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| 17:51 Uhr

Wild-West-Feeling in Elbe-Elster
Ein Stück Amerika am „Red Rock“

Die bisher angereisten Trapper, Cowboys, Indianer und Siedler nehmen Aufstellung zum Foto. Bis zum Wochenende soll sich ihre Zahl verdreifachen.
Die bisher angereisten Trapper, Cowboys, Indianer und Siedler nehmen Aufstellung zum Foto. Bis zum Wochenende soll sich ihre Zahl verdreifachen. FOTO: Veit Rösler
Rothstein. Der Wilde Westen wird am Fuße des Rothsteiner Felsens wieder zum Leben erweckt. Von Veit Rösler

Vorgegebene Schießzeiten und Wilder Westen hören sich nach zwei absolut gegensätzlichen Dingen an und doch sind sie hier Realität, denn dieser Wilde Westen liegt mitten im bis ins kleinste Detail reglementierten Deutschland. Immerhin sind rauchende Colts das markanteste Markenzeichen der Eroberung Nordamerikas. Erstmals darf beim diesjährigen 21. Indianer & Westerntreffen am Rothsteiner Felsen nur noch zwischen 10 und 13 Uhr sowie zwischen 15 Uhr und maximal 19 Uhr geschossen und geböllert werden. Außerhalb dieser Zeiträume werden 50 Euro Strafe fällig, pro Schuss!

Die Westernhelden nehmen die Einschränkung gelassen, liegt das Hauptaugenmerk der hier praktizierten Lebensweise doch ohnehin auf einem friedlichen Umgang miteinander. Bis zum vergangenen Sonntagnachmittag sind etwa 50 Hobby-Wild-Westler mit 25 Siedlerzelten, Tipis, Trapperlodges und Military Tents angereist. Bis zum kommenden Wochenende werden hier durch weitere Anreisen aus ganz Deutschland etwa 80 solcher temporären Behausungen erwartet.

Schaulustige sind am Samstag zu einem Tag der offenen Tür in diese, der Optik nach mindestens 170 Jahre alte Kulisse eingeladen. An diesem Tag werden vorbereitete Shows, Lagerfeuerromantik, Revolverkämpfe und Westernmusik angeboten. Häuptling Old Bull zeigt Stammestänze unter anderem zur Klimamanipulation, wie zum Beispiel den derzeit wichtigen Regentanz. Daneben gibt es Westernhändler mit steinernen Pfeilspitzen, Sheriff-Sternen und mindestens über 100 Jahre alten Haushaltsutensilien im Angebot.

Erstmals befindet sich in diesem Jahr ein Basislager des European-Pony-Express mit mehreren Pferden auf dem Gelände des Rothsteiner Westerntreffens. Der Pony-Express befördert in diesem Jahr nach historischem amerikanischen Vorbild vom 19. bis 23. August Postsendungen aus Polen, der Slowakei, aus Tschechien und Deutschland auf deutschem Territorium von Sebnitz an der tschechischen Grenze bis nach Rütenbrock an der niederländischen Grenze. Die Gesamtlänge des historischen Europäischen Post-Express beträgt rund 2100 Kilometer, wovon etwa 1000 Kilometer auf deutschem Gebiet geritten werden. Jede Reiterstaffel übernimmt für zwei Stunden eine Strecke von 22 Kilometern. Das Rothsteiner Basislager mit Reitern aus Thüringen und Hessen hat dabei in der Nacht zum Montag insgesamt fünf Etappen zwischen Ponikau und Fischwasser übernommen. Allerdings war der Tross aus Tschechien mit drei Stunden Verspätung unterwegs. Die einzelnen Reiter werden vereidigt. Sie verpflichten sich, so Reiter Gerd Werner aus Ringgau/Netra, die anvertraute Post bei Tag oder bei Nacht, bei Regen oder brütender Hitze dem an der nächsten Relaisstation wartenden Reiter zu übergeben. Wird kein Anschlussreiter angetroffen, muss die Post per Pferd oder zu Fuß solange in Richtung nächster Relaisstation weiter befördert werden, bis eine Ablösung angetroffen wird.

Ebenfalls erstmals nimmt in diesem Jahr die „Old Melle Trading Company“ mit mehreren Siedlern und Zelten am Westerntreffen in Rothstein teil. Dabei handelt es sich um eine sehr nahe am Pioniergeist des 18. und 19. Jahrhunderts und damit am Original der alten Trapper, Siedler, Indianer, Cowboys und Städter operierende Gruppe aus Melle im Landkreis Osnabrück. Die „Old Melle Trading Company“ aus „Old Melle“ in Deutschland unterhält eine aktive Verbindung nach „New Melle“ im St. Charles County, Missouri USA. Da noch viele Einwohner beider Orte verwandtschaftliche Beziehungen miteinander unterhalten, finden regelmäßig Old-Melle-Trading-Days in der Nähe von St. Louis statt.

Beim 21. Indianer & Westerntreffen am Rothsteiner Felsen in Deutschland bietet der Bürgermeister der Company Joshua-Elias Maxwell, mit deutschem Namen Dirk Bohr, zusammen mit seinem Team in einem Weißzelt und im Tipilager amerikanischen Wilden Westen hautnah zum Anfassen.