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| 19:04 Uhr

Training für den Ernstfall in Bad Liebenwerda
Einsatz bei Terroranschlag oder Amoklauf

Annähern an ein Gebäude: „Eure Köpfe sind zu hoch, man kann Euch von innen sehen“, kommt sofort ein Hinweis. Die 3. Einsatzhundertschaft hat am Montag an und in der vorm Abriss stehenden ehemaligen Robert-Reiss-Oberschule in Bad Liebenwerda trainiert.
Annähern an ein Gebäude: „Eure Köpfe sind zu hoch, man kann Euch von innen sehen“, kommt sofort ein Hinweis. Die 3. Einsatzhundertschaft hat am Montag an und in der vorm Abriss stehenden ehemaligen Robert-Reiss-Oberschule in Bad Liebenwerda trainiert. FOTO: LR / Frank Claus
Bad Liebenwerda. Das Szenario stammt nicht mehr nur aus dem Abendkrimi. Die Polizei ist heute stärker denn je auch bei lebensbedrohlichen Einsatzlagen gefordert. So geschehen in Bad Liebenwerda. Von Frank Claus

In der Robert-Reiss-Oberschule in Bad Liebenwerda, so die ersten Erkenntnisse der Polizei, hat es vermutlich einen Amoklauf gegeben. Oder: Einer oder mehrere bewaffnete Täter haben sich in der Schule verschanzt, planen möglicherweise einen Terroranschlag.

Was ist in einem Treppenhaus zu beachten? Wie bewegt sich die Formation vorwärts? Wer schaut wohin? Welche Wege werden gegangen?
Was ist in einem Treppenhaus zu beachten? Wie bewegt sich die Formation vorwärts? Wer schaut wohin? Welche Wege werden gegangen? FOTO: LR / Frank Claus

Mit Blaulicht an und „schönen, guten Tag, hier ist die Polizei“ ist da nicht mehr viel zu machen. Um Gewalttaten zu verhindern und Menschen aus lebensbedrohlichen Situation zu befreien, ist viel mehr nötig. In Brandenburg ist dazu eine Konzeption erarbeitet worden, die vier Buchstaben trägt: KLEE. Das steht für Konzept lebensbedrohliche Einsatzlagen/Erstintervention. Doch um das theoretisch aufgeschriebene auch anwenden zu können, muss in der Praxis trainiert werden. So auch am Montag in der Schule. Das „Einsatzgebiet“ ist ideal: viele Räume, lange Flure, oft schwer einsehbare Bereiche. Die Schule steht vorm Abriss, ein motivierter Tritt ist zu verschmerzen.

Und was, wenn der Täter genau hinter dieser Tür lauert?
Und was, wenn der Täter genau hinter dieser Tür lauert? FOTO: LR / Frank Claus

Die 3. Einsatzhundertschaft der Direktion Besondere Dienste ist mit 70 Beamten aus Cottbus angerückt. „Heute stehen die Grundlagen auf dem Plan“, erklärt Polizeihauptkommissar Thomas Schmidt, der das Übungskonzept mit ausgearbeitet hat. Drei Schwerpunkte sollen trainiert werden: Annäherung an ein Gebäude, Annäherung an bestimmte Bereiche im Gebäude und Eindringen in geschlossene Räume.

Eine Person ist im Einsatz angeschossen werden, blutet stark. Die ersten Handgriffe müssen sitzen. Auch das wird an Arm und Bein geübt.
Eine Person ist im Einsatz angeschossen werden, blutet stark. Die ersten Handgriffe müssen sitzen. Auch das wird an Arm und Bein geübt. FOTO: LR / Frank Claus

Dazu wird das Abbinden von Armen oder Beinen nach Schussverletzungen geübt. Einsatzleiter Heiko Bielefeldt ist froh, dass die Schule genutzt werden kann. „Wir finden leider in Brandenburg immer schwerer geeignete Objekte.“ Thomas Schmidt gestattet Einblicke in alle Übungselemente, bittet allerdings, spezielle Taktiken weder zu beschreiben, noch bildlich zu dokumentieren.

Die Beamten, allesamt Absolventen des mittleren und gehobenen Dienstes mit abgeschlossener Ausbildung beziehungsweise Studium an der Fachhochschule der Polizei, sind mit vollem Ernst bei der Sache. Bewegungsabläufe werden trainiert und Sichtachsen geschult. Immer gilt dabei dem Schutz der eigenen Person genauso hohe Priorität wie dem Einsatzbefehl. Schnell wird klar: Nichts funktioniert da ohne Zusammenspiel – ohne das Gefühl, sich blind auf seinen Nebenmann oder seine Nebenfrau verlassen zu können.

Klare Ansagen und schnelle Reaktionen auf plötzlich eintretende Ereignisse werden abgefordert. Eine Treppe wird im Einsatzfall eben anders erklommen als im normalen Alltag. Worauf ist in einem geschlossenen Raum zuerst zu achten, was und wer darf nie aus den Augen verloren werden? Die Polizisten üben es mehrfach. In einer zweiten Ausbildungsetappe, vermutlich Ende August, soll dann auch das Überwältigen eines Täters geübt werden. Dann wird es auch mal etwas martialischer zugehen, werden Türen bersten, Scheiben splittern. Die Schule wird abgerissen, kein Problem also.

Die Einsatzhundertschaft ist eine von Vieren im Land Brandenburg. Stationiert sind sie in Potsdam, Oranienburg, Cottbus und Frankfurt (Oder). Sie sind nicht zu verwechseln mit Brandenburgs SEK, das Sondereinsatzkommando, das bei weiteren, speziellen Lagen hinzugezogen wird.

Die Einsatzhundertschaften sind immer öfter jene, die zuerst am Einsatzort sind. Deshalb seien auch entsprechende Streifenwagenbesatzungen in den Dienststellen der Polizeiinspektionen geschult. Die Aufgabenfelder aller vier Einsatzhundertschaften sind identisch. Da sind der Schutz von Veranstaltungen – Demonstrationen und ähnliches – das Absichern von Fußballspielen und der Einsatz bei der Kriminalitätsbekämpfung. Zunehmend mehr begleiten die Beamten Abschiebungen, sind als Fußstreifen wie jetzt verstärkt in Cottbus oder aber am Asylbewerberheim in Doberlug-Kirchhain im Einsatz.