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| 18:02 Uhr

Aus dem Gericht
Vaters Garage in Großthiemig war Lagerplatz für Drogen

Die zerstörerische Droge Crystal Meth, wie auf diesem Foto beispielhaft gezeigt, wurde in Großthiemig gelagert, gestreckt und dann weiterverkauft. Auch mehrere Tausend Euro Bargeld fanden die Ermittler dort.
Die zerstörerische Droge Crystal Meth, wie auf diesem Foto beispielhaft gezeigt, wurde in Großthiemig gelagert, gestreckt und dann weiterverkauft. Auch mehrere Tausend Euro Bargeld fanden die Ermittler dort. FOTO: Jens Schlueter / dpa
Bad Liebenwerda. Das Schöffengericht Bad Liebenwerda verurteilt einen jungen Mann wegen Beihilfe zu Haft auf Bewährung. Von Manfred Feller

Auf den ersten Blick erscheint die Strafe hart. Ein 28-Jähriger wird vom Schöffengericht in Bad Liebenwerda zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, ausgesetzt für drei Jahre zur Bewährung. Und das nur deshalb, weil er nach eigenem Bekunden nichtsahnend ausgerechnet einem größeren Drogenhändler eine Garage seines Vaters in Großthiemig als Lager- und Umschlagplatz vermietet hat. Dafür habe er monatlich 50 Euro erhalten.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Egon Schaeuble nimmt die Aussage zur Kenntnis, weiß aber von umfangreichen Ermittlungen. Laut der Anklage der Staatsanwaltschaft ist das Crystal-Meth-Depot, in dem Drogen in einer nicht unbedeutenden Menge sowie Streckmittel und wohl auch 6000 Euro Bargeld sichergestellt worden waren, Mitte November 2016 aufgeflogen. Im Zuge der Ermittlungen war ein Hauptverdächtiger zwischenzeitlich vom Landgericht Cottbus zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Das Urteil sei aber nicht rechtskräftig.

In das Fadenkreuz der Kriminalpolizei war auch der 28-jährige Garagenvermieter geraten. Es wurde vermutet, dass er tiefer im Drogenhandel steckte, als er angab. Vier Monate saß er im vorigen Jahr in Untersuchungshaft. Geblieben ist der Tatbestand der bewussten Beihilfe, wie der Staatsanwalt später in seinem Plädoyer sagte. Auch dies sei ein Verbrechen.

Der Rechtsanwalt hatte zuvor den Tatvorwurf im Namen seines Mandanten bestätigt. Dieser gibt vor Gericht an, den verurteilten Garagenmieter seit dem Jahr 2007 zu kennen. Im Mai 2016 sei er von jenem gefragt worden, ob er eine Garage vermieten könne. Für monatlich 50 Euro sei der Schlüssel ausgehändigt worden.

Der dem Angeklagten bekannte Mann habe angegeben, eine Baufirma zu besitzen. Jener brauchte Lagermöglichkeiten. Als ihm die Polizei später mitgeteilt habe, dass sich in der Garage alles andere als Baumaterial befand, „da war ich ziemlich erschrocken“, sagt der 28-Jährige. Und: „Mit Drogen habe ich nie etwas zu tun gehabt.“ Eine Schöffin erwidert prompt, dass sie ihm diese Geschichte keineswegs abnimmt. Deshalb sei es auch unglaubwürdig, angesichts der großen Gewinnspannen im Drogenhandel nur einen Fünfziger als Miete zu verlangen.

Der Angeklagte kommt, wie das Gericht feststellt, aus bürgerlichem Hause. Das Straftatenregister weist keine Einträge auf. Nach der 10. Klasse habe der Mann Konstruktionsmechaniker gelernt, hatte immer gearbeitet und war in einer langjährigen Beziehung mit einer Frau. Kinder hat er nicht. Sein Verdienst lag von Oktober 2017 bis Januar 2018 bei ausgezahlten 1300 Euro. Seit Januar habe er einen neuen Arbeitgeber.

Die mehrmonatige Untersuchungshaft scheint ihn zum Nachdenken gebracht zu haben. „Darauf bin ich nicht stolz“, sagt er. „Hat die Haft etwas bewirkt?“, will der Schöffenrichter wissen. „Da habe ich ziemlich viel gelernt“, versichert der 28-Jährige. Er schiebt nach, dass er in seinem bisherigen Leben nie Drogen genommen und wenig Alkohol getrunken habe.

Schulden drücken ihn in Höhe von 16 000 Euro. Allerdings nicht für Konsumzwecke, sondern für eine neue Heizung. Dafür habe er sogar sein Auto verkauft.

Für die Beihilfe zum unerlaubten Handel mit illegalen Drogen will ihn die Staatsanwaltschaft ein Jahr und neun Monate im Gefängnis sehen, falls er innerhalb der nächsten drei Jahre erneut straffällig wird.

Aus Sicht des Rechtsbeistandes habe sein Mandant keine Vorstellung von dem gehabt, worauf er sich einlässt. Ihm sei auch nicht bewusst gewesen, dass er ein Rädchen in der organisierten Kriminalität gewesen ist. Die U-Haft habe bereits eine generalpräventive Wirkung gehabt. Ein Jahr Freiheitsentzug sei deshalb angemessen. Der Haftbefehl sollte aufgrund der guten Sozialprognose aufgehoben werden. Dem wird dann auch stattgegeben.

Das Schöffengericht verurteilt den geständigen Angeklagten zu einem Jahr und neun Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung und den Einzug der erhaltenen Miete. Die U-Haft werde abgezogen. Das Strafmaß sei in dieser Höhe gewählt worden, um die Tat nicht zu bagatellisieren. Schließlich sei Crystal Meth eine gefährliche Droge.

Staatsanwalt, Anwalt und der Verurteilte verzichten auf Rechtsmittel gegen das Urteil.