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Ein "Schloss mit Augenzwinkern"

Sie lüften das Geheimnis, das Kunstprojekt zur Geschichte des Elsterschlosses Elsterwerda: Patrick Weser (SVV-Vorsitzender), Schulleiter Martin Goebel, Bildhauer Eike Rothe und Dr. Dirk Freigang, Vorsitzender des Fördervereins (von links).
Sie lüften das Geheimnis, das Kunstprojekt zur Geschichte des Elsterschlosses Elsterwerda: Patrick Weser (SVV-Vorsitzender), Schulleiter Martin Goebel, Bildhauer Eike Rothe und Dr. Dirk Freigang, Vorsitzender des Fördervereins (von links). FOTO: Frank Claus
Elsterwerda. Endlich! Nach jahrelangen Debatten um die Form von nötigen Erläuterungen zum Gebäudekomplex Elsterschloss in Elsterwerda ist es jetzt geschafft: Ortsunkundige erfahren seit Sonnabend mehr über Geschichte und Gegenwart des baulichen Aushängeschildes der Stadt Elsterwerda. Frank Claus

Das Elsterschloss in Elsterwerda gehört Architekten zufolge zu den schönsten Gymnasien in ganz Deutschland. Für Elsterwerda ist es der bauliche "Diamant", wie Schulleiter Martin Goebel versichert. Und es hat dazu eine bewegte Geschichte. Doch wer bis Freitag vor dem Gebäudekomplex stand, konnte sich zwar der Schönheit erfreuen - was früher und heute hinter den dicken Schlossmauern passierte und passiert, blieb aber im Verborgenen.

Nun ist endlich die Form gefunden, Informationen über das Schloss wirkungsvoll in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Einfache Hinweisschilder am Gebäude oder im Schlossareal fanden nicht die Zustimmung der Denkmalpflege. Auf Initiative des Fördervereins und besonders seines ehemaligen Vorsitzenden Michael Menzel und seiner Ehefrau Dagmar ist ein Kunstobjekt entstanden, das der einheimische Bildhauer Eike Rothe schuf.

Entstanden ist ein Bronzemodell, das in der Kunstgießerei in Lauchhammer gefertigt und auf einen Betonquader in einer Ausdehnung von 80 x 80 Zentimeter montiert wurde. Bevor das Kunstwerk den Augen preis gegeben wurde, warnte der Künstler vor: "Es ist eine Schlossdarstellung mit Augenzwinkern." Kaum war das Geheimnis gelüftet, war schnell klar, was er meinte. Entstanden ist nicht etwa ein 1:1-Nachbau des Originals, sondern ein Haus in geschwungenen Formen. Verblüffung. Spontaner Beifall blieb jedenfalls erst einmal aus. Mit diesem Modell, das in der direkten Sichtachse zum Schloss gelegen etwas zu klein erscheint, muss man sich tiefer beschäftigen. Die gewählte Größe ist später mit technologischen Schwierigkeiten, die eine üppigere Darstellung beim Guß erzeugt hätte und den ohnehin schon nicht unerheblichen Kosten begründet worden. 45 Prozent des Geldes hat der Förderverein zusammengetragen, die übrige Summe hätten großzügige Sponsoren beigebracht, so der Vorsitzende des Fördervereins, Dr. Dirk Freigang, dankbar.

Was für ihn besonders wichtig sei, ist die flankierende Darstellung der Schlossgeschichte auf seitlich angeordneten Bronzeplatten. Schatzmeisterin Jana Kurz: "Dabei werden zum einen Personen hervorgehoben, die stellvertretend in Verbindung stehen mit der älteren und jüngeren Geschichte des Schlosses - von frühen Rittergeschlechtern, über die königlich-sächsischen Herrscher sowie deren Architekten und Gartengestalter bis hin zu Persönlichkeiten, die in einer Beziehung mit der Schulgeschichte des Gebäudekomplexes stehen. Des Weiteren wird der Wandel der Zeit durch die sich ändernden Nutzungsarten von der Burg zum Jagd- und Lustschloss bis hin zum Lehrerseminar und heutigem Gymnasium verdeutlicht."

Zum Thema:
Die Burg Elsterwerda wird erstmals 1288 erwähnt, angenommen wird, dass sie bereits im 11. Jahrhundert errichtet wurde. Das Schloss wechselte mehrfach seinen Besitzer, für 10 500 Taler ging es auch an König August den Starken, der es 1727 seiner Schwiegertochter Maria Josepha von Österreich schenkte.