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Eine stolze Bilanz
Eine stolze Bilanz: 40 Jahre Volkssportlauf in Gröden

Den einzigen Zielsprint auf der Langstrecke bei einem Werner-Seelenbinder-Lauf gab es im Jahr 1995, als Seriensieger Dennis Mietzsch aus Kraupa gegen Uwe Czarnofsky vom LC Cottbus den Kürzeren zog.
Den einzigen Zielsprint auf der Langstrecke bei einem Werner-Seelenbinder-Lauf gab es im Jahr 1995, als Seriensieger Dennis Mietzsch aus Kraupa gegen Uwe Czarnofsky vom LC Cottbus den Kürzeren zog. FOTO: SSV Gröden
Gröden. Als am 29. Oktober 1978 auf Bitten des damaligen Kreisfachausschusses Leichtathletik der erste Werner-Seelenbinder-Lauf in Gröden stattfand, organisiert von der örtlichen BSG "Traktor" und der POS "Werner Seelenbinder", ahnte wohl kaum jemand, dass dieser Lauf durch den Grödener Wald (über 5 Kilometer) bzw. Ernst Schmied

durch die Grödener Berge (über 13 Kilometer) bald zu einem der beliebtesten Volkssportläufe des damaligen Bezirkes Cottbus werden sollte. Er findet seitdem ununterbrochen in der zweiten Oktoberhälfte statt - in diesem Jahr am 22. Oktober, also zum vierzigsten Mal. Die Teilnehmerzahlen sind bald rasant angewachsen: 121 Starter kamen zum Premierenlauf, und 1987 waren es beim 10. Lauf 612 Sportler.

Für dieses Rekordergebnis gab es zwei Hauptgründe: Erstens gehörte der Grödener Lauf bereits seit 1980 zum Niederlausitz-Cup, der populärsten Laufserie für die Ranglistenläufer des Bezirkes Cottbus. Zweitens waren außerdem alljährlich fast 400 Schüler der örtlichen Polytechnischen Oberschule auf dem 5-Kilometer-Waldkurs unterwegs, um den am 24. Oktober 1944 von den Faschisten ermordeten Arbeitersportler zu ehren.

Während die Streckenführung für den 5-Kilometer-Volkssportlauf, dessen erste Sieger Peter Stein (Senftenberg / 18:13 min) und Annett Ackermann (Merzdorf / 26:26 min) waren, im Wesentlichen seitdem unverändert geblieben ist (die meisten Teilnehmer wählen wie eh und je diese kürzere Strecke), gab es mit dem Aufstieg zum Bezirksranglistenlauf neue Streckenangebote für Männer (15 Kilometer) und Frauen (7,5 Kilometer). Hier haben Stephan Freigang und Anke Laws (beide vom SC Cottbus) mit ihren Leistungen hervorragende Streckenrekorde markiert (45:47 min bzw. 27:15 min).

Während in den vier Altersklassen (Schüler 7 bis 9 Jahre und 10 bis 13 Jahre, Jugend und Erwachsene) seit 1983 immer wieder die von Dieter Wils trainierten Aktiven des SV Linde Schönewalde triumphierten (u. a. zehnmal Thomas Wille / je sechsmal Thomas Habel, Viola Bauer und Anja Fritzsche), gab es auf der langen Distanz mit dem aus Kraupa stammenden Dennis Mietzsch den erfolgreichsten Starter (elf Siege im Zeitraum von 1994 bis 2007).

Auch die Einheimischen Kathrin Thiele und Ralf Rösler von der früheren BSG "Traktor" Gröden konnten wiederholt Tagessiege (je dreimal) feiern.

Ab 1999 bewarb sich der damalige SSV Gröden nicht mehr um die Ausrichtung des Werner-Seelenbinder-Laufes im Niederlausitz- und Brandenburg-Cup, da dies aus materiellen Gründen (im Grödener Sportgebäude gibt es nur vier Umkleideräume, einen Wasch-/ Duschraum und zwei kleine Toilettenräume), aber auch aus finanziellen Gründen für den kleinen Sportverein nicht mehr zu bewältigen war.

Seitdem gibt es für die neue 11-Kilometer-Strecke, die seit dem Jahr 2000 die 15-Kilometer-Distanz verdrängte, nur noch eine Gesamtwertung (männlich und weiblich), also zwei Siegerehrungen statt der 24 im Brandenburg-Cup von 1992 bis 1998.

Natürlich blieben damit viele Spitzenläufer seit 1999 dem Grödener Werner-Seelenbinder-Lauf fern, aber für den Volkssportlaufcharakter war diese Entscheidung gewiss keine schlechte, zumal mit dem 2-Kilometer-Schnupperlauf (seit 2004 speziell für die Vorschulkinder und die Schüler der Klassen 1 bis 3 der Grundschulen) und dem Nordic-Walking-Wettbewerb (über 5 Kilometer) neue Angebote zum Bewegen durch den herbstlichen Wald existieren.

Zwar ist auch über 5 Kilometer speziell im Nachwuchsbereich das Starterfeld kleiner geworden (1987: 419 / 2006: 144 / 2016: 128), da die Schülerzahlen dramatisch gesunken sind (in die Grundschule Gröden gehen zurzeit 112 Schüler), aber wenn das Wetter auch 2017 mitspielen sollte - bei den bisherigen 39 Läufen gab es nur fünf Schlechtwettersonntage - dann dürften auch in diesem Jahr wieder viele Läufer am Sonntagvormittag (Start: 10 Uhr am Waldsportplatz) nach Gröden kommen. Seit 1978 waren es nachweislich 14 283 Sportler, also im Durchschnitt 366 pro Gedenklauf.

Neben den persönlichen Urkunden erhält jeder Starter, unabhängig von seiner gewählten Lauf- oder Nordic-Walking-Strecke, eine Erinnerungsmedaille mit Schleifenband, die jeden sicher noch lange an den 40. Jubiläumslauf erinnern wird.

Zuvor haben die Grödener Organisatoren in den kommenden beiden Wochen noch viel zu tun, denn die zeitweise heftigen Regenfälle in diesem Jahr haben speziell den Startabschnitt gefährlich ausgespült. Aber mit den jahrlangen Erfahrungen der vergangenen Läufe und dem sprichwörtlichen Einsatz aller Mitglieder der Laufgruppe des SV Merzdorf/Gröden will Gröden auch 2017 beweisen: In Südbrandenburg lebt der Werner-Seelenbinder-Gedenklauf immer noch. Denn in Gröden findet eine attraktive Laufveranstaltung für Jung und Alt statt.