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Elsterwerda
Dieter Herrchen geht

Der Kampf um Campina oder eine Nachfolgelösung; Dieter Herrchen mit dem damaligen Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck.
Der Kampf um Campina oder eine Nachfolgelösung; Dieter Herrchen mit dem damaligen Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck. FOTO: Nestor Bachmann
Elsterwerda. In der nächsten Woche endet die Amtszeit von Elsterwerdas Bürgermeister Dieter Herrchen. Der Versuch eines Rückblicks.

Am Freitag hat er sich bei einer Veranstaltung im Elsterwerdaer Feuerwehrgerätehaus von den Mitarbeitern des Rathauses verabschiedet – auf eigene Kosten. Am Mittwoch nächster Woche übergibt er die Amtskette an seine Nachfolgerin Anja Heinrich (CDU).  Dann endet die Amtszeit von Bürgermeister Dieter Herrchen (parteilos).

16 Jahre hat der Mann, der im vorigen Jahr seinen 65. Geburtstag gefeiert hat, dann an der Spitze des Rathauses gestanden. 2001 ist er zum Bürgermeister gewählt worden, hat als Parteiloser für die damalige PDS in einer Stichwahl gegen Rudolf Scheibe (SPD) klar gewonnen. Im Jahr 2009 hatte er gar keinen Gegner mehr, erhielt bei einer Wahlbeteiligung von 65,34 Prozent ein überwältigendes Votum: 82,7 Prozent der Wähler wollten, dass er weitermacht.

„Ich habe 16 Jahre mit Leidenschaft in diesem Amt dienen dürfen“, sagte er im vergangenen Jahr, als die RUNDSCHAU ihn fragte, ob er noch eine dritte Amtszeit wagen wolle und sprach von einer „erlebnisreichen, spannenden Zeit, die auch mich als Mensch stark gefordert hat“. Der Job, so gestand er ein, fülle ihn aus, private und persönliche Belange habe er stets zurückgestellt.

Einen Leitspruch hat er gern wiederholt, wenn es um das Amt ging: „Bürgermeister sind Fußnoten in der Geschichte einer Stadt, nicht mehr und auch nicht weniger.“

In seiner Amtszeit hat er dicke Bretter bohren müssen. Die Situation des Wasser- und Abwasserverbandes, der zwischenzeitlich arg in Schieflage geraten war und jetzt wieder konsolidiert dasteht, hat ihn ebenso stark gefordert wie die Konsequenzen, die der Verkauf des damaligen städtischen Wohnungsbestandes mit sich brachten. Noch heute muss die Stadt erhebliche Summen für das Stadthaus bezahlen.

Er hadert mit sich, wenn er an seine große Vision Hochhaus auf dem Markt denkt – für ihn noch heute eine vertane Chance, „weil Investoren bereitstanden.“ Oder die Nachnutzung des Impulsa-Hochhauses. In seinem ersten Bürgermeisterwahlkampf hatte er sich dieses Objekt als dicken Brocken vorgenommen, ist an wechselnden Eigentumsverhältnissen jedoch stets gescheitert.

Dass Elsterwerda noch immer keine Umgehungsstraße hat, die Hochwasserproblematik akut bleibt, obwohl er alles in die Waagschale geworfen hat, das ärgert ihn. Er hat die Flüchtlingsproblematik in der Stadt nahezu geräuschlos moderiert, war permanent mit Unternehmen der Stadt im Gespräch.

Den Vereinen galt seine große Aufmerksamkeit, wie vor allem der Feuerwehr. Die leidenschaftliche Debatte um einen Kunstrasenplatz hat wochenlang Elsterwerda bestimmt.

Er ist nah dran an den Bürgern, auf der Straße sprechen ihn viele mit Du an. Er ist in die Roben der Historischen Einkaufsnacht genauso gern geschlüpft, wie er Fußballschuhe, Badehose oder Jeckenmütze aufgesetzt hat, wenn es um den guten Zweck ging. Als Trompete und Flöte spielender Bürgermeister hat er ein Orchester auf die Beine gestellt und Spenden für Wasser- und Glockenturm gesammelt.

