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| 13:17 Uhr

Erstmals mit Sopranistin
Ein Feuerwerk bester Unterhaltung

 Bettina Meiners (links), Sopranistin aus Bamberg und Studentin bei Kammersängerin Professor Elisabeth Wilke, war sofort der Liebling des Abends.
Bettina Meiners (links), Sopranistin aus Bamberg und Studentin bei Kammersängerin Professor Elisabeth Wilke, war sofort der Liebling des Abends. FOTO: Gerd Neuendorf
Saathain. Die Capella Musica aus Dresden begeistert wiederum bei ihrem Neujahrskonzert in Saathain. Von Stephan Creuzburg

Am Sonntag gab es keine Plätze mehr im Festsaal des Gutes Saathain. So groß war das Interesse an einer auf hohem Niveau stehenden Unterhaltung durch die Capella Musica aus Dresden. Das Ensemble eröffnet nun schon seit vielen Jahren traditionell den Reigen der Veranstaltungen dieser Kultureinrichtung. Und wenn sogar ein Bus Gäste aus Dresden nach Saathain bringt, so spricht das doch sehr für den fabelhaften Ruf dieser Künstler.

In diesem Jahr hatte das Programm eine Erweiterung erfahren, war doch erstmals eine Sängerin dabei. Und das war wirklich eine Entdeckung! Bettina Meiners, Sopran, aus Bamberg und Studentin bei Kammersängerin Professor Elisabeth Wilke am Mozarteum in Salzburg, wurde sofort der Liebling dieses Abends. Die beglückende Einheit von großer Begabung und Können durch besten Unterricht bei dieser renommierten Lehrerin, die als Altistin an der Semperoper auch in Elsterwerda gesungen hat, wurde sofort deutlich. Mit ihrem, um es einmal so auszudrücken, warmen Sopran mit schöner Tiefe und in den von ihr mühelos erreichten nie schrillen Höhen überzeugte sie augenblicklich. Eine stets zurückhaltende Körperhaltung und eine nie übertriebene aber passende Mimik ließ sie zu einer sehr überzeugenden Interpretin von Mozart: „Männer suchen stets zu naschen“, Lortzing: „Wir armen, armen Mädchen“, Weber: „Kommt ein schlanker Bursch gegangen“ und Zeller: „Ich bin die Christel von der Post“ werden. Alles Leistungen, die für eine schöne künstlerische Zukunft von Sängerin Bettina Meiners sprechen.

Als Solist war, schon in Saathain bekannt und um so herzlicher begrüßt, wieder Mathias Schmutzler angereist, der eine fast artistische Leistung besonders mit seiner kleinen Trompete hervorbrachte. Seine Interpretation im Concerto für Trompete und Streicher von Godfrey Finger, einem Zeitgenossen von Georg Friedrich Händel, machte dies und auch in anderen Werken des Abends sehr deutlich. Und nicht zu vergessen: Er hat Sinn für Humor, der bei seinem „Danse neopilitane“ von Tschaikowski und im „Vogelhändler“ zusammen mit Bettina Meiners so fröhlich zum Ausdruck kam. Es würde hier den Rahmen sprengen, auf alle gespielten Werke einzugehen.

 Im Festsaal des Gutes Saathain gab es keine freien Plätze mehr.
Im Festsaal des Gutes Saathain gab es keine freien Plätze mehr. FOTO: Gerd Neuendorf

Der eingangs erklungene erste Satz der „Eine kleine Nachtmusik“ von Mozart – diese herrliche Musik von diesen Streichern Susanne Branny, Jörg Kettman, Violinen, Cornelia Schumann, Viola, Andreas Priebst, Violoncello und Helmut Branny, Kontrabass war, durch diese Interpretation wie immer, Genuss schlechthin. Damit setzen die Capellsolisten – der „Capella“ gehören sie ja an – seit Jahren Maßstäbe, die ungefährdet sind! Professor Helmut Branny hat es vermocht, diesen Künstlern durch ein barockes Spiel auf modernen Instrumenten ein Markenzeichen zu setzen, das weithin hoch anerkannt ist.

Aber, und das war so erfreulich in Saathain zu erleben, einen fast unerwarteten besonderen Beifall gab es nach dem Walzer „Die Romantiker“ von Joseph Lanner. Das schon geschulte Publikum belohnte ein ganz großartiges Spiel, wobei Susanne Branny auf wieder ganz besonders auffiel. Wie sie diese fast perlenden Töne, die man eigentlich vom Klavier kennt, aus ihrer Geige quasi hervorzauberte, bleibt wohl ihr Geheimnis.

Andreas Priebst, wieder mit hervorragenden Soli auf seinem Cello, wusste als Moderator abermals Wissenswertes zu berichten und es war ihm zu verdanken, dass „unser“ Jörg Kettmann zu ganz herzlichem Applaus kam. Er ist es, der zum einen Werke für das Repertoire der Künstler „ausgräbt“ und vor allem, dass er in großartiger Weise Bearbeitungen für Werke, die die Capella zu Gehör bringen möchte, für dieses Ensemble arrangiert. Und das hat sich an diesem Abend sehr gelohnt!

Wien war wieder in Saathain: der Radetzky-Marsch, ebenso wie dort auch hier von einem geschulten Publikum begeistert mitgeklatscht, beschloss zwei wunderbare Stunden. Und wenn zur gleichen Stunde im benachbarten Bad Liebenwerda eine ebenfalls sehr niveauvolles Konzertprogramm geboten wurde, so wird der nun 25 Jahre Elbe-Elster-Kreis seinem Motto „Da spielt die Musik“ mehr als gerecht.

Möge sich die Vielfalt des Programms und die hör – und sichtbare Freude der Künstler, die sich auf das Publikum wie zwangsläufig übertragen konnte, symbolisch auf dieses Jahr 2019 übertragen. Das wünschen wir uns alle.