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| 01:51 Uhr

Dreihundertjährige bleibt im Dorf

Die Eiche in Kleinrössen ist ein imposantes Naturdenkmal. Foto: sk
Die Eiche in Kleinrössen ist ein imposantes Naturdenkmal. Foto: sk FOTO: sk
Kleinrössen. Der Anblick der alten Eiche ist manchem Groß- und Kleinrössener schon lange ein Dorn im Auge. In der Einwohnerversammlung war das Naturdenkmal, über das die Untere Naturschutzbehörde wacht, wieder Thema. Ortsvorsteher Hansgeorg Löwe meldete Pflegebedarf an. Von Sylvia Kunze

Für manchen Einwohner wäre das Fällen dieses Holzgiganten die beste Lösung. Aber davon wollen die Verantwortlichen der Unteren Naturschutzbehörde mit Verweis auf den Denkmalstatus des Baumes nichts wissen. Die vermutlich etwa 300 Jahre alte Stieleiche werde seit 1964 im Handbuch der Naturdenkmale als ein schützenswerter Baum geführt. An diesem Status solle sich vorerst auch nichts ändern, lässt Angela Wilde, Mitarbeiterin der Unteren Naturschutzbehörde, auf Anfrage wissen.

Sie begründet: "Die Eiche ist aufgrund ihres Alters und der Alleinstellung in diesem Bereich von kultur-historischer Bedeutung. Außerdem besitzt sie enorme Bedeutung für besonders geschützte Arten, die die Eiche als Lebensraum nutzen." Zu diesen würden der Eremit und verschiedene andere Rosenkäferarten gehören. Dass von den Baum, trotz des für einen Laien bedenklich aussehenden Stammes, eine Gefahr ausgeht, kann die Fachfrau nicht erkennen. Er werde in regelmäßigen Abständen von einem unabhängigen Sachverständigen hinsichtlich Stand- und Bruchsicherheit untersucht. Zudem sei erst 2010 auf dessen Vorschlag hin ein Rückschnitt der Krone erfolgt. "Die Stand- und Bruchsicherheit des Baumes ist zurzeit gegeben", versichert Angela Wilde. Dem pflichtet ihr Kollege Thomas Spillmann-Freiwald bei und ergänzt: "Die Stadt ist in der Pflicht, regelmäßig draufzuschauen und uns mitzuteilen, wenn Verdachtsmomente bestehen, dass die Sicherheit nicht mehr gegeben ist."

Angela Wilde kann nachvollziehen, dass so mancher sagt, der Baum sehe nicht mehr schön aus. Insbesondere nach dem Rückschnitt der Krone hat die Eiche erheblich an Imposanz eingebüßt. "Aber was ist schön? Schön ist relativ", sagt die Mitarbeiterin der Kreisverwaltung. "Wichtig ist, die Versorgung des Baumes mit einem offenen, unversiegelten und unverdichteten Wurzelraum zu sichern", macht sie deutlich, wie man der Dreihundertjährigen noch einige passable Jahre bescheren kann.

Zum Thema:

Der Schutz der Naturdenkmale im Landkreis wird gegenwärtig über Verordnungen und Beschlüsse geregelt, die teilweise aus den Jahren 1934, 1938, 1954 und 1964 herrühren und als übergeleitetes Recht noch immer gelten. Der Landkreis beabsichtigt, den Schutz der Naturdenkmale endgültig auf regionaler Ebene zu regeln. Die untere Naturschutzbehörde will den Entwurf der Verordnung, in der die Naturdenkmale festgesetzt werden, in Kürze dem Kreistag zur Beschlussfassung vorlegen.