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Drescher frisst sich durch Gerste

Brandenburger Auftakt zur Getreideernte in Bönitz. Landesbauernchef Henrik Wendorff (l.) stapft mit Dorsten Höhne, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster, und der aktuellen Landes-Erntekönigin Anne Schubert durch die reife Wintergerste. Es werden durchschnittliche Erträge erwartet.
Brandenburger Auftakt zur Getreideernte in Bönitz. Landesbauernchef Henrik Wendorff (l.) stapft mit Dorsten Höhne, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster, und der aktuellen Landes-Erntekönigin Anne Schubert durch die reife Wintergerste. Es werden durchschnittliche Erträge erwartet. FOTO: Manfred Feller
Bönitz. Der offizielle Start der Getreideernte in Brandenburg ist diesmal im Elbe-Elster-Landkreis. Wintergerste in Bönitz ist jetzt reif für den Speicher. Manfred Feller

Raubvögel kreisen über dem Schlag mit Wintergerste bei Bönitz. Auch zwei Störche staksen auf der Suche nach aufgescheuchtem Kleingetier durch die Stoppeln. Dies und die Staubwolke sind untrügliche Zeichen dafür, dass die Getreideernte in Brandenburg gestartet ist. Die Röderland GmbH Bönitz marschiert aufgrund der äußeren Bedingungen zeitlich meistens vorneweg.

Zum Auftakt mit den Bauernchefs zieht Mähdrescherfahrer Robert Kruckow seine Runden. Der neue, grüne John Deere mit dem neun Meter breiten Schneidwerk, das für die hiesigen Schlaggrößen ausreichend ist, hat Kraft ohne Ende und ist beim Drehen und Abbunkern wendig wie ein Traktor.

Allerdings hat er auf dem Dach ein paar Beulen. Das komme von dem Sturm vorige Woche Donnerstag, klärt Manfred Stahr, Betriebsleiter der Röderland GmbH Bönitz, auf. Der heftige Wind habe das Dach der Fahrzeughalle weggerissen. "Wir sind froh, dass es nicht die Dächer auf den Tierställen getroffen hat", sagt er weiter. Der Betrieb müsse nun zwar ungeplant Geld in die Hand nehmen, investiere jedoch immer wieder in Gebäude und Technik, um keinen Investitionsstau aufkommen zu lassen.

Beim Getreide erwarten die Landwirte in Brandenburg nach Auskunft von Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes, aufgrund der keineswegs optimalen Witterungsbedingungen "durchwachsene Ergebnisse". Da die Anbaufläche bei Getreide insgesamt um etwa 11 000 auf 486 700 Hektar gesunken ist, fällt auch die Menge ab. In den konventionellen Betrieben werden die Hektarerträge durchschnittlich gar leicht unter dem 5-Jahres-Mittel liegen. In den ökologisch wirtschaftenden Unternehmen steige das Volumen dagegen um rund zehn Prozent. Erstmals habe der Winterweizen den Roggen als anbaustärkste Kultur im Land verdrängt. Gründe dafür seien die günstige Marktsituation und die neuen Züchtungen für leichte Böden.

Zugelegt haben Erbsen, Lupine, Kartoffeln und Silomais. Mais wächst im Land auf etwa 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen. Um Bönitz herum sind es laut Manfred Stahr ungefähr 16 Prozent. Kein Vergleich zum Gebiet an der holländischen Grenze mit mehr als 60 Prozent, sagt er.

Die Erzeugerpreise für Getreide liegen laut Henrik Wendorff auf einem festen, aber unbefriedigenden Niveau. Auch wenn Regen angekündigt worden ist, muss es insgesamt eine ordentliche Ernte werden. Den Segen der Brandenburger Erntekönigin Anne Schubert haben die Landwirte jedenfalls. Die 24-jährige Studentin aus der Uckermark (Prozess- und Qualitätsmanagement in Landwirtschaft und Gartenbau an der Humboldt-Uni) klärt gern über Ökolandbau und Tierwohl auf und wirbt für mehr Akzeptanz der Landwirtschaft.

Dabei blickt Dorsten Höhne, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster, vor allem auf die "große Politik", die zunehmend die kleinen bäuerlichen Betriebe fördern wolle. "Zukunftsfähige Landwirtschaft sieht anders aus", erwähnt er mit Blick auf die linear nach oben zeigenden Betriebsgrößen in Deutschland.

Im Landkreis Elbe-Elster arbeiten 2200 Personen in der Landwirtschaft. Hauptgetreideart ist hier der Winterroggen (14 000 Hektar) vor der Wintergerste mit rund 6500 Hektar. Elbe-Elster ist nach Auskunft von Dorsten Höhne die viehstärkste Region in Brandenburg mit 58 000 Rindern, 129 000 Schweinen, 381 000 Hühnern und 16 500 Schafen (Stand 2015).

Zum Thema:
Die Röderland GmbH Bönitz besteht aus drei Betrieben mit mehr als 30, zunehmend jüngeren Beschäftigten. Sie bewirtschaftet 1600 Hektar Land. Hauptsächlich werden Getreide, Mais und Raps angebaut. In den Ställen stehen rund 680 Milchkühe. Weitere Standbeine sind die Biogasanlage und die Direktvermarktung über den Hofladen. Seit gestern gibt es dort die ersten frischen Kartoffeln. 400 Hektar werden nur noch angebaut. Ein "Hobby" sind die 70 Mastschweine, die gern für die Hausschlachtung gekauft werden.