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| 11:41 Uhr

Finnischer Praktikant bei Agrarbetrieb
Aus Finnland nach Elbe-Elster mit dem Rad

 Große Landwirtschafts-Maschinen selbst zu steuern war für Lucas neu.
Große Landwirtschafts-Maschinen selbst zu steuern war für Lucas neu. FOTO: LR / Daniel Roßbach
Bönitz. Für ein Praktikum kommt der finnische Student Lucas Lindelöf ins beschauliche Bönitz im Elbe-Elster-Land. Und das mit dem Fahrrad. Von Daniel Roßbach

„Ich war mit den Kartoffeln beschäftigt, da vergeht die Zeit schnell.“ Das sagt Lucas Lindelöf zur Begrüßung und um sich dafür zu entschuldigen, ein paar Minuten später als verabredet zum Gespräch zu kommen. Dass gerade die Kartoffeln des Agrarbetriebs Röderland in Bönitz Lucas beschäftigen, ist ungewöhnlich. Denn der 23-Jährige kommt aus Finnland, und studiert an der Universität der finnischen Hauptstadt Helsinki. Doch gerade macht er ein zwei Monate langes Praktikum in Deutschland.

Treffen in Restaurant in Helsinki

Dass er dazu ausgerechnet nach Elbe-Elster kam, verdankte sich einer zufälligen Begegnung: „Ich hatte eine Weile lang im Internet nach Möglichkeiten gesucht und mich um Praktika beworben. Aber dann habe ich in Helsinki in dem Restaurant, in dem ich dort arbeite, eine Frau aus der Gegend getroffen, deren Cousin aus seinem Berufsleben hier viele Kontakte hat. So habe ich hierher gefunden.“

In der Lausitz konnte der angehende Landwirt dann die praktischen Erfahrungen machen, die das theoretische Studium ergänzen (und deshalb verpflichtender Bestandteil desselben sind). Lindelöf interessiert sich vor allem für Pflanzenwirtschaft. Er plant, später selbst eine Landwirtschaft zu betreiben: „Aber keine sehr große, mit Getreide, bei dem man nur mit großen Mengen Geld verdienen kann.“ Stattdessen denkt Lucas Lindelöf eher daran, kleinere Flächen mit wertvolleren Pflanzen zu betreiben. „Weintrauben vielleicht, oder Beeren. Ich mache in Finnland jetzt schon Wein aus Johannisbeeren.“

 Größere Teile des Weges zwischen Helsinki und Elbe-Elster legt Lucas mit seinem Fahrrad zurück.
Größere Teile des Weges zwischen Helsinki und Elbe-Elster legt Lucas mit seinem Fahrrad zurück. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Lindelöf will später mit Landwitschaft Geld verdienen

Für den Bönitzer Agrarbetrieb Röderland ist schon ein Praktikum, wie Lindelöf es absolviert, ungewöhnlich: „Sowas haben wir selten“, sagt Steffen Höppner, einer der Geschäftsführer des Betriebs: „Wenn Leute hier ein Praktikum machen, dann öfter kurze um zu sehen, ob ihnen die landwirtschaftlichen Berufe liegen.“ Lucas Lindelöf dagegen arbeitet für zwei Monate in dem Betrieb zwischen Bad Liebenwerda und Falkenberg. „Ich habe viel gelernt“, sagt der Student über seine Erfahrungen dabei. Dazu habe etwa das Arbeiten mit großen Erntemaschinen und Traktoren gehört. „Es gibt viele Dinge, von denen man weiß, dass sie getan werden müssen, aber nicht, wie das im Einzelnen passiert.“

Landschaftlich trennt Finnland und die Niederlausitz dabei gar nicht so viel: „Die Landstriche hier sind sehr flach“, sagt Lucas Lindelöf, „aber das ist Finnland zum größten Teil auch.“ Der Unterschied: In Finnland gibt es lehmige Böden, in der Lausitz viel Sand (und natürlich dass Finnland kälter ist).

Finnischer Student will Kontakte nach Detschand aufrecht erhalten

Nach der kommenden Arbeitswoche endet Lucas Lindelöfs Zeit in Deutschland – vorerst. Denn Lucas kann sich vorstellen, nach seinem Studium noch einmal hier zu arbeiten. Oder zumindest Kontakte nach Deutschland zu pflegen. Schließlich sollen die Mühen, die Sprache zu lernen, nicht umsonst sein. Der Weg zurück wird aber etwas Zeit in Anspruch nehmen: Nach Berlin und weiter zur Fähre nach Travemünde fährt Lucas mit dem Fahrrad. So, wie er schon auf dem Hinweg Zwischenstops in Talinn und Riga eingelegt hat und zwischen den baltischen Hauptstädten mit dem Rad gefahren ist. Auch die Gegend Wahrenbrück hat der finnische Student vor allem von seinem Mountainbike aus kennengelernt: „Es hat mir hier sehr gefallen.“