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| 02:37 Uhr

Ein Novum im Orgelbau

Bad Liebenwerda. In einem in Deutschland eher selten ausgeübten Handwerk ist es ein Novum: Am Sonnabend erhalten in Bad Liebenwerda gleich vier Orgelbauer ihre Meisterabschlüsse überreicht. Drei der vier Männer haben ihre Ausbildung im Mitteldeutschen Orgelbau A. Voigt Bad Liebenwerda genossen oder sind dort beschäftigt. Frank Claus

Die Region Südbrandenburg/Nordsachsen hat sich im Orgelbau über Jahrhunderte als ein bemerkenswertes Zentrum in Deutschland etabliert. Der das sagt, muss es wissen: Dietmar Schmidt ist der Vorsitzende des Meisterprüfungsausschusses Orgelbauer der Handwerkskammer Cottbus und kennt die Branche aus dem Effeff. Was er am Sonnabend erleben darf, so ist er sich sicher, dürfte für Aufsehen sorgen. "Meisterabschlüsse in diesem Handwerk in unserer Region sind schon über Jahrzehnte eine absolute Rarität. Vier Meisterabschlüsse in einem Jahr, das wird in diesem Handwerk sicher Geschichte schreiben."

Die Männer, die dafür sorgen, sind Stefan Pilz aus Leipzig, Lucas Ehlert aus Markersbach und Axel Thomaß aus Finsterwalde, die allesamt im Mitteldeutschen Orgelbau A. Voigt in Bad Liebenwerda ihre Ausbildung genossen haben beziehungsweise im Betrieb angestellt sind. Vierter im Bunde ist Josef Poldrack (Chemnitz), der als Selbstständiger eine Firma führt. Sie alle haben erfolgreich die Prüfungen bestanden und werden am Sonnabend in der Orgelakademie in Bad Liebenwerda ihre Meisterbriefe im Orgelbauerhandwerk aus den Händen von Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus, erhalten.

Orgelbau - es ist ein eher seltenes Handwerk in Deutschland. Knapp 300 Werkstätten vom Ein-Mann-Betrieb bis zu 50 Beschäftigten gibt es in ganz Deutschland. "In der Branche arbeiten gegenwärtig etwa 1500 Beschäftigte", sagt Thomas Jann, der Vorsitzende des Bundes deutscher Orgelbaumeister. Er betreibt in Bayern ebenfalls eine Orgelbaufirma. Dass im Brandenburgischen gleich vier Orgelbauer ihre Meisterbriefe erhalten werden, erstaunt auch ihn. Denn dem Orgelbauhandwerk geht es nicht anders als anderen Handwerkszweigen: Guter Nachwuchs ist rar. Die Auftragslage in seinem Gewerk schwanke - "je nachdem, wie viel Geld die Kirchen ausgeben wollen", sagt Thomas Jann. Seinen Worten zufolge gibt es etwa 100 000 Kirchen in Deutschland, fast 90 Prozent davon besäßen eine Orgel. Hinzu kämen Instrumente in Konzertsälen, Gemeindezentren und in Privathaushalten.

Zunehmend mehr müssten sich deutsche Orgelbauer auch international engagieren. Vor allem in Nordeuropa und Asien liegen Jann zufolge die Wachstumsmärkte. "Jeder Orgelbauer ist gut beraten, sein Englisch permanent aufzufrischen", sagt er.

In Brandenburg gibt es nach Aussagen von Dieter Voigt, Senior-Orgelbaumeister in Bad Liebenwerda, drei bis vier größere Orgelbaufirmen und zahlreiche kleinere Betriebe. Dass nun gleich drei Orgelbauer aus dem Mitteldeutschen Orgelbau A. Voigt ihren Meisterabschluss gepackt haben, spreche für die gute Ausbildung und Förderung in der Firma. Denn einfach sei es nicht, den Abschluss zu erlangen. Zwar gebe es Vorbereitungskurse an der einzigen Berufsfachschule in Ludwigsburg, aber "hinter unseren Meistern liegt ein ganz hartes Selbststudium", berichtet Dieter Voigt.

Zum Thema:
Eule-Orgel - St. Afra-Kirche Meißen (Stefan Pilz) Jehmlich-Orgel - Christuskirche Deuben (Lucas Ehlert) Jehmlich-Voigt-Orgel - St. Bartholomäuskirche Röhrsdorf (Axel Thomaß) Ibach-Orgel - Kirche Döblitz (Josef Poldrack). An den Meisterprüfungsstücken müssen die Orgelbauer ihre Fähigkeiten von der Konstruktion bis zur handwerklichen Ausführung nachweisen.