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Diese Frau findet gegen alles ein Kraut

Heinrich Ahrens darf an dem von Kerstin Matausch angesetzten Salbeisirup schnuppern.
Heinrich Ahrens darf an dem von Kerstin Matausch angesetzten Salbeisirup schnuppern. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Bönitz. Die Natur verbirgt unvorstellbare Schätze, doch in der heutigen Zeit findet das Wissen um sie nur selten Anwendung. Ihre Kenntnisse um die Heilkraft der Natur stellt nun Kräuterfrau Kerstin Matausch wieder in den Vordergrund. Mirko Sattler / sam1

Die Phytotherapeutin verriet beim Herbstfest in Bönitz am vergangenen Wochenende: "Das Projekt Kräuterhof als Begegnungsstätte vereint Schule und Produktion. In der Schule lernen die Teilnehmer in verschiedenen Kursen Dinge der Naturheilkunde kennen und wie man sie zu Hause selbst anwendet. Pflanzen stehen nicht nur für Nahrung oder Kleidung, sondern sind auch unsere Medizin. Viel vom Wissen über ihre Wirkung und Verwendung ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, dieses Wissen wiederzubeleben."

Zwar darf sie die Kenntnisse der Wirkstoffe der einzelnen Pflanzen lehren, doch ein Verkauf in Form von Salben und Tinkturen bleibt ihr aufgrund der fehlenden Ausbildung als Apothekerin verwehrt. Dafür bietet sie in ihrem Café Selbstgemachtes aus ihrem Kräutergarten an. Und dieser ist prall gefüllt. Hat man Kräuter wie Thymian, Sanddorn oder Kamille schon irgendwann einmal gehört und weiß, was man daraus machen kann, beginnt man bei Namen wie Bärwurz, Jacobsleiter Pestwurz, Angelika oder Rainfarn zu grübeln. Kräuterfrau Kerstin Matausch erklärt: "In meinem Wildkräutergarten wachsen rund 200 Pflanzen. Sie kommen nicht alle bei uns in der heimischen Natur vor. Verwendet werden sie für leckere Limonaden, Kuchen oder Liköre. Ein Gewächs, welches bei uns nicht heimisch ist, aber dennoch gut gedeiht, ist die Tollkirsche. Die Wirkstoffe der Tollkirsche nehmen zum Beispiel die Augenärzte, um bei Untersuchungen die Pupillen zu erweitern. Im Mittelalter nahmen die Damen den Wirkstoff, um den Männern große Augen zu machen."

Die Rezepte von Kerstin Matausch haben viel mit den Erkenntnissen der Wirkung von Nahrungsmitteln, Kräutern und Gewürzen auf die Gesundheit von Hildegard von Bingen zu tun. Einige stammen auch aus Großmutters Rezeptbuch. "Wir verwenden neben den Kräutern nur Dinkel und Urgetreide. Weizen ist bei uns passé", so die Kräuterfrau weiter.

Besonders beliebt ist bei ihr der Wildkräuterspaziergang, der auch im Rahmen des Herbstfestes angeboten wurde. "Wir wandern in der Gruppe mit maximal 40 Personen auf Wegen entlang von Feldern, Wiesen oder Wäldern. Hier besprechen wir die Kräuter, die hier wachsen, und setzen in einem Kurs auch schon einmal einen Kräuterlikör an", verriet die Phytotherapeutin, die zugleich ausgebildete Floristin und Bäckermeisterin ist.

Die Wanderung in die nahe Umgebung des Kräuterhofes in Bönitz ist der Einstieg. Kommt man um den Johannestag herum zu einem Besuch ins Fachwerkhäuschen, abseits der Ortslage Bönitz, mitten in der Natur, fallen dem Besucher gleich die vielen Ansetzgläser auf, die in der Sonne stehen. "Im Sommer haben wie hier so zwischen 20 und 30 Ansetzgläser zu stehen. Jetzt sind es etwas weniger. Aus dem Salbei wird in sechs bis acht Wochen zum Beispiel Sirup mit Salbei. Durch die Sonneneinwirkung löst sich der Zucker und löst dabei die Wirkstoffe aus dem Salbei heraus", erklärt Kerstin Matausch.

Heinrich Ahrens, der mit seiner Frau beim Herbstfest vorbeischaute, durfte schon einmal am geöffneten Sirupglas schnuppern. "Ich bin beeindruckt, was hier alles wächst. Der Garten ist ganz toll und ich werde ganz bestimmt wieder kommen", sagte der Fermerswalder, der gleichzeitig den selbstgemachten Schnaps für Magenschmerzen lobte. Da es nun witterungsbedingt mit den Kräutern langsam bergab geht, werden in der Kräuterschule vermehrt Produkte aus dem heimischen Garten verarbeitet. So zum Beispiel Beeren, Quitten oder Weißdorn. Über letzteren kann man in einem Kurs am 10. Oktober mehr erfahren. Dann werden Tinkturen und ein Herzwein aus Weißdorn hergestellt. Bis zum 4. Advent ist die Kräuterschule noch geöffnet.

www.kraeuterfrau.net