| 19:03 Uhr

Bad Liebenwerda
Eine beeindruckende Aufführung

Mehr als 100 Mitwirkende haben das Paulus-Oratorium in der Bad Liebenwerdaer St. Nikolaikirche gestaltet. Etwa 300 Zuhörer lauschten dem Konzert.
Mehr als 100 Mitwirkende haben das Paulus-Oratorium in der Bad Liebenwerdaer St. Nikolaikirche gestaltet. Etwa 300 Zuhörer lauschten dem Konzert. FOTO: vrs1 / Veit Rösler
Bad Liebenwerda. Chor gefällt mit überzeugender Gestik bei Mendelssohns „Paulus“ in Bad Liebenwerda. Von Anja Schwinghoff und Frank Claus

Seit Wochen haben sich die Akteure auf die Aufführung des „Paulus“-Oratoriums von Felix Mendelssohn-Bartholdy vorbereitet. Am Sonnabend lauschten etwa 300 Zuhörer in der evangelischen St. Nikolaikirche in Bad Liebenwerda dem Werk und sparten am Ende nicht mit Beifall.

Musikalisch ausdrucksvoll wurde das Wort „vom Saulus zum Paulus“ dargeboten. Der Werdegang und schließlich die Bekehrung des Paulus wurde in Mendelssohns Werk dramatisch in Szene gesetzt. Spätestens bei der Steinigungsszene konnte es einem schon kalt den Rücken runterlaufen: mit drohenden Fingerzeigen spielte der Chor das aufgewiegelte Volk. Der aktuelle Bezug zur Feindseligkeit gegen Andersdenkende war nicht zu übersehen. Mendelssohns grandioses Werk erklang so nicht nur als historische Kopie, sondern ging wirklich unter die Haut.

Als Paulus nach seiner Umkehr auf neue Wege geschickt wird, zeigt sich der Chor mit jetzt blendend weißen Stolas: Hell erstrahlend wie „das Licht“ – so wie in Musik und Text von Mendelssohn. Dargeboten wurde das Werk von mehr als 100 Sängerinnen und Sängern aus dem Landkreis sowie der Partnerstadt Lübbecke (Nordrhein/Westfalen) unter Leitung von Dr. Markus Voigt. In den Solopartien überzeugten Ulrike Staude, Jens Winkelmann und Felix Schwandtke mit ihren klangschönen und musikalisch wie dramatisch überzeugenden Darbietungen. Möglich wurde diese Aufführung nicht nur durch die gute Kooperation der beteiligten Kantoreien (Bad Liebenwerda – Einstudierung Dorothea Voigt, Elsterwerda – Einstudierung Ronny Hendel, Vocalensemble – Einstudierung Werner Mlasowsky, Lübbecke – Einstudierung H.H. Grube), sondern vor allem auch durch die Mitwirkung der Elblandphilharmonie Sachsen, der auf diesem Wege noch einmal herzlich für die wunderbare musikalische Darbietung gedankt wird. An der Orgel sorgte Solveig Lichtenstein für noch mehr Klangfülle im Raum. Unterstützung für dieses aufwendige Projekt kam von der Sparkassenstiftung „Zukunft Elbe-Elster-Land“, dem Landkreis, dem Kirchenkreis und der Stadt Bad Liebenwerda.

Mit passender, aber unfreiwilliger Verdunkelung nach der Steinigungsszene erhielt die Aufführung eine ungeplante Dramatik. Durch das Können der Musiker ging der musikalische Fluss unbeeinträchtigt weiter. Das schnelle beherzte Eingreifen der Techniker schaffte eine notdürftige Notenbeleuchtung. So blieb der Vorfall für die Zuhörer fast unbemerkt. Nochmals deutlich wurde dabei die dringende Notwendigkeit der geplanten Innensanierung der Kirche, unter anderem der elektrischen Anlage.

So oder ähnlich wie Zuhörerin Marita Hammermüller aus Bad Liebenwerda äußerten sich nach dem Konzert mehrere Gäste: „Traumhaft, das Konzert! Und vor allem der gewaltige Chor. Wunderschön! Danke an die, die beteiligt waren!“ Kantorin Dorothea Voigt war ebenso fasziniert: „Wir waren begeistert vom guten Klang des Chores.“

Solveig Lichtenstein sorgt mit ihrem Orgelspiel für noch mehr Raumfülle und hat den Ablauf im Altarbereich gut im Blick.
Solveig Lichtenstein sorgt mit ihrem Orgelspiel für noch mehr Raumfülle und hat den Ablauf im Altarbereich gut im Blick. FOTO: vrs1 / Veit Rösler