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Drängelei am Hubschrauber

Finsterwalde.. Benjamin Köhler ist mit seinen Freunden auf dem Weg in den polizeilichen Gewahrsam. „Weil ich gestern Geburtstag hatte“ , sagt Benjamin (13). Doch nicht ein Trinkgelage oder Streich führt sie hierher, sondern die Einladung des Polizeischutzbereichs Elbe-Elster zum Tag der offenen Tür. So wie Benjamin haben gestern vor allem Kinder, meist in Begleitung der Eltern und Großeltern, den ersten Ferientag genutzt, um die Räume der Polizei in Finsterwalde zu inspizieren. Von Dörthe Ziemer

Fast genau ein Jahr nach der Polizeireform in Brandenburg präsentiert die Polizei ihre Abteilungen - von der Prävention über die Diensthundestaffel bis zur Weiterbildung. Auch die nicht in Finsterwalde ansässigen Bereiche wie die Autobahnpolizei sind vertreten. Hinzu kommen die Partner der Polizei - Notdienste, Munitionsbergung, Verkehrswacht.
Besuchermagnet Nummer eins ist der Polizei-Hubschrauber. Er ist einer der beiden, die Brandenburg hat, und erst seit fünf Wochen im Einsatz. Er löst gleich am Morgen einen wahren Besucheransturm aus. Zu erkunden ist die neueste Technik, mit der auch bei schlechtem Wetter und nachts Einsätze geflogen und Bilder übertragen werden können.
Viele Fragen zu beantworten hat Dieter Schöne, der am Blitzgerät steht. Wie viele Bilder mit dem Film geschossen werden können, will jemand wissen, oder worin der Unterschied zum Lasergerät liegt. Die Schulanfänger aus der Kita in Betten wollen allerdings nur eins - dass es blitzt. Doch alle Autos halten die ausnahmsweise hier vorgeschriebenen 30 km/h ein.
Im Sportraum hat die Abteilung Prävention ihre Utensilien aufgebaut. Neben der bunten Puppenbühne sind die vielen Broschüren zunächst uninteressant, doch Manuela Pfennig weiß sie unters Volk zu bringen. Die Senioren packt sie mit einer Broschüre zum sicheren Verhalten im Alltag. „Zu viele lassen ihre Haustüren offen und gehen in den Garten zum Kartoffeln setzen. Da hat jeder Dieb leichtes Spiel“ , weiß sie. Erzieherinnen, Lehrerinnen und auch Jugendliche interessieren sich für das Beratungsangebot zu den Themen Drogen und Gewalt.
Hin und wieder lärmt die Sirene über den Platz. Dann sind Andreas Frey und seine Kollegen von der Diensthundestaffel im Einsatz. Sie demonstrieren die Arbeit mit den Hunden mittels einer inszenierten Verfolgung. Seit der Schutzbereich zum Polizeipräsidium Potsdam gehört, gibt es kaum noch Einsätze für die Finsterwalder Rauschgift- und Fährtenhunde. „Vorher waren wir öfter in Cottbus bei Fußballspielen und am Lausitzring“ , erinnert sich Frey. „Doch Gott sei Dank gibt es hier nicht soviel Kriminalität.“
Das ist es, was viele der Polizisten erwähnen, dass der Schutzbereich Elbe-Elster mit zu den sichersten im Land Brandenburg gehört. Nachzulesen ist das im Computerkabinett, wo Jörg Richter und Bernd Zschiedrich eine Computer-Präsentation laufen lassen. „Die Zahl der Fälle ist durchschnittlich“ , sagen sie, „aber wir haben eine gute Aufklärungsquote.“ Durch die Nutzung aller Ressourcen sei das möglich geworden. Zudem arbeiteten die Fachabteilungen im Schutzbereich sehr gut zusammen. „Das macht auch die gute Stimmung hier im Hause aus. Ressortdenken gibt es bei uns nicht“ , so Zschiedrich. Die Tatsache, dass sich die Schutzbereiche seit der Polizeireform selbst verwalten können, führe zu mehr Entscheidungsfreiheit, schätzt Jörg Richter ein.
Nach außen hin habe sich die Reform, so Schutzbereichsleiter Sven Bogacz, vor allem durch die verstärkte Präsenz der Polizei bemerkbar gemacht. Doch nicht alle Bürger nehmen diese Präsenz so wahr. „In der Stadt sehe ich sie nicht häufiger“ , meint Helmut Pietschmann aus Großkrausnik, „eher in den umliegenden Ortschaften.“ Über die Frage der Polizeipräsenz hinausgehend haben die wenigsten der Gäste dieses Tages der offenen Tür die Reformen bemerkt. Wohl aber konnten sie an diesem Tag die Polizei einmal von vielen Seiten kennen lernen.