Es ist immer ein riskantes Unterfangen, Stücke, die auf großen Theaterbühnen oder in Stadthallen zur Aufführung gelangen, in kleinere Säle zu transportieren. Da fehlt einerseits die nicht nachzugestaltende Kulisse ehrwürdiger Häuser, und andererseits sind es ganz praktische Gegebenheiten, die Kulturhäuser auf dem Lande nun mal nicht haben. Ausladende Bühnen, Orchestergräben, den Fundus an Requisiten - auch Falkenberg kann das alles nicht bieten.
Dennoch, die Künstleragentur Platner aus Görlitz und das Falkenberger Haus des Gastes haben das Risiko gewagt - und sind belohnt worden. Dankbar hat die Mehrheit der Zuschauer am Ende den Künstlern applaudiert und so den Organisatoren Recht gegeben: Auch ländliche Regionen haben ansprechende Kultur verdient. Die Strauß-Gala sollte Mut machen, ähnliche Projekte wieder zu probieren. Wollen wir wetten, dass auch ein gutes Theaterstück oder vielleicht zum Test erst einmal eine herzerfrischende Komödie gut ankäme?Nachdem Heiner Platner als Veranstalter der Tournee höchstpersönlich die Gäste begrüßt hatte, stellte er die Akteure vor. Wie sich später zeigte, war die Verpflichtung des Kammerorchesters des Sinfonieorchesters Prag mit Wenzel Paschel an der Geige und zugleich als 1. Konzertmeister ein guter Griff. Auch das Johann-Strauß-Ballett mit Tänzerinnen und Tänzern aus Prag und Wien setzte im Laufe des Abends mehrfach Farbpunkte.
Als komplizierter erwies sich da wohl die Verpflichtung der Solisten - Vittorio Savary, Tenor vom Nationaltheater Brno, Kathrin Lopez, Sopranistin an der Staatsoper Prag, und Ginger McFerrin, Sopranistin an der Staatsoper Bukarest. Nicht immer gelang ihnen die klare deutsche Aussprache, sodass manche Darbietung etwas schwer verständlich war. Dennoch, mit ihrer Ausdrucksstärke machten zumindest die beiden Tschechen vieles wett, die Rumänin schien ab und an etwas überfordert. Aber weil viele Strophen, so auch das Zigeunerlied der Saffi aus dem „Zigeunerbaron“ , längst eingängige Melodien sind, hatte das Publikum keine größeren Probleme damit, sondern erfreute sich an den darstellerischen Leistungen auf der Bühne.
Nicht selten wurde im Publikum auch mitgesungen, so zum Beispiel das „Trinke Liebchen, trinke schnell, trinken macht die Augen hell. Sind die schönen Äuglein klar, siehst du alles licht und wahr“ von Alfred aus der „Fledermaus“ oder dann beim Duett mit der Rosalinde aus der gleichen Operette, wo es doch so schön heißt: „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.“
Der Höhepunkt im ersten Abschnitt des beschwinglichen Abends waren dann Szenen aus der Komischen Operette „Eine Nacht in Venedig“ . Ein Werk, das man schon aus der Ankündigung einzelner Strophen - „Frutti di mare“ , „Komm in die Gondel“ oder aber „Karneval in Venedig“ kennt. Trefflich eingesetzt war hier das Ballett, um das Treiben mit geheimnisvollen Masken vor dem Gesicht und bei Festgelagen zu bebildern. Kleiner Nachteil: Die Bühne bot wenig Platz für ausschweifende Walzerrunden. Hans-Jürgen Lehmann, Chef im Haus des Gastes, hatte den Ensemblemitgliedern übrigens angeboten, das Orchester vor der Bühne zu platzieren, was diese aber mit dem Hinweis auf das Gesamtbild ablehnten.
So unverkennbar der erste Teil begonnen hatte, stiegen die Akteure auch in den zweiten ein. Der Kaiser-Walzer war ein Hörgenuss und Augenschmaus zugleich. Wer erinnerte sich da nicht an die unzähligen Verfilmungen aus der Wiener Zeit von Franz Joseph und Sissi? Nicht nur hier hätte der Zuhörer vielleicht auch gern die eine oder andere Episode aus dem Schaffen von Johann Strauß gehört. Auch kleinere Einleitungen zu den einzelnen Darbietungen hätten die Gala wohl abgerundet. Heiner Platner hatte auf einen Moderator bewusst verzichtet, wie er meint, weil „die Art der Moderation bisher von der Presse immer am meisten kritisiert wurde.“ Er selbst habe diese Erfahrungen schon mit unterschiedlichen Moderatoren sammeln müssen - einer erzählte zu viel, der andere zu lax.
Walzerkönig Johann Strauß hatte einmal über die Operette gemeint: „Wenn eine Operette populär werden soll, muss jeder etwas nach seinem Geschmack darin finden. Für Leute, die kein Klavier haben, muss man es fein anstellen, dass ihnen von der Vorstellung etwas im Gedächtnis bleibt.“ In Falkenberg ist das wiederum trefflich gelungen, auch die Couplets von Orlofsky und Adele aus der „Fledermaus“ trugen das Ihrige dazu bei.
Temperamentvoller Höhepunkt des Abends waren natürlich Ausschnitte aus den berühmt gewordenen Fledermaus-Szenen „Brüderlein und Schwesterlein“ , die „Tritsch-Tratsch-Polka“ und „Im Feuerstrom der Reben“ . Kein Wunder, dass am Ende viele Besucher sichtlich erfreut meinten: „So etwas müsste es öfter hier geben.“ Wie es sich für eine ordentliche Strauß-Gala gehört, machte der „Radetzky-Marsch“ am Ende nicht nur Lust auf mehr, sondern sorgte auch für einen stimmungsvollen Ausklang.