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| 17:22 Uhr

Ersatzmaßnahmen für Gastrasse
Millionenprojekt: Eugal rekultiviert Flächen in Elbe-Elster

 Naturschützer Dr. Klaus Uhl (r.) aus Grünewalde hatte vorgeschlagen, als grüne Ersatzmaßnahme die trocken gefallene Senke „Masers Loch“ am Grünewalder Lauch durch die Gascade Gastransport GmbH aufwerten zu lassen. Hier überzeugt er sich mit Ehefrau Gisela, wie aus dem Plan Realität wird.
Naturschützer Dr. Klaus Uhl (r.) aus Grünewalde hatte vorgeschlagen, als grüne Ersatzmaßnahme die trocken gefallene Senke „Masers Loch“ am Grünewalder Lauch durch die Gascade Gastransport GmbH aufwerten zu lassen. Hier überzeugt er sich mit Ehefrau Gisela, wie aus dem Plan Realität wird. FOTO: Uta Kull/Eugal
Grünewalder Lauch. Das Milliardenprojekt Eugal beinhaltet auch die Wiedergutmachung an der Natur. Dies kostet viele Millionen Euro. In Elbe-Elster ist ein 35 Kilometer langes und Dutzende Meter breites Arbeitsfeld zu rekultivieren. Doch das reicht nicht. Von Manfred Feller

Die verschweißte und versenkte Erdgasfernleitung Eugal hat in Elbe-Elster einen etwa 35 Kilometer langen Arbeitsstreifen hinterlassen. Daraus werden wieder Ackerflächen und Naturraum. Doch diese Wiedergutmachung direkt auf der Arbeitstrasse reicht nicht aus. Für alle mit der Oberen Naturschutzbehörde Brandenburgs abgestimmten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen nur in diesem Bundesland ist ein „geringer zweistelliger Millionenbetrag“ aufzubringen, so Uta Kull von der Unternehmenskommunikation der Gascade Gastransport GmbH als Bauherrin und Gasnetzbetreiberin in Deutschland.

„Wir haben insgesamt sechs naturräumliche Einheiten mit 29 verschiedenen Maßnahmen in Brandenburg“, sagt sie weiter. Dabei handele es sich um eine zu bearbeitende Fläche von 311,59 Hektar. Dies entspreche 436 Fußballfeldern. Die Grafik zeigt es: Die Ausgleichsflächen befinden sich entlang, aber auch weit abseits der Gasleitungstrasse. So sind für den gerodeten Wald 116 Hektar neu anzupflanzen.

 EUGAL Karte
EUGAL Karte FOTO: GASCADE Gastransport GmbH

Masers Loch soll rekultiviert werden

Eines der lokalen Projekte ist die während der beiden vergangenen Sommer trocken gefallene Senke „Masers Loch“ am Rande des Erholungsgebietes Grünewalder Lauch. Dieses fünf Hektar große Gebiet mitten in einer großen Ackerfläche, wo seit Jahren nur Mais angebaut werde, hat der Grünewalder Naturschützer Dr. Klaus Uhl den Naturschutzbehörden vorgeschlagen. Er engagiert sich seit vielen Jahren im Naturschutzbund (Nabu) und im Kranichschutz Deutschland.

„Masers Loch“ ist durch das umliegende Feld eine überdüngte Vertiefung in der Landschaft, die von einem „verbrennesseltem Röhrrichtbestand“ geprägt war. So haben es Fachleute wie der von Gascade beauftragte Ökologe und Umweltplaner Josef Langanki von einem Planungsbüro aus Moers festgestellt. Mit der Zeit ist das feuchte Areal verlandet und trocknete während der zurückliegenden beiden heißen Sommer aus.

In gutem Zustand war „Masers Loch“, benannt wahrscheinlich nach einem ehemaligen Flurbesitzer, eine Heimstatt für viele Tiere. In dem verbindlichen landschaftspflegerischen Begleitplan zum Bau der Erdgastrasse heißt es, dass dort Kranich, Graugans, Stock- und Krickente sowie Zwerg- und Schwarzhalstaucher gesichtet wurden und gebrütet haben könnten. Zudem sei es ein potenzielles Habitat für Laubfrosch und Kreuzotter.

 In dieser Senke soll sich bald ein Feuchtbiotop bilden.
In dieser Senke soll sich bald ein Feuchtbiotop bilden. FOTO: Uta Kull/Eugal / Uta Kull/Gascade

Der Natur überlassen

Doch ohne Wasser bietet die zuletzt sehr flache Ackersenke keinen guten Lebensraum. Deshalb wird sie auf etwa 8000 Quadratmetern vertieft. Allerdings wird darauf geachtet, dass die wasserhaltende Schicht aus mineralisiertem, nährstoffreichem Torf nicht von den Baggerschaufeln durchstoßen wird. Mit dem Aushub wird ringsherum ein flacher Wall angelegt, damit weniger Nährstoffe vom umliegenden Feld, auf dem Gülle ausgebracht wird, eingetragen werden.

In „Masers Loch“ soll sich alsbald eine Wasserfläche bilden. Doch wann wird gepflanzt? Gar nicht! „Was allein wächst, das hält auch. Wir überlassen alles der Natur. Das kommt von selbst“, weiß Dr. Klaus Uhl. Der Grünewalder erinnert an die Ausgleichspflanzungen im Zuge des Baus der Opal-Gasleitung vor einigen Jahren. An den Neuteichen in Lauchhammer wurden junge Bäume gesetzt. Viele sind eingegangen.

Ein weiterer Grünausgleich soll auf Vorschlag aus Lauchhammer direkt im Erholungsgebiet Grünewalder Lauch erfolgen. Am Parkplatz vor dem Campingareal ist vorgesehen, 42 Hochstammlinden zu pflanzen.

Schutzzäune für Zauneidechsen aufgestellt

Die 480 Kilometer lange Eugal-Gasleitung von der Ostsee bis zur tschechischen Grenze führt auf 272 Kilometern durch Brandenburg. Hier war eine Besonderheit zu beachten. „Wir hatten festgestellt, dass auf 85 Kilometern der beantragten Trasse in Brandenburg Zauneidechsen vorkommen. Diese Tiere sind streng geschützt und stehen auf der Roten Liste“, erklärt der bei Gascade für die Genehmigungen in Brandenburg verantwortliche Trasseningenieur Michael Höhlschen. Dies hatte zur Folge, dass fast 500 000 Quadratmeter neue Habitatsfläche anzubieten war. Es mussten Schutzzäune auf 68,5 Kilometern gestellt und mehr als 2200 Tiere umgesiedelt werden. Nach der Rekultivierung diene der Eugal-Leitungsschutzstreifen den Zauneidechsen gewissermaßen als Sonnenbank.