Mitunter war der einstige Offizier einigen zu generalstabsmäßig organisiert. Seine glänzenden rhetorischen Fähigkeiten, die ihm auch politische Gegner bescheinigen, waren in vielen Fällen entscheidende Grundlage für klare Mehrheiten in der Stadtverordnetenversammlung.

Dieses Ritual hat Dieter Herrchen eingeführt: Bänder durchschneiden nicht Politiker oder „Promis“, sondern immer Menschen, die vom Bau profitieren, hier nach Fertigstellung der Feldstraße die damals 80-jährige Ursula Graf.
Dieses Ritual hat Dieter Herrchen eingeführt: Bänder durchschneiden nicht Politiker oder „Promis“, sondern immer Menschen, die vom Bau profitieren, hier nach Fertigstellung der Feldstraße die damals 80-jährige Ursula Graf. FOTO: Antje Posern
Gescheitert: Die Visionen vom Marktplatz Elsterwerda mit einem Hochhaus an der Südspitze haben sich nicht erfüllt.
Gescheitert: Die Visionen vom Marktplatz Elsterwerda mit einem Hochhaus an der Südspitze haben sich nicht erfüllt. FOTO: Agentur
2001: Das erste Foto des damaligen Bürgermeisterkandidaten Dieter Herrchen in der LR. Die Zukunft des Impulsa-Hochhauses beschäftigte ihn.
2001: Das erste Foto des damaligen Bürgermeisterkandidaten Dieter Herrchen in der LR. Die Zukunft des Impulsa-Hochhauses beschäftigte ihn. FOTO: Roesler Veit
Bürgermeister Dieter Herrchen (Elsterwerda, l.) wird von seinen Kollegen in der Kreisarbeitsgemeinschaft verabschiedet.
Bürgermeister Dieter Herrchen (Elsterwerda, l.) wird von seinen Kollegen in der Kreisarbeitsgemeinschaft verabschiedet. FOTO: Martin Exner / LR
2001 – erste Aktion im Wahlkampf. Baumpflanzen mit dem damaligen PDS-Chef Lothar Bisky (l.).
2001 – erste Aktion im Wahlkampf. Baumpflanzen mit dem damaligen PDS-Chef Lothar Bisky (l.). FOTO: Roesler Veit
Anja Heinrich hat den Bürgermeister „an die Kette“ gelegt, bald passiert es anders herum.
Anja Heinrich hat den Bürgermeister „an die Kette“ gelegt, bald passiert es anders herum. FOTO: Frank Claus
Soccer-Cup im Gewerbegebiet Elsterwerda: Für den begeisterten Fußballer Herrchen ein Heimspiel.
Soccer-Cup im Gewerbegebiet Elsterwerda: Für den begeisterten Fußballer Herrchen ein Heimspiel. FOTO: Veit Rösler
Außerordentlich schick daher kamen Bürgermeister Dieter Herrchen und Gattin. Das Stadtoberhaupt ist während der historischen Einkaufsnacht mit dem Orden „Ritter der Talerrunde“ geehrt worden. Foto: Sattler/sam1    Außerordentlich schick daher kamen Bürgermeister Dieter Herrchen und Gattin. Das Stadtoberhaupt ist während der historischen Einkaufsnacht mit dem Orden „Ritter der Talerrunde“ geehrt worden. Foto: Sattler
Außerordentlich schick daher kamen Bürgermeister Dieter Herrchen und Gattin. Das Stadtoberhaupt ist während der historischen Einkaufsnacht mit dem Orden „Ritter der Talerrunde“ geehrt worden. Foto: Sattler/sam1 Außerordentlich schick daher kamen Bürgermeister Dieter Herrchen und Gattin. Das Stadtoberhaupt ist während der historischen Einkaufsnacht mit dem Orden „Ritter der Talerrunde“ geehrt worden. Foto: Sattler FOTO: Mirko Sattler