Nach der neuen Sporthalle in Gröden und während des Kita-Um- und Anbaus in Großthiemig schreitet im Amt Schradenland die nächste Millioneninvestition auf ihre Eröffnung hin. In der Hirschfelder Pfarrgasse könnte trotz einiger Bauverzögerungen noch in diesem Jahr Einzug in das neue, große Gemeindezentrum der örtlichen evangelischen Kirchgemeinde gefeiert werden. „Dort soll ab Dezember unsere Winterkirche sein“, zeigt sich Annett Thieme noch relativ optimistisch. Zwischen November und Ostern ziehen die Gläubigen in die Winterkirche, oft ein großer Gemeinderaum, weil die eigentliche Kirche nicht beheizt wird.

Annett Thieme ist deshalb nur relativ optimistisch, weil nicht jedes Gewerk aufgrund der allgemein sehr guten Auftragslage pünktlich gestartet war und seine Arbeit zügig erledigt hat. „Uns kam es so vor, als wenn einzelne Betriebe zu viele Aufträge angenommen haben und dadurch total überlastet sind. Manche kamen kurz und waren schon wieder weg“, beschreibt die langjährige Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Hirschfeld die nervenaufreibende Bauzeit. Insbesondere weil das Dach nicht in einem Zug fertiggestellt worden war, hätten nachfolgende Gewerke zu tun, den eingetretenen Verzug nicht noch auszudehnen.

Der Neubau des Gemeindezentrums gegenüber dem Pfarrhaus mit der Jahreszahl 1690 war mit rund einer Million Euro an Kosten veranschlagt. 75 Prozent sind Leader-Fördermittel aus dem europäischen Programm für die ländliche Entwicklung. Den Eigenanteil teilen sich der Kirchenkreis Bad Liebenwerda und die an Mitgliedern starke Kirchgemeinde Hirschfeld. Die Endabrechnung könnte wie bei so manch einem anderen Bauprojekt etwas anders aussehen. „Seit Baubeginn haben sich die Preise deutlich erhöht“, stellt Annett Thieme fest.

Ist so ein Millionending nicht eine Nummer zu groß für eine dörfliche Kirchgemeinde? Auch wenn längst nicht alle aktiv seien, so zähle Hirschfeld bei einer Einwohneranzahl von ungefähr 1250 (gegenüber dem Jahr 2018 mit weiter leicht sinkender Tendenz) noch rund 700 Gemeindeglieder. Das ist im Kreismaßstab vergleichsweise ein sehr hoher Wert. „Dieses Projekt hilft uns dabei, damit die Gemeinde noch aktiver wird“, entgegnet Annett Thieme den Zweiflern und denkt zum Beispiel an die Kreise und Chöre. Insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit, auch die offene, würden mehr Möglichkeiten erhalten. Wertvolles leiste hier bereits die Jugendkoordinatorin. Für die Kirchgemeinde spreche auch, dass selbst Weggezogene ihre Kinder hier taufen lassen.

Neuen Schwung erwartet die Kirchgemeinde auch mit der Neubesetzung der seit dem 1. August vakanten Pfarrstelle. „Die oder der Neue darf gern so aktiv und mitreißend sein wie Pfarrer Fabian Voigtländer in Röderland“, wünscht sich die Kirchenratsvorsitzende.

Das neue Gemeindehaus solle möglichst vielen Gruppen aus Hirschfeld geöffnet werden. Im Erdgeschoss ist es behindertengerecht. Es können auch Schulungen des Kirchenkreises stattfinden sowie ein großes Spektrum an Kultur von Buchlesung bis hin zum Konzert. Eine Konkurrenz zu den zwei Gasthäusern im Ort wolle man jedoch keineswegs werden. Bei einem Tag der offenen Tür dürfen sich gern alle Hirschfelder von den Möglichkeiten überzeugen.

Wenn das Gemeindehaus eröffnet wird, sei die Arbeit längst nicht beendet. Das denkmalgeschützte Pfarrhaus, eines der ältesten Gebäude im Ort, müsse im Wert erhalten werden. Der Hof ist zu gestalten. Der große Garten – geeignet auch für die Kinder- und Jugendfreizeit – ist zu pflegen. Nebengelass gibt es ebenfalls. Verantwortlich ist die Kirchgemeinde zudem für Kirche, Friedhof und Trauerhalle. Annett Thieme weiß einen rührigen Kirchenrat hinter sich, auch gute Ansprechpartner im Amt und im Kirchenkreis. Nicht nur sie dürfte die sprichwörtlichen drei Kreuze machen, wenn eines Tages alles geschafft ist – und am Ende auch im Kostenrahmen bleibt.