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Ein Denkmal für den Denkmalpfleger

Gisela Rudat, Tochter des Denkmalpflegers Hans Nadler, liest auf Einladung des Elsterwerdaer Heimatvereins aus dem Buch.
Gisela Rudat, Tochter des Denkmalpflegers Hans Nadler, liest auf Einladung des Elsterwerdaer Heimatvereins aus dem Buch. FOTO: abr
Elsterwerda. Der Name "Nadler" hat über Elsterwerda hinaus einen Klang: Es gab einen berühmten Lehrer, einen berühmten Maler und einen berühmten Denkmalpfleger. Letzterem widmet sich ein neues Buch. Anja Brautschek

"Hans Nadler 1910-2005: Ein Leben in fünf Staatsordnungen". Es ist eine Publikation der besonderen Art. Es ist weder ein Biografie noch ein Lexikon. Und dennoch stellt es das Leben Hans Nadlers umfassend dar.

Im Hauptteil erzählt die in Dresden lebende Tochter Gisela Rudat aus dem Leben ihres Vaters. Dabei werden nicht nur seine fachlichen Verdienste deutlich. Der Leser bekommt durch diese persönliche Sicht auch einzigartige Einblicke in den Charakter des Denkmalpflegers.

Hans Nadler war der Sohn des gleichnamigen Schradenmalers und wurde 1910 in Dresden geboren. Er gilt als einer der bedeutendsten Denkmalpfleger im deutschsprachigen Raum nach dem Zweiten Weltkrieg. Er verhinderte unter anderem, dass Originalsteine der Dresdner Frauenkirche zerstört wurden, wodurch ein archäologisch treuer Wiederaufbau möglich wurde. Die Einweihung konnte er jedoch nicht mehr miterleben. Hans Nadler starb wenige Tage vor der feierlichen Wiederweihe der Frauenkirche im Alter von 96 Jahren.

"Hans Nadler besaß eine Persönlichkeit, die man niemals vergisst", sagt Stephan Creuzburg. Er kommt im zweiten Teil des Buches zu Wort und beschreibt dort seine Bekanntschaft mit Hans Nadler. Neben seinen Ausführungen wird in dem Buch in 25 weiteren Einzelbeiträgen das Wesen Hans Nadlers beschrieben. Dabei kommen Leute aus allen gesellschaftlichen Schichten zu Wort - vom ehrenamtlichen Denkmalpfleger, Handwerker, Professor bis zum bedeutenden Architekten. Sie alle beschreiben ihre Berührungspunkte mit Hans Nadler und zeigen so die vielschichtige Persönlichkeit des Denkmalpflegers auf.

In der DDR übernahm er Verantwortung für die Bewahrung der Kulturlandschaft. Er ermutigte und begeisterte die Menschen, sich für ihre Heimat einzusetzen und Denkmale in Sachsen und ganz Deutschland zu erhalten.

"Die Denkmalpflege ist nur ein Segment von Hans Nadler. Und über seine fachlichen Leistungen gibt es schon viele Bücher. Aber ich wollte das Lebendige Nadlers näher bringen. Denn es ist das Menschliche, das ihn auszeichnet", erklärt Manfred Hammer die Beweggründe für dieses Buch. Er hat es für den Verein Ländliche Bauwerte in Sachsen herausgegeben. Fünf Jahre brauchte es bis zur Publikation. Hammer hat bewusst mehrere Einzelbeiträge gewählt. "Eine Biografie wäre seiner Persönlichkeit nicht gerecht geworden. Denn es zeigt immer nur eine Facette."

Neben den Ausführungen seiner Tochter und seinen Mitstreitern enthält das Buch einen dokumentarisch wichtigen Anhang. Es ist eine Übersicht aus dem umfangreichen Dia-Archiv Hans Nadlers. Er hat mehr als 30 000 Aufnahmen hinterlassen. Im Zuge der Publikation wurden diese sortiert und kategorisiert. Auch eine Liste seiner Ehrungen und Ehrenbürgerschaften ist enthalten.

Herausgeber ist der Verein Ländliche Bauwerte in Sachsen, 29 Euro, erhältlich in der Hans-Nadler-Galerie in Elsterwerda