ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:26 Uhr

Eine Maschine, die Pappeln ernten kann in Schrade vorgestellt

Schraden. Die klirrende Kälte konnte Wissenschaftler von der TU Dresden und andere Experten gestern von einem Besuch in Schraden nicht abschrecken. Denn dort wurde zum ersten Mal eine neue Erntetechnik für holzartige Biomasse vorgeführt. Von Doreen Hotzan

Langsam setzt sich die schwere Erntemaschine am Waldrand zwischen Schraden und Plessa in Bewegung. Neben ihr fährt ein Traktor mit einem großen Anhänger im Schritttempo her. Die großen Räder der einem Mähdrescher ähnelnden Maschine hinterlassen tiefe Spuren im Schnee. Zielsicher steuert der Fahrer auf eine vor ihm stehende Pappel zu. Blitzschnell sägen sich die zwei in entgegengesetzte Richtungen rotierenden Kreissägen an der Vorderseite der Maschine durch den Stamm. Die Pappel wird in ein sogenanntes Hackaggregat eingezogen und in wenigen Sekunden gehäckselt. Die übriggebliebenen Stücken des Baumes, auch Hackschnitzel genannt, werden über ein Rohr in den Anhänger des nebenher fahrenden Traktors geblasen. Stück für Stück bahnt sich die Erntemaschine ihren Weg.

Etwa 30 Gäste, darunter Wissenschaftler von der TU Dresden, beobachteten gestern das Geschehen, das sich auf der dreieinhalb Hektar großen Fläche abspielte. Dort wurden zum ersten Mal im Elbe-Elster-Kreis Pappeln, die 2005 gesteckt worden waren, mit einer neuen Technik geerntet. Zu der Veranstaltung hatte der Verein „Erzeugergemeinschaft Biomasse Schraden“ eingeladen. Zu dieser Gemeinschaft gehört auch die Güterverwaltung Großthiemig, die Bewirtschafter der Fläche ist. „Wir wollten eine neue Erntetechnik für Kurzumtriebsplantagen vorstellen“, erläutert Lutz Böcker, Vorstandsvorsitzender der Erzeugergemeinschaft Biomasse Schraden. Bei diesen Plantagen handele es sich um Flächen, auf denen schnell wachsende Baumarten angepflanzt werden. Diese werden alle drei bis fünf Jahre geerntet, so Lutz Böcker.

Bisher seien Kurzumtriebsplantagen mit einem sogenannten Glashäcksler abgeerntet worden. „Doch diese Maschinen sind sehr teuer. Daher suchen wir nach Alternativen“, sagt der 62-jährige. Die Maschine sei von Gerhard Schmidt (57) erfunden und in dessen Firma Schmidt Maschinenbau GmbH gebaut worden. „Herr Schmidt ist aus Niedersachsen angereist, um diese Maschine zu präsentieren“, berichtet Lutz Böcker.

Das Ziel von Kurzumtriebsplantagen sei es, schnell holzartige Biomasse zu produzieren. „Damit wird dann Wärme oder Strom erzeugt“, so Böcker. Das Holz bleibe auch nach der Fällung in der Region: „Wir bringen das gehäckselte Holz nach Elsterwerda, wo es für das Biomasseheizkraftwerk verwendet wird.“ Denn was in der Region hergestellt werde, solle auch hier bleiben.

Trotz einiger Startschwierigkeiten mit der neuen Technik könne sich Böcker durchaus vorstellen, dass sich die Maschine für die Ernte der Plantage eigne. Gestern wurde nur ein Teil der Fläche geerntet. Der Rest soll noch im ersten Quartal des Jahres folgen.