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Echo-Preisträger in Mühlberg gefeiert

Die "Capella de la Torre" in der Klosterkirche Mühlberg – ungewohnte Musik faszinierend zelebriert.
Die "Capella de la Torre" in der Klosterkirche Mühlberg – ungewohnte Musik faszinierend zelebriert. FOTO: Frank Claus
Mühlberg. Es war der nächste kulturelle Paukenschlag im Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation in Elbe-Elster: das Konzert der "Capella de la Torre" in der Mühlberger Klosterkirche. Frank Claus

Wann hat es in dieser Kirche zum letzten Mal so langanhaltenden Beifall gegeben? Diese Frage raunt der sichtlich ergriffene Pater Alois Andelfinger dem RUNDSCHAU-Redakteur ins Ohr und meint fasziniert: "Einmalig". Dabei ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal "Halbzeit". Längst haben die Musiker die knapp 200 Zuhörer im gut gefüllten Schiff der Backsteinkirche in den Bann gezogen. Musik der Renaissance und damit aus der Zeit des Übergangs vom Mittelalter in die Neuzeit im 15. und 16. Jahrhundert klingt für heutige Ohren ungewöhnlich - und dennoch nicht fremd.

Katharina Bäuml, die musikalische Leiterin der "Capella", führt charmant in die Musik ein und erklärt die Holzblasinstrumente. "Der Dulzian ist die Uroma des heutigen Fagotts, der Pommer die Uroma des Englischhorns und die Schalmei die Uroma der heutigen Oboe." Gespielt wird Ersterer von Annette Hils, den Pommer lässt Birgit Bahr erklingen und der Schalmei entlockt die Chefin selbst wunderbare Töne. Herausragend und mit Zwischenapplaus belohnt wird Falko Munkwitz an der Posaune, die im Vergleich zu den heute gängigen Instrumenten einen kleineren Schalltrichter besitzt. Peter A. Bauer wird an den Percussions mitunter sogar rockig in seinen Solis. Bassbariton Ralf Grobe komplettiert beeindruckend ein Konzert, das unter dem Titel "Kaiser Karl V. und die Reformation" Musik aus einzelnen, kurzen Zeitepochen widerspiegelt. Karl V., 1500 geboren, und Verfechter des katholischen Glaubens, ist in dieser Zeit einer der großen Widersacher Martin Luthers. Doch eins, so Katharina Bäuml, habe beide vereint: ihre Liebe zur Musik. Karls Hofkapelle, so ist überliefert, genoss große Berühmtheit. Niemals sei Karl V. ohne seine Musiker gereist.

In der Auswahl der Musikstücke orientiert sich die "Capella de la Torre" - seit 2016 Echo-Preisträgerin in der Kategorie "Ensemble des Jahres" für die CD "Water Music" - an besonderen geschichtlichen Daten: 1517 - Karl wird spanischer König, 1521 - das erste Zusammentreffen mit Luther beim Reichstag in Worms, 1525/26 - die Bauernkriege. Es folgt unter launiger Einführung Karls Hochzeit mit Isabella im Jahr 1526 - "hätten sich beide besser abgestimmt, hätten sie sogar Doppelhochzeit feiern können", so Katharina Bäuml unter Bezugnahme auf die Luther-Hochzeit im darauffolgenden Jahr. Und natürlich die legendäre Schlacht bei Mühlberg 1547. Zum ersten Mal sei die "Capella" mit ihrem Konzert damit nahe jenem Ort, an dem einst Weltgeschichte geschrieben wurde. "Ihr Museum ist herausragend", macht die Musikerin die Mühlberger stolz.

Dass man auch anders Geschichte begreifen kann, macht die Musik der "Capella de la Torre": Immer wieder erfahren die Zuhörer in knappen Sätzen Neues über ihren zeitgenössischen Einklang. So auch zum Schlussstück "Non moriar" (Ich werde nicht sterben, sondern leben), das Luthers Freund Ludwig Senfl als Trost für den Reformator geschrieben habe, weil der aus Sicherheitsgründen nicht am Reichstag in Augsburg teilnehmen durfte.

Doch woher stammen die musikalischen Quellen der "Capella de la Torre"? Auch da klärt Katharina Bäuml auf: Ein großartiges Stück Musikgeschichte sei in der "Cancionero de Palacio" des spanischen Königshofes zu finden. Der Kodex werde heute noch in der Bibliothek des Königspalastes in Madrid aufbewahrt und verfüge insgesamt über 458 Musikstücke, "die wir natürlich lernen müssen zu lesen und zu interpretieren."

Das gelingt der "Capella" so vorzüglich, dass der Applaus zwischen den Konzertblöcken immer langanhaltender wird und sich das Publikum am Ende mehrere Zugaben erklatscht.