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Eine ganz besondere Sommermusik in Saxdorf

Saxdorf. Vor 50 Jahren hat Karl-Heinz Zahn die Pfarrstelle in Saxdorf übernommen. Das wurde am vergangenen Samstag mit einem musikalischen Hochgenuss gefeiert. Stephan Creuzburg

Eine solche Ehrung hatte sich Pfarrer Karl-Heinz Zahn bestimmt nicht vorgestellt. Vor fünf Jahrzehnten hat er die Pfarrstelle in Saxdorf übernommen. Was in all diesen Jahren zusammen mit Peter Bethke dort entstanden ist, weiß der Besucher: ein Kleinod an Musik und Gartenkultur. Diesem Jubiläum war in ganz besonderer Weise das Konzert "Forellenquintett" am vergangenen Sonnabend in Saxdorf gewidmet.

Der sehr gern gesehene und gern gehörte Gast war nach langer Zeit wieder Stephan Hilsberg, der in die völlig überfüllte Galerie drei junge Streicherinnen und einen Kontrabassisten mitgebracht hatte. Unter den Besuchern waren auch einstige Konfirmanden aus Halle, die ihrem Vikar mit ersten Sanierungsarbeiten in Saxdorf kräftig geholfen hatten.

Das Lehrreiche und Interessante: Im ersten Teil des Konzertes stellten sich die Musiker mit ihren Instrumenten solo vor. Zuerst Gerhard Kubach am Kontrabass, der zusammen mit Hilsberg technisch ganz hervorragend ein kleines Werk von Johannes Paul Thilmann zu Gehör brachte. Wann hört man einmal einen Kontrabass als eigenständiges Instrument?

Der doch unbekannte belgische Komponist Eugene Ysaye wäre begeistert gewesen, wenn er seine Geigensonate derartig gekonnt interpretiert erlebt hätte. Die junge Angela Lasota de Andrés aus Tirol wusste dieses technisch äußerst schwierige Stück mit einer Brillanz darzubieten, dass einem der Atem stocken konnte. Nur mit einer total zu beherrschenden Flageolett-Technik ist es möglich, auf der Geige zwei, mitunter sogar drei Melodieführungen hörbar zu machen. Und das war von dieser Geigerin so gekonnt musiziert, dass der Beifall kaum ein Ende nahm.

Die Polin Maria Jadziewicz stellte mit einer Suite für Viola und Klavier von Ernest Bloch ihre Bratsche vor. Ihr gelang es ganz hervorragend, den so warmen Charakter dieses Instrumentes, das leider oft im Schatten im Reigen der Streicher steht, regelrecht sympathisch zu machen.

Die Jüngste der Künstlerinnen, die in New York geborene Zusanna Szabelan, spielte einen Satz aus einer Sonate des ungarischen Komponisten Zoltán Kodály mit so viel Herzblut, dass man meinen konnte, dass die US-Amerikanerin und ihr Cello eins sind.

Mit einem jazzigen Stück des kanadischen Oscar Peterson bewiesen alle Streicher, besonders Kubach am Bass, dass sie auch dieses Metier beherrschen.

Nach der Pause der Namensgeber dieses Konzertes, das Forellenquintett von Franz Schubert. Stephan Hilsberg wusste launig und gekonnt über die Entstehung dieses Werkes, insbesondere zur wohl nicht bekannten Bedeutung seines Forellenliedes als politisches Lied zu berichten.

Wichtig ist außerdem, dass Schubert mit dieser Komposition ein Kapitel der Musikliteratur aufgeschlagen und zur Meisterschaft entwickelt hat: die orchestral wirkende Kammermusik. Es war einfach schön, diese Musik mit ihren musikalischen Themen, vor allem natürlich die Forellenvariationen zu hören, aber auch die musikalische Tiefe dieses Werkes zu spüren.

Mit ganz großem Einfühlungsvermögen, technisch selbstverständlich hervorragend spielte Stephan Hilsberg den Klavierpart. Wer nicht wusste, dass Hilsberg studierter Informatiker ist, dann verdienstvoller Politiker und Staatssekretär war, meinte selbstverständlich, dass hier ein an einer Hochschule ausgebildeter Pianist zu hören war.

Die Streicher - Schubert hat um des orchestralen Klanges willen statt einer zweiten Geige den Kontrabass verwendet - spielten mit voller Hingabe und boten ein erstaunlich gutes Zusammenspiel. Das bewies die Qualität dieser Musiker, die mit nur zwei Proben erstmalig miteinander musizierten.

Natürlich hätte es bei diesem Werk eines größeren Saales bedurft, um diesen Schubert noch besser genießen zu können - aber, so hat es Hilsberg am Schluss nach langem Beifall gesagt, das wunderbare und so dankbare Publikum hat es verdient, in Saxdorf so etwas zu erleben. Es war ein musikalisches Erlebnis, das bei den Besuchern und ganz sicher bei Pfarrer Karl-Heinz Zahn noch lange nachhallen wird.