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Im Brennpunkt
Durch Döllingen geht ein Ruck zur Kirchenrettung

Krisensitzung in der Döllinger Dorfkirche: Pfarrer Otto-Fabian Voigtländer sammelt die Meinungskärtchen ein.
Krisensitzung in der Döllinger Dorfkirche: Pfarrer Otto-Fabian Voigtländer sammelt die Meinungskärtchen ein. FOTO: Veit Rösler
Döllinghen. Krisensitzung endet mit hoffnungsvollen Ergebnissen. Von Veit Rösler

Krisensitzung in der Döllinger Dorfkirche. Insgesamt 32 Interesierte sind gekommen, das mache Hoffnung, so Pfarrer Otto- Fabian Voigtländer (34). Er kennt die Misere: bescheiden besuchte Gottesdienste und auch an den religiösen Feiertagen kaum noch Besucher. Daneben haben nur noch zwei Döllinger ihre Bereitschaft zur Mitgliedschaft im Gemeindekirchenrat signalisiert. Insgesamt müssten es aber vier sein. Seit 2008 finden daher in der Döllinger Kirche keine Gottesdienste mehr statt.

Die Kirche wird derzeit vom Gemeindekirchenrat von Plessa aus mit betreut und teilweise auch mit finanziert. „Eine Kirche kostet aber Geld. Der Abriss des alten Pfarrhauses sei im Jahr 2013 von der Kirchgemeinde Plessa mit finanziert worden. Nicht ein Döllinger Einwohner habe sich überhaupt für den Abriss interessiert“, lässt Frank Werner vom Gemeindekirchenrat in Plessa die jüngste Entwicklung Revue passieren. Im September 2017 sei daher ein Antrag an den Kreiskirchenrat gegangen, um das weitere Schicksal des Döllinger Gotteshauses zu prüfen. Es wurde  auch von Entwidmung und Verkauf gesprochen. „Aber es geht nicht darum, die Kirche zu verkaufen, wir sind kein Immobilienunternehmen. Uns geht es darum, die Kirche zu nutzen, mehr als einen Tag im Jahr“, so Frank Werner.

Versammlungsleiter Pfarrer Otto- Fabian Voigtländer stellte danach die drei Varianten in den Raum. Variante A: Die Döllinger nehmen wieder das Schicksal ihrer Kirche selber in die Hand. Mindestens zwei in Zusammenarbeit mit Plessa, besser vier Ratsmitglieder beteiligen sich an einem Gemeindekirchenrat. Variante B: Die Kirche wird wie auch immer öffentlich genutzt. Auch die Nutzung als Atelier wäre denkbar. Variante C: Wenn keine Ideen kommen, wären die letzten Schritte die Entwidmung und der Verkauf.

Danach verteilte Voigtländer Kärtchen und Stifte unter den Anwesenden, mit der Bitte, ihre Gedanken, Ideen und Vorschläge aufzuschreiben. Dabei entfalteten sich erstaunliche Meinungen und Willensbekundungen. Keine der abgegebenen Stimmen sah die Entwidmung oder den Verkauf vor. Die Kirche sei Mittelpunkt und Herzstück des Ortes. Selbst im kleinen Döllingen diene sie der Orientierung. Die Kirche gehöre zu einem Dorf, sie solle jederzeit Zugang für Interessierte bieten. Die Gastwirtschaft und der Einkaufsladen seien bereits verschwunden, ohne das heute noch daran erinnert würde. Ohne Kirche sei Döllingen ein gottverlassener Ort. Sei sie erst einmal entwidmet, gebe es kein Zurück mehr. Die Kirche könne an Feiertagen, wie beim Döllinger Blütenfest, dem Apfeltag und sogar beim Schützenfest genutzt werden.

Einwohner Klaus Rößler erklärte sich sofort bereit, die Kirche an solchen Tagen zu öffnen. Andrea Haupt sagte ebenfalls ihre Beteiligung zu. Die Kirche gebe Halt im Leben und sie biete den Menschen einen Ort für ihre Gemeinschaft. Das gebe dem Leben einen Sinn, meinte sie. Konkrete Angebote kamen von Elsterwerdas Bürgermeisterin Anja Heinrich. Sie wolle sich an der Organisation von Konzerten beteiligen. Sie sei sogar schon mit einer Jugendband im Gespräch. Vorträge, Lichterandachten, Ausstellungen, Fahrradkirche und Fahrradandachten waren weitere Stichpunkte.

Gerd Günther von der Unteren Denkmalschutzbehörde mahnte gemeinsame Aktionen an. Es müsse eine Checkliste, wie bei einer Vereinsgründung erarbeitet und abgearbeitet werden. Es müsse bewusst und nachhaltig Leben in die Kirche gebracht werden. Christoph Enders vom Gemeindekirchenkreis zeigte sich von der Versammlung in der Kirche begeistert. Es zeige, dass etwas stattfinde und die Menschen sich über ihre Kirche Gedanken machen. Bauamts- und Verwaltungsexperte Frank Raum, Mitarbeiter bei der Stadtverwaltung Lauchhammer, versprach seine Mitwirkung beim Ausloten von Fördermöglichkeiten und den Antragstellungen.

Am kommenden Samstag (24. März) soll ab 9 Uhr ein kommunaler Arbeitseinsatz im Bereich der Kirche, der Feuerwehr und im Park stattfinden. Das gemeinsame Picknick ist für 12 Uhr vorgesehen. Der nächste Gottesdienst findet am 8. April um 14 Uhr mit Gemeindepädagogin Ulrike Heinrich statt.