründet, denn die Kontakte zwischen beiden Regionen sind eng. Herzberg liegt gerade einmal 23 Kilometer entfernt, Bad Liebenwerda 33, der Falkenberger Kiebitz ist die Badewanne der Torgauer, und im Städtebund Elbe-Elsteraue, zu dem im Dreiländereck auch noch Kommunen aus Sachsen-Anhalt gehören, ist die OB ständiger Gast. Auch die andauernden Gespräche über die neue Straßenverbindung namens Milau von Bad Muskau über Bad Liebenwerda bis in den mitteldeutschen Raum bei Leipzig (A9 und A14) verbindet über Kreis- und Landesgrenzen. Zudem gibt es spätestens seit dem Jubiläum „500 Jahre Reformation“ heiße Drähte zwischen Torgau und Elbe-Elster. Seit jeher sind die Gärtnereien an der brandenburgisch-sächsischen Landesgrenze, besonders die in Mühlberg, Uebigau und Rehfeld, von Sachsen hochfrequentiert. Ganz klar: Elbe-Elster hat einen Blick auf die Laga, verspricht sich auch Aufträge. Die Hoffnung ist nicht unbegründet. „Wir wollen, soweit wir können, Firmen aus der Region einbeziehen“, sagt die Oberbürgermeisterin. Mehr als 60 Vergabeverfahren würden jetzt vorbereitet. Die Gartenschau in Sachsen zu stemmen, wird angesichts der Vorhaben und der Kürze der Zeit eine harte Nuss. Natur – Mensch – Geschichte, die drei Themen sind räumlichen Schwerpunkten zugeordnet, jedoch gibt es keine eindeutige Trennung, denn alle Themen sind im gesamten Gartenschaugelände und auch in der gesamten Stadt immer stark miteinander verknüpft. So steht es im Erläuterungsbericht des Büros Station C 23 aus Leipzig, das den freiraumplanerischen Realisierungs- und Ideenwettbewerb gewonnen hat.

Besonders ehrgeizig sind die Pläne auf dem einstigen Schlachthof-Areal. Die Firma befindet sich inzwischen an einem neuen Standort. Die Stadt Torgau hat das Gelände für 800 000 Euro erworben und will es zur zentralen Veranstaltungsstelle der Laga entwickeln. Geplant ist dort eine Stadthalle, deren Bau allerdings noch nicht hundertprozentig beschlossen ist. Romina Barth hat indes Visionen: „Mindestens den Rohbau wollen wir nutzen, wenn wir die Stadthalle bauen.“ Auf dem Areal entsteht eine von zwei Aussichtsplattformen, die Blicke in die Stadt hinein erlaubt. Ein weiterer Aussichtspunkt, der „Deichgucker“, ist direkt am Elberadweg geplant.

FOTO: LR / Frank Claus

Torgau ist in weiten Teilen von einem Stadtpark mit altem, dichten Baumbestand umgeben. Das war das Glacis der einstigen Festung, eine leicht ansteigende, damals unbewachsene Erdanschüttung, die freien Blick auf herannahende Feinde gewährleistete. Heute führen durch das Glacis mehrere Wege, unter anderem von der Altstadt hinüber ins einstige Gewerbegelände. Dort entsteht der „Junge Garten“. Teile zweier Werkhallen bleiben erhalten, zunächst als Blumenhalle und später für die dauerhafte Nutzung als Sport- und Freizeitstätte. Alle Generationen sollen angesprochen werden. Ein großes Kletterspiel, angelehnt an die Gestaltung großer Volieren und frei tragender Zeltdachkonstruktionen, sollen den neu entstandenen Freiraum prägen.

FOTO: LR / Frank Claus

Genauso anspruchsvoll sind die Ideen für die ehemalige Bastion VII, eine bunkerähnliche Anlage aus Sandstein.

Dieser Bereich ist für Ausstellungen vorgesehen. In den vier gangartigen Gewölben ist eine gastronomische und/oder kulturelle Nutzung angedacht. Die benachbarte Volkssolidarität wolle sich nach der Laga weiter um das Areal kümmern, das im Freien noch ein von einer Glas-Stahlkonstruktion überdachtes Freilichtkino erhalten soll.

 Die Bastion VII wird exklusive Veranstaltungsstätte.
Die Bastion VII wird exklusive Veranstaltungsstätte. FOTO: LR / Frank Claus

Überhaupt setzt Torgau auf Nachhaltigkeit. Ein Großteil der Flächen werde extensiv entwickelt, sodass die bestehenden Schutzgebiete nicht oder nur minimal berührt werden sollen. Über eine artenreiche Vegetation werde die ökologische Vielfalt weiter erhöht. Eine Vielzahl an Wildpflanzen solle gedeihen. Große und kleine Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren zu erhöhen, so z.B. auch Nisthilfen und geschützte Habitate für Vögel, Amphibien und Insekten.

Torgau möchte die Laga-Stadt werden, zu der Besucher gern mit dem Zug anreisen. Auch wenn die Bahnhofsneugestaltung bis 2022 nicht beendet sein wird, soll sich vom Bahnhof aus das Tor zur Gartenschau öffnen. Die Gäste betreten zuerst einen Gärtnermarkt und die Gärten der Partnerstädte. Eine erste Tourempfehlung halten die Laga-Macher, zu denen auch ein eigens gegründeter Förderverein gehört, schon einmal bereit: „Nach dem ersten Trubel taucht man ein in das Glacis mit seinem alten Baumbestand. Die Kinder können sogleich zum Stelzenspielplatz mit großen, begehbaren, an japanische Origami-Kraniche erinnernden Figuren abbiegen, die Eltern genießen derweil den Blick über den Teich. (...) Entlang der Wegeschleife im Glacis werden dauerhafte und wechselnde Pflanzungen mit schattenliebenden Stauden angelegt. Hosta, Waldgeißbart, Maiglöckchen, Glockenblumen, Waldmeister, Hortensien, Rhododendren und andere sind standortgerecht und erinnern an die Entstehungszeit des Parks zur Gründerzeit. Wer den Blick hebt, kann die Internationale Nisthilfen-Bauausstellung bewundern!“

 Rundgang mit Oberbürgermeisterin Romina Barth zur Landesgartenschau Laga Torgau 2022 - das Schlachhofgelände wird zur zentralen Veranstaltungsstätte
Rundgang mit Oberbürgermeisterin Romina Barth zur Landesgartenschau Laga Torgau 2022 - das Schlachhofgelände wird zur zentralen Veranstaltungsstätte FOTO: LR / Frank Claus

Romina Barth, vor ihrem Job als OB Projektentwicklerin im Immobilienbereich, weiß um die Kürze der Zeit bis 2022 und die Unwägbarkeiten wie ausgelastete Firmen, Baupreissteigerungen, Vergabeverfahren. Und dennoch ist sie optimistisch. Torgau habe drei Millionen Euro im Haushalt eingestellt, das Land stelle 16 Millionen Euro zur Verfügung. Und jede investive Maßnahme möchte sie mit zusätzlichem Fördergeld veredeln.