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| 16:12 Uhr

Aus dem Amtsgericht Bad Liebenwerda
Drogen und Diebstähle, dann drei Kinder weg

Wie auf diesem Beispielfoto hat die junge Finsterwalderin eingesteckt, was in Tasche oder Rucksack hineingepasst hat.
Wie auf diesem Beispielfoto hat die junge Finsterwalderin eingesteckt, was in Tasche oder Rucksack hineingepasst hat. FOTO: SpeedKingz/Shutterstock.com
Bad Liebenwerda. Beim nächsten Vergehen wandert eine junge Finsterwalderin für vierzehn Monate ins Gefängnis. Von Manfred Feller

Die erst 24-jährige Martina M. (Name geändert) aus Finsterwalde muss ihr verpfuschtes Leben radikal ändern. Ansonsten wandert die wegen mehrfachen Diebstahls sowie Nötigung Verurteilte für ein Jahr und zwei Monate ins Gefängnis. Ein weiterer Ladenklau reicht und sie sieht ihre drei kleinen Kinder eine noch längere Zeit nicht wieder. Am 2. Weihnachtsfeiertag 2016 war den Behörden der Geduldsfaden endgültig gerissen. Die Kinder wurden in Obhut genommen. Laut dem Rechtsanwalt der Angeklagten haben sie derzeit keinen Kontakt zu ihrer Mutter.

Mit der verhängten Haftstrafe, die vom Schöffengericht Bad Liebenwerda auf ansehnliche vier Bewährungsjahre ausgesetzt worden ist, kommt die dreifache Mutter  noch glimpflich davon. Denn nach einem Ladendiebstahl hatte sie ein Messer herausgeholt und den Hausdetektiv mit den Worten „Ich steche dich ab“ bedroht. Das wiegt schwer.

Eine erste Bekanntschaft mit dem Zellenleben hat Martina M. mit ihren grau, rot und lila gefärbten Haaren kurz vor der Verhandlung gemacht. Weil sie nach einem Strafbefehl (in Abwesenheit vom Gericht ausgesprochen) nicht bezahlt hatte, wurde sie  zwölf Tage in Ersatzhaft genommen.

Dies und der Drogenmissbrauch seit sie 16 ist scheinen bei ihr Wirkung hinterlassen zu haben. Sie spricht kaum einen zusammenhängenden Satz und scheint der Verhandlung nur schwer folgen zu können. „Sind Sie heute gut drauf?“, wird sie vorab von Schöffenrichter Egon Schaeuble gefragt. Es kommt nur ein zögerliches „Ja“. Die angebotene Verhandlungspause zwischendurch nimmt sie gern an.

Im weiteren Verlauf deutet die Finsterwalderin zumeist nur auf Nachfragen von Gericht und Staatsanwaltschaft an, dass sie ihre Drogensucht als das Grundübel loswerden möchte. Sie habe „alles Mögliche“ konsumiert – von Shit bis Crystal Meth.

Die Tagesdosis muss bezahlt werden. Martina M. hat es mit redlicher Arbeit nie versucht. Mit zwei Geschwistern bei Mutter und Oma aufgewachsen, lebte sie ab dem 16. Lebensjahr in einem Heim. Nach der Förderschule nahm sie keine Ausbildung auf.

Ihren täglichen Drogenrausch finanzierte sie mit Hartz IV. War das Geld aufgebraucht, ging sie stehlen. Sie bestätigt vor Gericht, dass sie die geklauten Waren gegen Crystal und Co eingetauscht hat.

Die Staatsanwaltschaft beschränkt sich in ihren Anklagevorwürfen auf die wesentlichen Taten in Finsterwalde und Massen. Diese beziehen sich vornehmlich auf das Jahr 2017, als sie immer wieder in Einkaufsmärkten, aber auch in einer Drogerie und in einem Baumarkt ertappt worden war. In ihren mitgeführten Rucksack passte eine Menge wertiger Sachen hinein. Mal waren es mehrere Powerbanks (zum mobilen Laden zum Beispiel eines Smartphones) und Netzwerklautsprecher (Gesamtwert 345,93 Euro), dann Speicherkarten für 90,30 Euro, sieben Dosen Tabak für 99,30 Euro, Kosmetikartikel und Spirituosen für 174 Euro sowie Sport- und Winterschuhe für zusammen 214 Euro. Wo sie erwischt wurde, hatte sie fortan Hausverbot. Viele unentdeckte Diebstähle seien wahrscheinlich.

Am 24. Juli 2017 hatte es die damals 23-Jährige jedoch übertrieben. Bei einem Discounter in der Sängerstadt hatte sie kleine Artikel mitgehen lassen. Der Detektiv ließ die Verdächtige ohne Beweise zunächst laufen, schaute sich aber umgehend das Überwachungsvideo an, lief ihr hinterher und stellte sie. Die junge Frau zückte daraufhin ein Küchenmesser mit einer zehn Zentimeter langen Klinge. Die herbeigerufene Polizei entdeckte bei ihr zudem Pfefferspray, einen verbotenen Schlagring und noch ein Messer.

„Das bin ich eigentlich nicht“, sagt die junge Frau heute und ist erschrocken vor sich selbst. Sie könne sich angeblich an vieles, was sie im Drogenrausch angestellt habe, nicht erinnern. Ihr Geständnis und der Wille nach einem Entzug, den sie nach Ansicht aller Prozessbeteiligten allein nicht schaffen wird, führen zu „einem geringen Strafmaß“, wie es die Staatsanwaltschaft festgestellt hatte. Ein Jahr und zwei Monate Haft, drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, stehen nun im Raum. Der Verteidigung reicht ein Jahr, weil die Taten unter Drogeneinfluss begangen worden waren.

Das ist dem Schöffengericht trotz der Schicksalsjahre in der Familie doch zu wenig. Das Urteil: 14 Monate Haft und vier Jahre Bewährung. Die 24-Jährige hat sich zudem sofort bei der ambulanten Drogenberatung in Finsterwalde zu melden und solle sich von Drogenkreisen fernhalten, mahnt der Richter. Noch schwerer dürfte wiegen, was der Staatsanwalt ihr auf den Weg gibt: „Sie haben es in der Hand, dass Ihre Kinder ihre Mutter kennenlernen.“