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| 18:52 Uhr

Gaudi auf der Brandenburger Wies’n
Dirndl schlägt in München Lederhose

Die Stimmung ist am Siedepunkt – zwei proppevolle Festzelte zum Samstag beim Oktoberfest in München an der Elster.
Die Stimmung ist am Siedepunkt – zwei proppevolle Festzelte zum Samstag beim Oktoberfest in München an der Elster. FOTO: Veit Rösler
München. Das Oktoberfest in München an der Elster ist nun volljährig. Die 18. Auflage zog drei Tage lang erneut Tausende Gäste an.

Es gibt immer ein erstes Mal. Auch für Herzbergs neuen Bürgermeister Karsten Eule-Prütz. Fassbieranstich, das ist so eine heikle Angelegenheit. Entweder er klappt oder du lässt es kräftig spritzen. Karsten Eule-Prütz ist an diese neue Herausforderung zwar, wie er sagt, „einigermaßen aufgeregt“, aber dennoch unbekümmert und mit viel Humor herangegangen. „Ich wollte doch auch deswegen Herzberger Bürgermeister werden, weil ich unbedingt einmal das Fass zum Oktoberfest in München anschlagen wollte“, verriet er am Freitagabend mit einem verschmitzten Grinsen.

Mit ein paar Tricks von Männern ausgestattet – „schlag nicht zu kräftig“, „Du musst das mit Gefühl machen“, „der erste Schlag muss sitzen“ und „mach den Hahn vorher etwas feucht“ – ging es zur Sache. Und logo: Theorie und Praxis sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe – es spritzte! Sechs Schläge waren nötig, um das Bier geregelt fließen zu lassen. Für das erste Mal trotzdem nicht schlecht. Am Rande ist übrigens eine Frage diskutiert worden: Hat eigentlich in den zurückliegenden 17 Jahren auch schon mal eine Frau den Holzhammer geschwungen?? Oder wäre nicht vielleicht Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth, die durch den Städtebund mit Elbe-Elster liiert ist, nicht eine geeignete nächste Kandidatin?

Bei bester Live-Musik wird in kleinen München zünftig drei Tage ausgelassen gefeiert. Besucher kommen mittlerweile aus ganz Deutschland.
Bei bester Live-Musik wird in kleinen München zünftig drei Tage ausgelassen gefeiert. Besucher kommen mittlerweile aus ganz Deutschland. FOTO: Veit Rösler

Der Anstich eröffnete eine RiesenSause in München an der Elster. Prägen am Freitag zumindest bis gegen Mitternacht noch etwas ältere Herrschaften das Zelt – seit der Premiere treffen sich dort viele Mitarbeiter aus Firmen mit ihren Chefs an der Spitze, aus Rathäusern und sonstigen Verwaltungen – übernehmen am Sonnabend Besucher aus inzwischen wirklich vielen Orten Deutschlands das Zepter. Jeder der drei Tage hat seine eigene Klientel. Während am Freitag Dirndl und Lederhosen schon fast Pflichtrobe sind, sind die jungen Männer am Samstag noch etwas zurückhaltend. Während die jungen Damen sehr wohl aufs Dirndl gekommen sind,  tragen die Herren noch oft Jeans und das normale Disco-Outfit. In dieser Nacht treffen sich viele in München, die wegen ihres Jobs ausgewandert sind. Sie nutzen den Termin für einen Besuch in der Heimat, wobei sie in den meisten Fällen noch den neuen Bekanntenkreis in das kleine München mitbringen. Entsprechend ausgebucht sind die Übernachtungsangebote in der Umgebung. Darunter sind viele Stammkunden, die schon seit 18 Jahren dabei sind, denn so alt ist das Oktoberfest im kleinen München nun schon. Überregional lebt die Veranstaltung von der Mundpropaganda und mittlerweile von den sozialen Netzwerken. Wie beim großen Vorbild in Bayern hat sich auch hier ein altbewährtes und hoch effektives Konzept eingestellt. Während in den ersten Jahren noch experimentiert wurde, werden seit Jahren unverändert zwei große Zelte mit einer Gesamtgröße von etwa 2700 Quadratmetern aufgebaut – mit einer an der östlichen Querseite errichteten Bühne. Die Stammkunden kennen sich mittlerweile ganz genau aus, wissen, wie die Anreise funktioniert, wo die Autos abgestellt werden und wo die Eintrittskarten zu bekommen sind. Neben dem Stammkonzept werden aber Logistik und der Service stetig ausgebaut. So gab es in diesem Jahr zum Beispiel ein weitaus vielseitigeres Getränkekonzept, mit einer neu gestalteten hinteren Biermeile, die noch schneller den Durst der Wiesn-Besucher löschen soll.

Während die jungen Mädchen und Frauen das Dirndl für sich entdeckt haben, sind die Männer noch zurückhaltender und bleiben beim Disco-Outfit.
Während die jungen Mädchen und Frauen das Dirndl für sich entdeckt haben, sind die Männer noch zurückhaltender und bleiben beim Disco-Outfit. FOTO: Veit Rösler

Der Sonntag entwickelt sich immer mehr zum Familientag. „Mit dem Programm der Kindergärten haben wir den heranwachsenden Oktoberfest-Nachwuchs im Auge“, meint Veranstalter Mathias Winter. Der Nachwuchs kann dann auch gleich noch das ausgelassene Wettfeiern der Erwachsenen beim Wiesn-Triathlon aus Bierrutsche, Weißwurstwettessen sowie Stiefeltrinken und -stemmen hautnah mit verfolgen. Hinter den Kulissen läuft seit Jahren ein vielrädriges logistisches Meisterwerk mit einem festen Stamm aus etwa 25 Helfern. Jeder hat seinen Zeitplan für Aufbau, Servicestellen, Aufräumen und dann für den Rückbau der Anlage, an deren Stelle nach kurzer Zeit wieder eine friedliche Wiese zu finden ist.