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| 01:02 Uhr

Die schlimmsten „Auto-Piloten“

OSL-/EE-Kreis.. Mutprobe Arbeitsweg. Den Frust über den Raser hinter und den Schleicher vor der eigenen Blech-Karosse – wer kennt ihn nicht? Die landläufige Behauptung, dass jeweils die Auto-Lenker aus der unmittelbaren Nachbarschaft die schlimmsten Fahrer sein sollen, hat die RUNDSCHAU – praktisch zu keiner kollegial einvernehmlichen Auffassung gekommen – mal genauer hinterfragt. Von Kathleen Weser <br> und Heidrun Seidel

Aus dem Erfahrungsschatz einer Elbe-Elster-Fahrerin: „Wir wissen, hinter der Oberspreewald-Lausitz-Grenze wird's gefährlich.“ Da schleicht man Tag für Tag vorsichtig von der Tagebaukante kurz hinter der Kreisgrenze hin zu Büro und Arbeitsplatz - und schon wird man wieder von einem überholt auf der Gegenspur an der Verkehrsinsel, ausgebremst vor der Ampel oder einer ist rechts vorbeigehuscht am eigenen Gefährt auf der Autobahn. „Gleich, welche Strecke ich bevorzuge: Sie sind überall - und überall waghalsig unterwegs. Mit dem Kennzeichen OSL. Und trotzdem bleibe ich so mutig, mich jeden Tag aufs Neue auf die Straßen in Richtung Senftenberg zu wagen . . .“
Auf einer anderen Einflugschneise die OSL-Lenkerin: „Da, ein Elbe-Elster-Fahrer! Abstand halten. Sonst wird's gefährlich.“ Die Warnung scheint dem erfahrenen Oberspreewald-Lausitz-Einwohner angebracht. Vorsorglich wird sie deshalb ausgestoßen - auf der Bundesstraße 169, die aus dem Elbe-Elster-Land kommend vorbei an Lauchhammer auf direktem Weg nach Senftenberg führt. Dass auf der Allee gesäumten Piste auch auf ganzer Breite nur zwei Wagen im Gegenverkehr Platz haben, wollen die EE-Zeichen-Träger scheinbar nicht ganz einsehen. Eine Drängelei in der 80er-Zone - da kann einem ja regelmäßig Himmelangst und Bange werden . . .
Ines Filohn, die Elbe-Elster-Polizeisprecherin, lehnt sich zurück. „Schon die Haftpflichteinstufung zeigt, unser Zulassungsbezirk ist besser als der Oberspreewald-Lausitz-Kreis“ , stellt sie klar. Denn Fakt ist, die Elbe-Elster-Fahrer kosten die Kfz-Versicherungen weit weniger als das zwischen Lübbenau und Ortrand der Fall ist. Von 2303 Verkehrsunfällen im benachbarten Kreis haben sich 447 Ortsfremde (19,4 Prozent) und darunter 85 OSL-Fahrer in der Polizei-Statistik verewigt (Stand III. Quartal des laufenden Jahres). 227 Mal wurden Personen verletzt, in fünf Fällen gelten OSL-Lenker als Verursacher. Der Gesamt-Sachschaden wird auf 4,74 Millionen Euro geschätzt. Nicht im Zulassungsbezirk Elbe-Elster beheimatete Fahrer sind an den Beulen und dem Schrott im Umfang von etwa 1,8 Millionen Euro beteiligt, hat die Verkehrspolizei aus dem schlauen Computer „gezogen“ . „Häufige Unfallursache sind Kollisionen mit Wild. Wir haben über 2000 Kilometer Straße in überwiegend ländlichem Raum“ , erklärt Ines Filohn. Deshalb bleibt der Elbe-Elster-Kreis bei der Einstufung in der Haftpflichtversicherung (Schadensregulierung an fremden Unfallfahrzeugen) deutlich niedriger als in Teil- und Vollkasko. Relativ hoch ist gemessen an den registrierten Bagatell-Unfällen (190), beispielsweise auf Parkplätzen, die Zahl der OSL-Fahrer (13) unter den ortsfremden Personen (39), die auf Elbe-Elster-Terrain Beulen verursacht haben. Zur Ehrenrettung der hiesigen Auto-Lenker muss aber dazu doch erklärt werden, dass die Quote der Einkaufspendler aus dem und in den jeweiligen Nachbar-Kreis eine gänzlich unbekannte Größe ist.
Dietmar Badack, Polizeisprecher im Schutzbereich Oberspreewald-Lausitz, muss passen. Eine Erhebung über die Elbe-Elster-Sünder auf dem hiesigen Gebiet ist in Senftenberg nicht abrufbar. Auch das zuständige Polizeipräsidium in Frankfurt/Oder erhebt die Verursacher-Daten nach einheimischen und fremden Bürgern nicht. Die Gründe dafür bleiben im Dunkeln. Mit 3397 Verkehrsunfällen und 445 verletzten Personen fällt die Negativ-Statistik hier allerdings höher als bei den Nachbarn aus. Verkehrstote sind dagegen im Elbe-Elster-Kreis 18, im OSL-Schutzbereich zehn zu verzeichnen.